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Sicherheit in der KneipeUbierschänke setzt auf schwer entflammbare Karnevalsdeko

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Künstlerin Henrike Müller dekoriert die Kneipe in der Südstadt seit Jahren mit einem wechselnden Motto, das immer auch politisch ist.

Künstlerin Henrike Müller dekoriert die Kneipe in der Südstadt seit Jahren mit einem wechselnden Motto, das immer auch politisch ist.

Die Katastrophe in der Schweiz hat den Brandschutz in den Fokus gerückt. In der Ubierschänke wird darauf beim Schmücken schon seit Jahren geachtet.

An Karnevalsdeko sind Kölnerinnen und Kölner gewöhnt: Egal ob beim Bäcker, in Büros, in der Sparkassenfiliale oder in der JVA in Ossendorf, überall sieht man derzeit Luftschlangen, Ballons und Girlanden. Manche Jecke schmücken sogar ihre Wohnungen ähnlich ambitioniert wie zu Weihnachten oder Ostern. In den Kneipen gehört Deko ebenfalls zu Karneval dazu, mal mehr oder mal weniger aufwendig – in diesem Jahr wird mit einem besonderen Augenmerk darauf geschaut.

Für einige Gastronomen ist eine umfangreiche Dekoration ein Muss. In der Ubierschänke in der Südstadt ist eine Künstlerin seit Jahrzehnten am Werk: Henrike Müller schmückt die Kneipe nicht nur bunt, sondern sie setzt auch gesellschaftspolitische Akzente. Zeitgemäß solle es sein. In diesem Jahr ist das Thema „Weltmeere“: Auf der Empore prangt ein großes, selbstgemaltes Bühnenbild. Ein Korallenriff, das Henrike Müller bereits im Oktober gemalt hat. Neben der Theke ist Donald Trump als große Krake gemalt, die sich Wasser-, Öl- und Gasvorräte mit ihren langen Armen angelt. „Früher hat man den Kapitalismus oft als Krake dargestellt“, so die Künstlerin.

In der Narzisten-Reuse sind Fische gefangen, wie hier einer mit dem Gesicht von Putin.

In der Narzisten-Reuse sind Fische gefangen, wie hier einer mit dem Gesicht von Putin.

Daneben hängt eine große „Narzisten-Reuse“, wie Müller sie nennt. Ins Netz gegangen sind Fische, die Gesichter von Putin, Erdoğan oder Trump tragen. In anderen Netzen haben sich unter anderem die Pressefreiheit, die Menschenwürde und die Informationsfreiheit verheddert. „Dinge, die sich im wahrsten Sinne des Wortes, verfangen haben.“ Die Idee zu der Umsetzung kommt von Henrike Müller selbst. „Ich bin völlig frei in der Umsetzung“, sagt die Künstlerin.

Das wollen sich die Betreiber auch in diesem Jahr nicht nehmen lassen. Sie wollen nach der Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana nicht auf Deko verzichten. Denn nicht erst seit dem Unglück in der Schweiz wird in der Ubierschänke auf Sicherheit gesetzt. „Ich benutze nicht nur seit jeher schwer entflammbares Material, sondern bei mir ist auch alles aus Naturmaterialien, aus Pappkarton, Leiwand, Draht und Wolle“, so die Künstlerin. „Denn alles, was synthetisch ist, tropft, wenn es brennt.“ Sie lege jedoch auch Wert darauf, dass nach den Karnevalstagen nicht zu viel Müll entsteht – und dieser recycelbar ist.

Trump als Krake: Dieses von Henrike Müller gemalte Bild hängt im Karneval neben der Theke der Ubierschänke.

Trump als Krake: Dieses von Henrike Müller gemalte Bild hängt im Karneval neben der Theke der Ubierschänke.

Auch das bunte Krepppapier, das an vielen Stellen hängt, trägt das Siegel „schwer entflammbar“. Jedes andere noch so kleine Teil der Deko – auch jeder einzelne Fisch, der unter der Decke hängt – ist „gespritzt“, wie Henrike Müller sagt. In ihrer Scheune in der Eifel hängt sie alles an Wäscheklammern und präpariert es mit einer schwer entflammbaren Tinktur. „Das mache ich aber schon immer so.“ Früher hat die Farbdesignerin auch in Altenheimen Bilder an die Wände gemalt und Künstlerpartys im Stadtgarten dekoriert. Den Gastraum im „Alcazar“ im Belgischen Viertel hat sie ebenfalls mehrmals mit ihrer Malerei versehen. 

Wenn ab Karneval die Kneipe am Ubierring jeden Tag gut gefüllt ist, interessieren sich die Feiernden überhaupt für so eine aufwendige Dekoration, die sogar noch eine politische Botschaft aussendet? Ja, sagt Künstlerin Henrike Müller. „Die Grundatmosphäre von Freundlichkeit fällt jedem auf, auch wenn es nachher nicht das ist, woran er oder sie sich erinnert. Es macht aber schon eine Grundstimmung aus, wenn man in einem Raum ist, der als Geschenk an die Gäste liebevoll gestaltet wurde.“