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„Spuren“ in KölnUlla Schüllers vielschichtige Bilder laden ein zum genauen Hinsehen

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Eine Frau mit rotem Haar und Brille steht vor dem Bild eines Birkenwalds.

Ulla Schüller lädt den Betrachter ein, genau hinzusehen und die Spuren zu entdecken, die sie im Birkenwald versteckt hat.

Bilder mit doppeltem Boden, beziehungsweise mehrschichtigem Inhalt, sind das Geschäft der Kölner Künstlerin Ulla Schüller. Sie lädt ein zum aktiven Sehen. 

Dass Einzelexemplare großer Säugetiergattungen in misslichen Situationen den Aufmerksamkeitsreflex des mutmaßlich höchstentwickelten Säugetiers Mensch in besonderer Weise zu stimulieren vermögen, zeigt aktuell das Beispiel des Wals Timmy, der sich nicht von seiner Sandbank in der Ostsee trennen kann. Ulla Schüller hat ihr Bildnis eines Eisbären als Entree für ihre Ausstellung „Spuren“ im Foyer des Haus- und Grundbesitzervereins am Hohenzollernring platziert. Das Tier ist ein Hingucker: „Manche Besucher finden, dass er depressiv schaut“, hat Schüller erfahren. Möglicherweise spricht aus dieser Interpretation allerdings wohl eher das Wissen der Humanoiden um seinen vom Klimawandel bedrohten Lebensraum. Das Tier badet buchstäblich aus, was die Menschheit ihm einbrockt. 

Eine Frau mit rotem Haar steht vor dem großformatigen Bild eines Eisbären.

Der Eisbär, den Ulla Schüller auf Leinwand gebannt hat, begrüßt Besucher derzeit im Foyer des Haus- und Grundbesitzervereins am Hohenzollernring.

Von dem Eisbär als einem „Menetekel für unsere Zeit“ spricht denn auch die Kunsthistorikerin Ute Kaldune, die bei der Vernissage über Schüllers besondere Arbeitsweise spricht. Im größeren Ausstellungsraum nebenan finden sich auch die schmelzenden Polkappen, die die Künstlerin aus Sürth ebenfalls großformatig auf Leinwand gebannt hat. Die beiden Bilder beziehen sich auf das Thema Klimawandel.

Nicht ganz so offen zutage liegen die Folgen des menschlichen Treibens auf der Erde in Schüllers Darstellungen von Birkenwäldern, die ihrer Serie „Ressourcen – Baum und Börse“ entstammen. Mithilfe einer Spachteltechnik arbeitet sie auf bis zu fünf Ebenen. So entdeckt der Betrachter erst bei genauem Hinsehen, was hinter dem oberflächlich gefälligen Waldbild zum Vorschein kommt. Hinter den Stämmen lugt Zeitungspapier hervor, auf einem Bild das rosafarbene der Financial Times, auf dem die Aktienkurse notiert sind, auf einem anderen das des Kölner Stadt-Anzeigers, der das Weltgeschehen lokal wie international festhält. Ein verdeckter Hinweis, sich das lokale und internationale Weltgeschehen, doch lieber auf elektronischem Wege zu Gemüte zu führen? Aus jedem Baum lässt sich Papier machen oder eine andere Ware im kommerziellen Kosmos des Menschen. 

„Ein Vexierspiel, das anlockt und nicht wie eine plumpe Botschaft daherkommt“, so beschreibt die Kunsthistorikerin Ute Kaldune die Absicht Schüllers, die den Betrachter durch ihre „zauberhafte Bildsprache zum Nachdenken anregen“ möchte und ihn ermutigt, sich so selbst auf Spurensuche in seinem eigenen (Er-)Leben zu begeben. 


Die Ausstellung Spuren ist noch bis zum 19. Juni in den Räumen des Haus- und Grundbesitzervereins, Hohenzollernring 71–73, zu sehen. Geöffnet ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr.