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Kreative Entfaltung für alleMAKK eröffnet kostenloses Kreativlabor

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Eva Schwering stellt die Themenschränke im Kreativlabor vor.

Eva Schwering stellt die Themenschränke im Kreativlabor vor.

Aus dem Kreativlabor soll sich ein nachhaltiger Raum für Vernetzung und gemeinschaftliche kreative Arbeit entwickeln.

Die Holztür im Foyer des MAKK könnte auf den ersten Blick in eine Besenkammer führen, so unscheinbar wirkt sie neben dem Durchgang zu den Ausstellungen. Doch was dahintersteckt, ist auch den zweiten Blick wert: Nach vier Jahren Planung eröffnet das Museum für angewandte Kunst Köln (MAKK) sein einzigartiges „Kreativlabor“. Aus ihm soll sich ein nachhaltiger Raum für Vernetzung und gemeinschaftliche kreative Arbeit entwickeln. Jeder und jedem soll hier die Möglichkeit der kreativen Entfaltung ermöglicht werden.

Vom Eingang aus gesehen links erstreckt sich eine Schrankfront bis zum Ende der Halle. Rechts neben der Tür stehen ein 3D-Drucker und ein Scanner, davor ein kleiner Konferenztisch. Die Wand gegenüber ist nicht sichtbar, der mobile Raumtrenner hinter dem Tisch geht seiner Bestimmung gewissenhaft nach. Die von ihm versteckte andere Seite des Kreativlabors beherbergt drei weitere Tischreihen. Hier können die Besucher ihrer Kreativität buchstäblich freien Lauf lassen: auf 140 Quadratmetern und acht Themenschränken aufgeteilt, findet sich Material zum Gestalten und Handwerken - zum Realisieren jeglicher Ideen in Bereichen wie Textil, Fotografie, Holzarbeit, Gestaltung und mehr. Unterstützung erhalten die Besucher – bei Bedarf – von studentischen Hilfskräften oder freischaffenden Gestalterinnen und Gestaltern.

Das Kreativlabor im MAKK: Die gesamte Einrichtung lässt sich nach Belieben verschieben: Alles ist mit Rollen versehen.

Die gesamte Einrichtung lässt sich nach Belieben verschieben: Alles ist mit Rollen versehen.

Auch der kastenförmige Raumtrenner ist Teil des Konzepts. Dieser Schrank aus Gittern ist circa 2,5 Meter hoch und beweglich. Eine der beiden längeren Seiten ist mit lila Stoff, der sich als Theater-Vorhang entpuppt, verkleidet. Geöffnet gibt er sein hohles Inneres preis. Zwei aufgerollte Leinwände hängen hinter der Vorhangstange, und geben Aufschluss über seine weiteren Nutzungsmöglichkeiten: eine schwarze Leinwand, die Fotografen als Hintergrund dienen kann, und eine weiße, die bei Schattenspielen zum Einsatz kommt. Auch als Bühne lässt er sich „zweckentfremden“.

Eva Schwering vom Museumsdienst Köln ist Leiterin für Bildung und Vermittlung am MAKK. Mit dem Kreativlabor fand sie ein Herzensprojekt: Vor vier Jahren besuchte sie einen Workshop zu sogenannten „Third-Spaces“. Das sind Orte, in denen ohne Geld auszugeben, Gemeinschaft gelebt wird - wie in Bürgerzentren oder Jugend-Treffs. Dieses Konzept wollte sie im MAKK weiterführen. Petra Hesse, Direktorin des MAKK, unterstützte diesen Plan: Das Kreativlabor existiert jetzt so, wie Schwering es sich erträumt hatte.

„Wir wollen dabei helfen, vom technischen Verständnis in die Kreativität zu gehen“, erklärt Schwering. Vor allem in der „Hands-On“-Sammlung manifestiert sich dieses Ziel: Im ersten Schrank zur Linken findet sich ein Sammelsurium an scheinbar wahllos zusammengetragenen Objekten, konträr zu den sauber geordneten Themenschränken daneben. Miniaturen von Designer-Stühlen, ein Schwamm, viele Muscheln - neben einer ausgestopften Schildkröte und Elefantenstoßzähnen. Nicht ohne Grund. Die Sammlung des MAKK beherbergt eine Statue aus Elfenbein, auf einem Podest aus Schildkrötenpanzern: Besucher sollen die Kunst deswegen zwar nicht  diskreditieren, aber sie sollen diese Verbindung fühlen und sich mit ihr auseinandersetzen. „Ein Fünfjähriger malte danach eine weinende Schildkröte. Da wusste ich, dass er es verstanden hat“, erzählt Schwering über einen einstigen Workshop im vorhergegangenen, provisorischen Kreativraum. 

Von einem Mangel an Materialien lässt nich nicht sprechen: Jeder Schrank ist gut gefüllt.

Von einem Mangel an Materialien lässt sich nicht sprechen: Jeder Schrank ist gut gefüllt.

Über die Website des MAKK haben Interessierte zudem Zugriff auf kostenlose Online-Workshops sowie Bilder der Exponate in der Museumssammlung. Dieses Archiv wird kontinuierlich ausgebaut, Bilddateien stehen zum Download und anschließender kreativer Verwertung zur freien Verfügung. 

Am Samstag findet das erste Repaircafé statt, diesmal mit dem Schwerpunkt 3D-Druck. Kaputte Dinge zu reparieren, dient als Einstieg, um in kreative Arbeit einzutauchen und sich mit dem Kreativlabor vertraut zu machen. Das Repaircafé wird fortan zwei bis dreimal pro Monat stattfinden. Außerdem gibt es buchbare Angebote, zum Beispiel für Schulklassen oder Seniorenheime. Letztere werden auch besucht, dann wird Workshop-Material mitgebracht. Das Kreativlabor ist komplett kostenfrei und ist aktuell zu den normalen Öffnungszeiten des MAKK (Di-So, 10-18 Uhr) besuchbar. Nur eine Anmeldung online ist erforderlich.www.makk.de