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Kommentar

Wieder Streik
Drei Tage Stillstand bei den KVB – das geht zu weit

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2 min
KVB-Gleise am Heumarkt

Ab Dienstag bleiben die Gleise der KVB drei Tage lang ungenutzt. 

Dass der Streik im Nahverkehr derart eskaliert, wäre vermeidbar, findet Rundschau-Lokalchef Jens Meifert

Damit keine Unklarheiten aufkommen: Das Streikrecht ist ein hohes Gut und ein legitimes Mittel zwischen den Tarifparteien. Punkt. Weiter: Niemand würde behaupten, dass die Fahrer von Bussen und Bahnen einen Job in der Hängematte verrichten und allzu großzügig für ihre Arbeit bezahlt werden. Und, ja: Sie haben oft herausfordernde Schichtdienste zu leisten. Wie wichtig die Arbeit ist, haben gerade die Kölnerinnen und Kölner in den letzten Jahren gespürt – als besonders viele Fahrten ausfielen, weil Fahrerinnen und Fahrer fehlten.

Es gibt allerdings auch den Grundsatz, dass Streiks verhältnismäßig sein müssen. Und da kommen derzeit doch gewisse Zweifel auf, angesichts des Vorgehens der Tarifgegner, die übrigens auch Partner sind. Zum vierten Mal innerhalb weniger Wochen geht an diesem Dienstag nichts, die Busse und Bahnen bleiben weitgehend in den Depots. In Köln stehen am Mittwoch auch die Stadtbahnen still, am Donnerstag dann wieder Busse und Bahnen. Drei Tage Stillstand, das ist nicht verhältnismäßig. Die Verantwortung dafür tragen wohlgemerkt beide Tarifseiten.

Denn es geht es nicht um weitgehende Tarifforderungen (die wurden letztes Jahr verhandelt), sondern um Probleme der Arbeitszeiten, die nicht unlösbar klingen. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ging die Einigung fast geräuschlos über die Bühne. Selbst die Eisenbahner haben so etwas zuletzt weitgehend hinter verschlossenen Türen klären können.

Viele Bürgerinnen und Bürger müssen sich also in der ganzen  Woche einstellen auf: langes Stehen im Stau, Bringdienst für die Kinder und schwierige Anreisen zu Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerten oder einfach Verabredungen. Das Dumme: Die KVB gelten seit längerem nicht mehr als verlässlicher Partner der Personenbeförderung. Die chronische Unterfinanzierung, die Personalprobleme und das marode Netz haben gravierende Auswirkungen. Und viele reagieren darauf, indem sie dem Auto den Vorzug geben. Mit den massiven Streiks dürfen sich alle bestätigt sehen, die lieber aufs eigene Kfz setzen. Das ist die bittere Nebenwirkung dieser Streiktage.