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Kölner MuseumProfi soll Anbau fürs Wallraf-Richartz übernehmen

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So soll der Erweiterungsbau fürs Wallraf-Richartz-Museum aussehen.

So soll der Erweiterungsbau fürs Wallraf-Richartz-Museum aussehen. Entworfen hat den "Siegerentwurf" das Basler Architektenbüros Christ & Gantenbein. 

Vor zehn Jahren beauftragte der Stadtrat die Verwaltung mit der Planung eines Erweiterungsbaus für das Wallraf-Richartz-Museum. Geschehen ist seitdem im Grunde nichts. Jedenfalls nichts Greifbares. Jetzt soll ein Profi übernehmen.

Sie könnte ein Anziehungspunkt für Kunstfreunde aus der ganzen Welt werden. Würden die Meisterwerke des Impressionismus und der Moderne aus der Fondation Corboud nur gebührend präsentiert. Doch seit über zehn Jahren scheitert die städtische Gebäudewirtschaft daran, dafür einen Erweiterungsbau für das Wallraf-Richartz-Museum (WRM) zu realisieren. Nun beugt sich die Stadt dem Druck des Stifterrates und gibt einer seit Jahren bestehenden Forderung des Vorstands nach: Nach Informationen der Rundschau wird mit Planung und Umsetzung des Anbaus an das WRM ein externer Projektleiter beauftragt.

Hohlräume im Untergrund

Der jüngste Akt in der Versagenskette: Nachdem bereits 2012 der Stadtrat die Verwaltung mit der Planung beauftragt hatte, fanden erst 2022 umfangreiche Bodenuntersuchungen statt. Dabei lag das Gelände zwischenzeitlich immer mal wieder brach. Fürchteten Mahner, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, in der Erde der Altstadt Bodendenkmäler zu finden, die den Bau erneut verzögern würden, kam es tatsächlich weit schlimmer: Bei den sogenannten Schürfungen, abgeschlossen im vergangenen Juni, wurden Hohlräume entdeckt.

Von Lage und Größe der Art, dass sie eine klassische Gründung für den Anbau wohl unmöglich machen. Damit war wieder vollkommen offen, wie es mit dem Bauvorhaben weiter gehen soll. Der Vorsitzende des Stifterrates konnte daraufhin seine Wut nur schwer unterdrücken: „Wir haben das Thema über Jahre mit der Kölner Stadtverwaltung mehrfach besprochen, die Sondierung gefordert“, sagt er der Rundschau. Er nutzte die Gelegenheit, um eine alte Forderung erneut Nachdruck zu verleihen: „Es muss nun endlich ein professionelles Projektmanagement installiert werden.“ Doch vorerst schien es so, als verhalle auch diese Aufforderung wieder ungehört.

Stifter übten Druck aus

Über Monate gab es keine Stellungnahme der Stadtverwaltung – weder zu den Hohlräumen, dem weiteren Verlauf, noch zu Konsequenzen. Doch hinter den Kulissen brodelte es. Die Fondation Corboud erhöhte nach Informationen der Rundschau den Druck. Wohl packte sie nicht ihr schärfstes Schwert aus, den Rückzug der Sammlung. Juristen der Stiftung wie der Stadtverwaltung sind sich uneins darüber, inwieweit der seit zehn Jahren nicht realisierte Anbau den Abzug der Kunstwerke zuließe.

Dennoch wurde klar signalisiert, dass erneut Verzögerungen über Jahre, in denen weiterhin nichts passiert, so nicht mehr hinnehmbar sein würden. Der Druck hatte Wirkung. Die Stadtspitze entzieht die Projektleitung der Gebäudewirtschaft, die alleine schon wegen der Sanierung der Museen und des schleppenden Schulbaus jenseits ihrer Kapazitätsgrenze arbeitet. Am Dienstagabend wurde offiziell bekannt gegeben, dass ein externer Projektleiter, also ein nach wirtschaftlichen Kriterien arbeitendes Planungsbüro, beauftragt werden wird. Der Tiefbau soll im Herbst 2023 beginnen.

Baubeginn Herbst 2023?

Die Entscheidung wird mit Erleichterung vom Vorsitzenden des Stifterrates, Peter Jungen, aufgenommen. Am Dienstagabend – einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe der Maßnahme durch die Stadt – sagte er im Rahmen eines Symposiums zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung: „Die Einrichtung eines externen professionellen Projektmanagements ist Voraussetzung für die Realisierung des Erweiterungsbaus in der vorgesehenen Zeit. Sonst wird auch der weitere Verlauf ein Desaster.“ Wie die Rundschau erfahren hat, soll mit dem externen Projektmanager die Tiefbauarbeiten für den WRM-Anbau im Herbst 2023 beginnen.