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Ärger am EierplätzchenÖffentlicher Bücherschrank in Köln wird zur Müllablage – Patin schlägt Alarm

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Anke Köwenig ist gemeinsam mit Elke Heidenreich Patin des Bücherschranks am Eierplätzchen in der Südstadt.

Anke Köwenig ist gemeinsam mit Elke Heidenreich Patin des Bücherschranks am Eierplätzchen in der Südstadt.

Der öffentliche Bücherschrank am Eierplätzchen in Köln wird von Anwohnern zur illegalen Müllablage genutzt, kritisiert Patin Anke Köwenig.

Ein Foto, ein kurzer Text – und plötzlich tausende Reaktionen. Als Anke Köwenig vor kurzem  Woche bei Facebook ihren Ärger über das Erscheinungsbild des öffentlichen Bücherschranks am Eierplätzchen in der Kölner Südstadt schilderte, traf sie offenbar einen Nerv. Mehr als 2600 Menschen reagierten auf den Beitrag, über 400 kommentierten ihn.

„Ich bin Patin dieses Bücherschranks. Ich kümmere mich darum. Aber wenn Menschen einfach ihre Bücher überall abladen, egal, ob der Schrank voll ist, dann bin ich hilflos“, war zu lesen. Immer wieder würden so viele Bücher vorbeigebracht, dass sie nicht mehr in den Schrank passen. Die Folge: Sie werden davor gestapelt.

Post bei Facebook von Anke Köwenig

Achtlos hingeworfene Bücher stapeln sich um den Bücherschrank am Eierplätzchen.

Bücherschränke werden zur Müllkippe

„Ich war ziemlich verärgert“, erzählt Köwenig. „Verärgert über Menschen, die einfach nicht nachdenken oder ihre Bücher nur loswerden wollen.“ Sobald die Bücher auf dem Boden liegen, seien sie Wind und Wetter ausgesetzt und würden schnell zu Müll. „Ich schaue zwar regelmäßig nach dem Rechten, aber ich kann die Bücher nicht ständig in den Hausmüll werfen. Mit der AWB ist abgesprochen, dass ich die öffentlichen Mülleimer nicht vollstopfe. Also: Wohin damit?“

Seit 2014 kümmert sich Anke Köwenig gemeinsam mit Elke Heidenreich um den Bücherschrank am Eierplätzchen. Mit viel Engagement und Lesungen hatte die IG Eierplätzchen damals rund 7500 Euro gesammelt, um den Schrank zu finanzieren.

„Ich bin eine Leseratte und freue mich, wenn der Bücherschrank gut sortiert ist“, sagt sie. „Jedes Buch findet seinen Leser. Aber es gibt Dinge, die hier einfach nicht hineingehören.“ Immer wieder finde sie DVDs, vollgekritzelte Grundschulhefte oder längst überholte Computerliteratur. „Ein Windows-98-Buch braucht heute niemand mehr. Wenn man es selbst nicht mehr haben möchte, sollte man sich fragen, warum es für andere noch interessant sein sollte.“

Nur wenige Meter entfernt steht ein öffentlicher Geschenkschrank, eine Initiative von Studierenden der TH Köln. Das Prinzip ist ähnlich: Dinge des täglichen Gebrauchs können gebracht und mitgenommen werden – Gläser, Teller oder Besteck.

Doch auch hier landen immer wieder Dinge, die ausdrücklich nicht hineingehören. Ein Hinweis am Schrank verbietet unter anderem Kleidung und defekte Elektrogeräte. Trotzdem stehen regelmäßig Kartons mit Kleidung davor oder kaputte Gegenstände im Regal.

„Die Leute knallen es einfach rein. Wenn alles vollgestopft ist oder wie ein Müllcontainer hinter Glas aussieht, wühlt hier unten auch keiner mehr“, so Köwenig. Dann komme zu den Büchern rasch auch weiterer Müll dazu.

Ein Glasschrank am Eierplätzchen in der Südstadt, in dem es kostenlose Sachen gibt, mit einem Regelzettel.

Ein Glasschrank am Eierplätzchen in der Südstadt, daran klebt ein Regelzettel.

Obwohl die Regeln auf einem angeklebten Zettel eindeutig sind und es sogar Piktogramme gibt, wonach Elektrogeräte ausdrücklich ausgeschlossen sind, steht aktuell beispielsweise ein Wasserkocher im Schrank.

„Die Menschen denken nicht weiter. Sie wollen die Sachen nur loswerden. Sie kommen mit einer Kiste hierher, und wenn nichts mehr hineinpasst, stellen sie sie einfach daneben. Hauptsache weg.“

Für Anke Köwenig geht es dabei um mehr als nur Ordnung. Ein öffentlicher Bücherschrank sei ein Gemeinschaftsprojekt und gehöre allen.

„So ein Bücherschrank steht im öffentlichen Raum und ist ein Allgemeingut. Wir selbst bestimmen doch, wie wir leben wollen und wie unsere Plätze aussehen sollen. Schauen Sie nicht weg. Wenn jemand eine Kiste einfach vor den Schrank stellt, sprechen Sie ihn freundlich an. Nur wenn alle mithelfen, kann so ein Ort funktionieren.“


Mein Punkt

Der überquellende Bücherschrank ist nur ein Symptom. Ob Altkleidercontainer, Glascontainer oder Waldparkplatz – überall entstehen wilde Müllkippen, weil Menschen ihren Überfluss möglichst bequem loswerden wollen. Aus „Verschenken“ wird Entsorgen, aus Gemeinschaftseigentum eine kostenlose Müllabfuhr. Wer öffentliche Orte als Abladeplatz missbraucht, zerstört genau das, was eine Gesellschaft zusammenhält: Rücksicht, Vertrauen und den Respekt vor dem Eigentum aller.