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SilvesterfotoDie Kölner Redaktion wünscht alle Gute für 2023

3 min
Silvesterfoto Ülepooz

Als Rote Funken grüßte die Kölner Lokalredaktion auf dem Silvesterfoto an der Ülepooz

Traditionell geht die Rundschau mit dem Silvesterfoto an besondere Orte. In diesem Jahr grüßen wir als Rote Funken von der Ülepooz und wünschen alles Gute für 2023.

Wenn etwas sicher ist, in dieser nicht mehr ganz so sicheren Zeit, dann ist es die machtvolle Rückkehr des Karnevals im Jahr 2023. Zum Jubiläum des organisierten Brauchtums in Köln werden die Menschen nach zwei verlorenen Jahren wieder viel zu teuren Wein in festlichen Sitzungssälen nippen dürfen, sie können bis in die Morgenstunden Partys feiern, mit vollen Händen Kamelle von Festwagen schmeißen und tumbe Strohpuppen für ihre Sünden in Rauch aufgehen lassen.

Voller Vorfreude haben wird unsere Kostüme aus dem Keller geholt und festgestellt, dass so eine Funkenuniform dann doch das passendere Kleidungsstück für das Jubiläumsjahr des Karnevals ist. Natürlich feiern nicht nur die Roten Funken als ältestes Korps Jubiläum, auch die Tanzgruppe der Hellije Knäächte un Mägde und das Festkomitee werden 200 Jahre alt. Und auch wenn sich die Stadt mit großer Gewissheit sehr bald in rauschhafte Feiertrance schunkeln wird, werden wir mit journalistischer Sorgfalt auf der Suche nach der ungeschminkten Wahrheit bleiben. Der Blick auf den Veranstaltungskalender des neuen Jahres lässt erahnen, wie tief der Karneval in dieser Stadt verwurzelt ist. Ausstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden – der Karneval wird uns allen an vielen Orten der Stadt begegnen.

Ein Anruf und ein hochheiliges Versprechen

Vor allem in der Ülepooz, die im Stadtplan unter dem Namen Ulrepforte zu finden ist. Der alte Stadtmauerturm ist die Basis der Roten Funken. Apropos, wer ein echter Funk sein möchte, braucht normalerweise zwei Bürgen und muss eine zweijährige Probezeit überstehen. Bei uns reichte ein Anruf und das hochheilige Versprechen, die Uniformen in tadellosem Zustand zurückzugeben. Vielen Dank hierfür! Karneval ist Rollenspiel, Alltagsflucht, Maskerade. Es ist im Grunde das Gegenteil des seriösen Journalismus, der „Fake News“ erkennen und sorgsam enttarnen muss. Der hinter die Masken der Menschen schauen möchte. Der gleichsam emotional, ehrlich und informativ sein möchte.

Unsere täglichen Treffen heißen nicht Sitzung, sondern Konferenz. Auf den Tischen stehen Tee und Kaffee statt Kölsch und Korn. Dennoch werden wir Tag für Tag versuchen, uns in eine andere Rolle zu versetzen – in die der Leserinnen und Leser. Mitunter kann es nicht schaden, die Position des Narren einzunehmen, zumindest wenn es darum geht, der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten, Zerrbilder anzumahnen und mit journalistischer Narrenfreiheit Kritik an den herrschenden Verhältnissen zu üben. Etwa, wenn das Opernhaus immer noch nicht fertig ist. Oder das Dom-Hotel. Wir sind nah dran, wenn Schulplätze vergeben und Kunstrasenplätze nicht gebaut werden – zumindest nicht im Grüngürtel. Auf die Bewaffnung haben wir bei unserem kurzen Funkendasein bewusst verzichtet – die Feder, so heißt es gemeinhin, sei ohnehin mächtiger als das Schwert. Oder als die Knabüs. Karneval ist für alle da, für die Funken, die Lappenclowns, die Prinzessinnen und die Cowboys. Letztlich gilt diese Vielfalt auch für die Medien. Alles andere kann man sich abschminken.