Unbekannte haben in der Silvesternacht den Bücherschrank auf dem neuen Helga‑Schlapka‑Platz in Brand gesetzt. Die BIG Weiden will Ersatz.
VandalismusAuf dem Helga-Schlapka-Platz in Köln-Weiden brannte der Bücherschrank

Der Bücherschrank in Weiden war nach dem Brandanschlag völlig zerstört. Er wurde mittlerweile abgebaut.
Copyright: Viviane Fröhling
Was der Geist von Helga Schlapka wohl dachte, als der Bücherschrank auf dem nach ihr benannten Platz in Flammen aufging? In der Silvesternacht fackelten unbekannte Täter oder Täterinnen den Schrank mitsamt Inhalt ab. Gerade erst war sein Standort neben dem Jugendzentrum Weiden und vor den Türen des Georg-Büchner-Gymnasiums feierlich als „Helga-Schlapka-Platz“ eingeweiht worden. Er soll nun an die SPD-Politikerin Helga Schlapka erinnern, die sich sowohl für die Verlängerung der Linie 1 in den Westen als auch für die Belange der Jugend einsetzte. Ihr Geist möge nunmehr vor Ort zuhause sein, wünschte man sich bei der Einweihung – und fand es sehr passend, dass ein Bücherschrank vor Ort stand, denn Schlapka war eine Leseratte.
2023 wurde der Bücherschrank aufgestellt
Seine verkohlten Überreste musste die Bürgerinteressengemeinschaft (BIG) Weiden nun abbauen. Erst im Jahr 2023 hatte die Bürgerstiftung den öffentlichen Bücherschrank aufgestellt. Die BIG hatte ihn initiiert, über Spenden und einen Zuschuss der Bezirkspolitik aus bezirksorientierten Mitteln finanziert und die Patenschaft übernommen. Sie hat ihn seitdem gepflegt und aufgeräumt.
„Der Bücherschrank hat den Platz aufgewertet“, erzählt Viviane Fröhling, Vorsitzende der BIG. „Er wurde sehr gut angenommen und war immer mit wechselnden Inhalten gefüllt. Wir waren über den Brandanschlag entsetzt. Beim Aufräumen haben wir zwei verkohlte Haarspraydosen gefunden, die womöglich als Flammenwerfer benutzt wurden.“ Er sei also in der Silvesternacht nicht zufällig in Brand geraten, sondern gezielt angezündet worden. Die Polizei, der eine Strafanzeige vorliegt, bestätigt das. „Inwieweit die Spraydosen auf die beschriebene Weise genutzt worden sind, können wir allerdings noch nicht sagen. Die Ermittlungen dauern an“, sagt ein Polizeisprecher.
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Die BIG wünscht sich einen neuen Schrank und Sozialarbeit
Die BIG möchte nun einen neuen Bücherschrank vor Ort aufbauen. „Dafür benötigen wir allerdings Spenden“, betont Fröhling. Ein derartiger Schrank koste immerhin rund 5000 Euro. Allerdings habe sie, als sie auf dem Portal Nebenan.de, über den Brandanschlag berichtete, sehr viel Zuspruch erhalten. „Das hat uns gestärkt“, sagt Fröhling.
Der Bücherschrank sei ein wichtiger Treffpunkt für das soziale Miteinander, zugleich berge der Ort Konfliktpotenzial. Anwohnerinnen und Anwohner beklagten sich darüber, dass sich abends Menschen auf den Sitzgelegenheiten am Jugendzentrum (Juze) aufhielten. Einige vermuten, Jugendliche aus dem Juze könnten für die Brandstiftung verantwortlich sein. Allerdings ist das Jugendzentrum abends längst geschlossen.
Die Einrichtung leiste vor Ort wertvolle Arbeit, doch in Weiden‑Süd reiche das nicht aus. „Eigentlich brauchen wir dort auch einen Sozialarbeiter, denn bei dem Quartier handelt es sich um einen schwierigen Sozialraum“, sagt Fröhling. Dieser Bedarf werde von der Stadtverwaltung jedoch gerne übersehen, weil sie glaube, so etwas gebe es im Stadtbezirk Lindenthal nicht. „Der Bezirk ist aber heterogener, als man meint“, so Fröhling. Um Weiden‑Süd müsse man sich kümmern.
