Der Kölner Immobilienmarkt leidet unter hohen Zinsen sowie zu wenig Fläche für Neubau. Dies spiegelt sich sowohl beim Wohnungsbau wie beim Gewerbe und Investment.
Kölner ImmobilienmarktZinsen steigen, wenig Fläche

Einige Wohnungsbauprojekte liegen wegen hoher Preise schon auf Eis.
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Die Grundproblematik auf dem Immobiliensektor bleibt in fast allen Bereichen dieselbe, prognostizieren die Experten von Colliers: Steigende Zinsen hemmen das Bauwachstum, und speziell für Köln spielen die nicht vorhandenen Flächen eine immer größere Rolle. Bei den Zinsen sei es noch nicht einmal das Niveau selbst, was Sorgen bereite, sondern der sprunghafte Anstieg innerhalb weniger Monate. Das gelte sowohl für den Investment-, den Büro- wie für den Wohnungsmarkt.
Für letzteren sehen die Immobilienberater den Peak erreicht: Mit Preisen von über 7000 Euro für den Quadratmeter – in Düsseldorf gar über 8000 Euro – sei ein Punkt erreicht, bei dem sich trotz weiter steigender Mieten der Kauf einer Wohnung für viele kaum noch rechne. Da die Baukosten und die energetischen Anforderungen gleichzeitig aber weiter in die Höhe gehen, ist man bei Colliers eher skeptisch, was weitere, eigentlich dringend benötigte Bautätigkeiten im Wohnungssektor angeht. Allerdings sei für institutionelle Investoren Wohnen nach wie vor ein wichtiger Baustein in ihrem Portfolio, erklärt Regional Manager Herwig Lieb: „Das weiterhin hohe Zinsniveau führt zu deutlichen Preiskorrekturen und einem damit verbunden Anstieg der Renditen. Preisvorstellungen von Verkäufern und Käufern nähern sich langsam an. Wir erwarten aber, dass die neue Preisfindung noch mindestens bis zum zweiten Halbjahr nicht abgeschlossen sein wird.“
Markt bleibt in Bewegung
Was die Büroflächen angeht, zeichnet sich eine immer größer werdende Spange zwischen gut aufgestellten Innenstadt-Lagen – bevorzugt Neu- oder Umbau – und energetisch problematischen Altbeständen in Randbezirken ab. Denn die will eigentlich keiner mehr haben, zumindest sind sie deutlich schwerer zu vermarkten. „Die Nutzer verlangen mehr Qualität“, sagt Cem Ergüney, Head of Office Letting bei Colliers. Letztlich spielen hier der extrem geringe Leerstand in Köln von gerade 2,7 Prozent und die im Vergleich etwa zu Düsseldorf schlechtere Bestandsqualität eine limitierende Rolle. Der Markt bleibt aber in Bewegung, für das Jahr 2023 wird ein Transaktions-Volumen von rund 260 000 Quadratmetern prognostiziert. Die Spitzenmiete bei Gewerbeimmobilien in Köln kletterte auf 34 Euro für den Quadratmeter, im Schnitt sind es 18 Euro.
Im Handel gibt es eine klare Tendenz zu weniger Angebotsfläche, kürzeren Mietverträgen und immer mehr Mixed-Use-Konzepten: Die großen Ankermieter speziell im Fashion-Bereich ziehen sich mehr und mehr zurück oder müssen in die Insolvenz. Die Aufteilungen werden kleinteiliger, gleichzeitig öffnen immer mehr Show-Rooms selbst für Elektro-Autos. Allerdings blieben Luxuslagen wie der Wallrafplatz nach wie vor begehrt. Bei den Logistikmärkten herrscht zurzeit noch viel Unsicherheit vor. Unter anderem gepusht von Corona, aber auch wegen zunehmender Lagerbestände aufgrund von Störungen von Lieferketten, brauchen Logistiker mehr Platz – den sie in Köln aber kaum finden. „Die Peripherie wird immer interessanter“, sagt Lieb.

