Ludwig Sebus verfolgt mit 101 Jahren, was in Köln passiert. Vor Sessionsstart und der „Gen Z regelt“-Demo bezieht er klar Stellung.
Appell vor „Gen Z regelt“-DemoLudwig Sebus hat Verständnis für junge Demonstranten
Ob Alt oder Jung: Spricht Ludwig Sebus, wird ihm aufmerksam zugehört. Respekt, Offenheit und Ehrlichkeit sind die Werte und Tugenden, für die der Jahrhundertkölner seit jeher steht. Einen lockeren Spruch hat er immer parat. Die Probleme der Gesellschaft kann er aber ebenso direkt beim Namen nennen.
Mit den Sozialbetrieben Köln (SBK) verbindet den Grandseigneur eine ganz besondere Beziehung. Sie reicht bis ins Jahr 1955 zurück, als er im damaligen Altenheim Mülheim zum ersten Mal auf der Bühne stand. 1986 wurde Sebus Sitzungspräsident der heutigen SBK-Sitzung. Insgesamt 33-mal eröffnete er die beliebte Seniorensitzung im „Jürzenich vun Riehl“.
Fanclub von Ludwig Sebus wird bald 50 Jahre alt
Über 100 Mitglieder zählt inzwischen der Freundeskreis, der sich vor 50 Jahren nach einem Auftritt des Kölner Karnevalssängers gegründet hat. An seiner Spitze steht Renate Baum, alias „Putzfrau vum Rathuus“. Jedes Jahr richtet der Fanclub einen karnevalistischen Nachmittag für die Bewohnerinnen und Bewohner der SBK aus. Der nächste findet am 9. Januar 2027 von 14.30 bis 16.30 Uhr statt.

Ludwig Sebus beim Treffen seines Fanclubs mit Leiterin Renate Baum (r.) und Haushälterin Inge Hellwig.
Copyright: Marcel Schwamborn
Eine Premiere gab es allerdings schon vorab: Mit einer gemütlichen Kaffeetafel feierte der Ludwig-Sebus-Fanclub den Künstler am Donnerstag (29. Oktober) in Mülheim. In der Runde blühte Sebus sofort auf. „Ich bin 101 Jahre alt. Ihr habt also alle noch eine Zukunft vor euch und könnt euch hier wohlfühlen“, sagte er.
101-jähriger Sebus erinnert an die Kraft des Lachens
Auch Musiker Stefan Bartsch, der den Nachmittag mit vielen bekannten Liedern begleitete, bekam etwas ab: Der Ehrengast nahm ihn liebevoll auf den Arm. „Der Stefan war schon als kleines Kind mit vier Jahren durchaus musikalisch begabt. Er hat festgestellt, dass er das seltenste, aber auch schwierigste Instrument beherrscht, die Klopfgeige. Er hat zu Hause gegeigt und nebenan hat es geklopft.“

Auch Musiker Stefan Bartsch (r.) wurde von Ludwig Sebus humorvoll in den Vortrag eingebaut.
Copyright: Marcel Schwamborn
Zuversicht und Freude hat Sebus den Menschen mit seinen Liedern über Jahrzehnte geschenkt. Diese Haltung ist ihm bis heute wichtig, wie er betont: „Bei allen Schwierigkeiten muss man die positiven Dinge im Leben sehen. Deshalb sollte man jeden Tag etwas zu lachen haben. Ich glaube fest daran: Wenn man einmal am Tag eine Minute lacht, hat man einen ganzen Tag an Lebensfreude gewonnen.“
Was Ludwig Sebus über die neue Session denkt
Aus diesem Grund hält der Komponist auch das Sessionsmotto in diesem Jahr für gelungen. „Morje es, wat do drus mähs!“ passt zu seiner Lebenseinstellung: „Die Menschen müssen positiv denken. Es hat keinen Zweck, zurückzublicken. Das, was man selbst machen kann, das sollte man noch heute angehen. Nicht bis morgen warten, sondern spontan daran denken: Et Levve jeiht immer wigger, un jede Sekund' ist wichtig.“

Seit 50 Jahren gibt es den Ludwig-Sebus-Fanclub. Bei den Sozialbetrieben traf man sich jetzt zur geselligen Runde.
Copyright: Marcel Schwamborn
Voller Vorfreude blickt der überzeugte Karnevalist schon wieder auf die fünfte Jahreszeit, die bald beginnt. Den Jecken gibt er einen Wunsch mit auf den Weg: „Ich wünsche allen Jecken, dass sie sich einmal nicht damit aufhalten, was alles falsch ist, sondern dass sie sich bewusst sind, wie schön es noch ist, wenn man sich selbst positiv dem Leben gegenüberstellt.“
Ludwig Sebus über „Gen Z regelt“: „Die Jugend hat recht“
Was in seiner Stadt passiert, verfolgt Sebus trotz seines stolzen Alters weiterhin aufmerksam. So ist ihm auch nicht entgangen, dass Jugendliche und junge Erwachsene für Samstag zu großen Protesten aufgerufen haben. „Die Jugend hat recht. Ich habe dafür Verständnis, dass sie sich mit ihren Sorgen zeigen“, sagt der 101-Jährige.
„Es ist auch das Recht in der Demokratie, sich zu offenbaren. Nur was ich total ablehne, ist, das in Gewalt umzusetzen. Das sind Dinge, die gehören nicht in die Demokratie. Man kann alles regeln, wenn man vernünftig miteinander spricht und für den anderen Verständnis hat.“
