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WirtschaftsförderungWie Köln mehr Fachkräfte anwerben will

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Ein Beschäftigter prüft Verschlüsse einer Filteranlage.

Fachkräfte fehlen in vielen Wirtschaftsteilen. 

Wirtschaftsförderung und Technische Hochschule werben 2,7 Millionen Euro für „Talent Hub Cologne“ ein.

Unternehmen suchen Fachkräfte. Keine neue Erkenntnis, aber mit der Zeit eine immer dringendere. Allein in Köln, schätzt die Kölnbusiness-Wirtschaftsförderung, fehlen den Unternehmen rund 6100 qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber. Tendenz steigend. Durch den demografischen Wandel und die Transformation der Wirtschaft werde diese Entwicklung in den kommenden Jahren noch verschärft, ist man bei der Wirtschaftsförderung überzeugt.

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet in der Region Köln/Bonn bis 2037 mit einem Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um rund 118.000 Menschen. Kölnbusiness hat nun mit der Technischen Hochschule rund 2,7 Millionen Euro bei der Europäischen Union und der Landesregierung eingeworben, um eine Anlaufstelle für Unternehmen und interessierte Fachkräfte zu schaffen. 90 Prozent kommen von der EU, zehn Prozent vom Land. Den Rest des Projektes finanzieren beide Partner aus eigenen Mitteln. Diese Anlaufstelle nennt sich „Talent Hub Cologne“ und umfasst sieben Mitarbeitende, vier davon in Festanstellung.

Projekt zunächst bis 2028 befristet

Antje Lienert, studierte Arbeitswissenschaftlerin, übernimmt die Leitung. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts bei der TH Köln übernimmt Carsten Knaut, unterstützt durch eine Promotionsstelle, die in Kürze eingerichtet wird. Das Projekt ist zunächst bis Ende 2028 befristet. „Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen“, sagt Andree Haack, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln. „Der neue Service hilft Kölner Unternehmen dabei, internationale Fachkräfte zu gewinnen und damit deren Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.“ In einem ersten Schritt geht es darum, brach liegende Potenziale zu heben. Menschen und Unternehmen formale Hürden zu nehmen beispielsweise. Beziehungsweise zu helfen, diese zu überwinden.

Denn nach wie vor bleibt für viele arbeitswillige Menschen der deutsche Amtsschimmel ein nicht zu unterschätzendes Problem. Allein in Köln verlassen jährlich rund 14.000 gut ausgebildete Absolventinnen und Absolventen die Hochschulen, viele von ihnen aus Drittstaaten. Ziel des „Talent Hub Cologne“ ist es, diese potenziellen internationalen Fachkräfte frühzeitig mit der lokalen Wirtschaft zu vernetzen und schon während des Studiums berufliche aufzuzeigen. Das reicht von Aufklärung über Beratung bis hin zu gezielten Informationen über eine eigens eingerichtete, mehrsprachige und KI-unterstützte Website.

Der zweite Schritt wird sein, in verschiedenen Formaten Fachkräfte und Unternehmen zusammenzubringen und möglicherweise auch, Kontakte ins Ausland zu knüpfen. Erste Angebote für ein gemeinsames Kennenlernen existieren bereits, so veranstaltet Kölnbusiness mit der Agentur für Arbeit seit zwei Jahren eine Jobmesse für die Gastronomie sowie den „Tag der Logistik“. Beim Bewerber-Tag für Medienschaffende kamen rund 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen. Ähnliche Formate sollen 2026 für den Einzelhandel sowie speziell für Fachkräfte aus dem Ausland entstehen. „Kölns Wirtschaft wächst und wandelt sich, der Bedarf an qualifiziertem Personal ist hoch wie nie. Gerade aus geburtenstarken Jahrgängen werden viele Menschen den Arbeitsmarkt bald verlassen. Die Folgen spüren Unternehmen schon heute, wenn Maschinen stillstehen oder Lokale aufgrund von fehlendem Personal geschlossen bleiben“, sagt Manfred Janssen, Geschäftsführer der Kölnbusiness Wirtschaftsförderung. „Unser großer Vorteil ist, dass Köln und das Umland ideale Voraussetzungen bieten, die wir zielgerichtet nutzen wollen.“

Hilfe für indische Start-ups

Eine neue Kooperation zwischen Kölnbusiness und dem Gründungszentrum T Hub im indischen Hyderabad soll indischen Startups den Einstieg in den europäischen Markt erleichtern. Damit werden neue Chancen für Innovation und Wachstum in Köln ermöglicht, erklärt man bei der Wirtschaftsförderung. T-Hub gilt als weltweit größtes Gründungs- und Innovationszentrum, Indien zählt zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsräumen weltweit. Besonders digitale und technologieorientierte Unternehmen entwickeln sich rasant und suchen den Zugang zum europäischen Markt. „Wir wollen Startups und Unternehmen aus Indien gezielt bei der Ansiedlung unterstützen und ihnen damit den Einstieg in den europäischen Markt ermöglichen“, sagt Kai Kröger, Geschäftsbereichsleiter bei Kölnbusiness.

Team Kölnbusiness

Das Team von Kölnbusiness mit Manfred Janssen (2.v.r.) Talent Hub Cologne

„Davon profitiert auch unsere lokale Wirtschaft, neue Unternehmen bringen Innovationskraft, Arbeitsplätze und wertvolle Kooperationsmöglichkeiten mit.“ Das Programm richtet sich insbesondere an Startups aus den Bereichen Software & IT sowie der Gesundheitswirtschaft – Sektoren, die in Indien wie auch in Köln zu den stärksten Wachstumsmärkten zählen. (two)