Teure Sanierung oder Auflösung?4000 Unterschriften für den Erhalt der Zentralbibliothek am Neumarkt

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Die Sanierung des Gebäudes soll 140 Millionen Euro kosten.

Kein Schmuckstück: Aussenansicht der Zentralbibliothek am Neumarkt. Seit Eröffnung sind 44 Jahre vergangen.

Die Zentralbibliothek am Neumarkt könnte schon bald aufgelöst werden - denn eine Sanierung würde rund 140 Millionen Euro kosten. Eine Petition kämpft für den Erhalt.

Fast 4000 Unterschriften standen bereits unter der Petition für den Erhalt der Zentralbibliothek an ihrem Standort, als das Literaturhaus und die Literaturszene Köln ihre Solidaritätsveranstaltung am Mittwochabend eröffneten. Den „Wasserstand“ vermeldete Anton Bausinger, Vorsitzender des Fördervereins der Zentralbibliothek, der die Petition auf den Weg gebracht hatte. Das Bild beschrieb zutreffend die Ratlosigkeit derer, die für die Umsetzung des acht Jahre alten Sanierungsbeschlusses statt Abriss und Neuausrichtung an einem anderen Ort kämpfen.

Wie berichtet wird es zwei Varianten für die Zukunft der Zentralbibliothek geben: die Sanierung für rund 140 Millionen Euro oder die Verlagerung auf mehrere Standorte, unter anderem den des geplanten Interims an der Hohe Straße. Der Altbau am Joseph-Haubrich-Hof würde dann abgerissen, ein Neubau an der gleichen Stelle wird nicht Teil der Vorlage sein. Am 16. Mai soll der Stadtrat entscheiden. Bei aller Sorge um die Zukunft der Zentralbibliothek gewann lit.Cologne-Organisator Rainer Osnowski der Situation etwas Positives ab: „Diese Solidaritätsveranstaltung ist ein ermutigendes Beispiel für den Zusammenschluss der Kulturszene, denn das braucht sie dringend.“

Es kann nicht sein, dass ein Zentralstandort aufgelöst wird, das ist Provinzialisierung

Aus Berlin war die frühere Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek, Claudia Lux, angereist. „Es kann nicht sein, dass ein Zentralstandort aufgelöst wird, das ist Provinzialisierung“, sagte die Professorin, die nach ihrer Pensionierung die Nationalbibliothek im Emirat Katar aufbaute. Aus ihrer Berliner Erfahrung berichtete Lux, dass mehrere Standorte die Betriebs- und Personalkosten steigern, bei gleichzeitiger Beeinträchtigung der Leistung. „Die gesamte Literaturszene NRW schaut auf Köln, wo die Zentralbibliothek lange Zeit als Leuchtturmprojekt galt“, versicherte Antje Deistler vom Kulturrat NRW.

Applaus gab es immer wieder, wenn im Zusammenhang mit der preisgekrönten Kölner Einrichtung der Name der Leiterin Hannelore Vogt fiel. Reinhard Angelis vom Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BdA) räumte zwar ein, dass die Anordnung der Gebäude am Josef-Haubrich-Hof misslungen sei. Den verbauten Bezug zum Neumarkt mag er aber nicht als Argument für „hysterische Runderneuerungen nach aktuellem Zeitgeist“ gelten lassen. Vielmehr beobachtet Angelis eine zunehmende Wertschätzung für die Übergangsarchitektur von der Sichtbeton- zur Glasbauweise.

Darüber hinaus legte der Architekt Berechnungen vor, wonach auch ein „super-effizienter“ Neubau die Verluste an sogenannter grauer Energie, also der Menge, die unter anderem für Materialherstellung, Bau, Abriss und Entsorgung benötigt wurde, in seiner Lebensdauer nicht würde aufwiegen können. Der Neubau ist zwar seitens der Verwaltung nicht vorgesehen, denkbar wäre aber, dass die CDU, die den Gedanken ins Gespräch brachte, eine Kalkulation dazu einfordert. Vor allem SPD und FDP bekennen sich zum Erhalt am Standort Neumarkt, die Grünen waren zurückhaltend, sahen aber trotz erheblich gestiegener Kosten bislang auch keinen Grund, von der Sanierung abzurücken.

Als Vertreter der Nachbarschaft sprach Pater Stephan Kessler von St. Peter. „Die Stadt braucht öffentliche Räume ohne Konsumzwang, als Ort der persönlichen Bildung ist die Zentralbibliothek wie unsere Kunststation ein Lebenselixier im Bereich Neumarkt“, meinte der Geistliche, der sich von einer Sanierung auch eine entschärfende Wirkung auf den Drogen-Umschlagplatz erhofft. Innenstadt-Bürgermeister Andreas Hupke (Grüne) kündigte sicherheitshalber Gegenwehr an, sollte es zu einem Abrissbeschluss kommen: Die Protestform hat er im Mai 1980 in der ehemaligen Schokoladenfabrik Stollwerck geübt: die Hausbesetzung

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