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„Das spart Zeit“Mit dem „Icebear“ im Herbst auf Winterkurs durch Köln

4 min
23.09.2026, Köln: Im September fährt die AWB mit ihren Winterdienstfahrzeugen alle Routen ab, damit im Winter im Ernstfall alle Fahrerinnen und Fahrer ihre Routen, Engstellen und das Fahrzeug kennen.
Am Steuer sitzt Andreas Pietsch.

Foto: Michael Bause

Am Steuer des „Icebear“ sitzt Andreas Pietsch. 

Noch sind die Bäume grün und die Straßen vergleichsweise trocken. Trotzdem war Andreas Pietsch mit seinem Winterdienstfahrzeug schon wochenlang in Köln unterwegs. 

Der Himmel ist stahlblau, die Bäume an der Aachener Straße sind noch grün, die Sonne scheint an diesem Septembermorgen, und das fette Winterdienstfahrzeug wirkt wie ein großer Fremdkörper. In diesem Fremdkörper sitzt Andreas Pietsch, seit 2005 bei den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB) beschäftigt. Abteilung: Stadtreinigung, gerade: im Winterdienst. Mit Pflug und Salzteller und Tank auf dem Wagen, volles Programm. Nur ohne Schnee und Eis.

14 neue Fahrzeuge hinzugekommen

Was zunächst widersinnig klingt, macht Sinn: Die Fahrer üben im beginnenden Herbst, der sich anfühlt wie ein ausklingender Sommer, damit im Winter, wenn es schneit und eisig ist und dunkel, jeder Handgriff sitzt. Im vergangenen Jahr ist die AWB-Flotte modernisiert worden. 14 neue Fahrzeuge sind hinzugekommen, die dauerhaft mit Streu- und Sprühanlagen ausgestattet sind. Heißt: Vor den Wintereinsätzen muss an den neuen Wagen nichts mehr umgebaut werden, „das spart Zeit“, sagt Pietsch. 

23.09.2026, Köln: Im September fährt die AWB mit ihren Winterdienstfahrzeugen alle Routen ab, damit im Winter im Ernstfall alle Fahrerinnen und Fahrer ihre Routen, Engstellen und das Fahrzeug kennen.
Am Steuer sitzt Andreas Pietsch.

Foto: Michael Bause

Andreas Pietsch ist gelernter Fahrzeuglackierer und liebt es, Auto zu fahren. Am liebsten die großen, wie er erzählt.

Gerade steht der Kölner Andreas Pietsch in der AWB-Halle am Maarweg neben dem Fahrzeug, mit dem er im Winter vorwiegend nachts auf Tour gehen wird, Modell „Icebear“. Er zeigt auf den Tank, in den rund 4800 Liter Lauge passen, auf den Behälter, der mit fünf Kubikmeter Salz aufgefüllt wird, zeigt den Eisbrecher, der per Hydraulik unter den Pflug geschoben wird, sollten Straßen mal mit einer dicken Eisschicht bedeckt sein.

Bordcomputer zeigt Salzstand an

„Die alten Wagen haben immer gerappelt und geklappert, die neuen sind schon eine andere Nummer, und man muss sie bedienen können“, sagt Pietsch. Der Bordcomputer zeigt während der Fahrt ganz genau, wie viel Salz und wie viel Lauge noch auf dem Wagen sind, und darüber kann er auch genau steuern, wie viel wo gestreut werden soll. Die Entscheidung über die Menge des verteilten Materials trifft jedoch nicht jeder Fahrer für sich, sondern der Einsatzleiter Winterdienst im Vorfeld. Mit Blick auf die Wetterprognose wird genau festgelegt, wann und wie viel Lauge (bei Minustemperaturen), wann und wie viel Salz (bei Schnee) und wann beides in Kombination verteilt wird. 

Pietsch sitzt in dem hochmodernen „Icebear“, auf einem Sitz, dessen Dämpfung er ebenso exakt einstellen kann wie die Sitzheizung. Über eine 360-Grad-Kamera sieht der AWB-Mitarbeiter, was um ihn herum passiert, und dennoch muss er höllisch aufpassen, alle Spiegel genau im Blick zu halten. „Für mich ist es, als würde ich ein normales Auto fahren, aber klar, der Wagen ist schon gewaltig“, sagt er. Heißt: Von der Vorderkante des Pflugs bis zum Ende des Streutellers ist der Wagen 8,70 Meter lang, die Breite ohne Außenspiegel beträgt rund 2,55 Meter. „Einmal hat sich ein Fahrradfahrer hier genau unter meinen rechten Außenspiegel gestellt, den konnte ich nicht sehen“, sagt er. Passiert ist nichts – weder in diesem Moment noch während seiner gesamten Zeit bei der AWB. „Gott sei Dank“, sagt Pietsch.

Jeder Test wird wie im Winter vorbereitet

Sowohl die Testfahrten jetzt im Herbst als auch die echten Touren im Winter müssen vorbereitet werden: Geht das Licht, funktionieren die Streuschnecken, die das Salz zum Teller transportieren, ist genug Wischwasser im Tank und Streumaterial geladen? Erst wenn alle Fragen mit Ja beantwortet sind und er die Dokumentation gemacht hat, kann Pietsch den Betriebshof verlassen.

24.01.2021, Köln: Ein mit einem Schneepflug ausgerüstet Fahrzeug der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) räumt mit seinem Räumschild Schnee und streut Streusalz auf der Straße „Sülzgürtel“. Nach Schneefall liegt in der Stadt eine dünne Schneedecke. Der nasse und schwere Schnee sorgt für matschige Straßen. Foto: Matthias Heinekamp

Ein mit einem Schneepflug ausgerüstetes Fahrzeug der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) auf dem Sülzgürtel. Die älteren Wagen müssen stets noch umgerüstet werden.

Der Winterdienst der AWB arbeitet nach einem Stufensystem: Stufe eins umfasst die Rheinbrücken, die Hauptverkehrsstraßen und die wichtigsten Radwege. In Stufe zwei fallen die wichtigsten Neben- und Zufahrtsstraßen zu Wohngebieten. Stufe drei umfasst weitere 500 Kilometer in Wohngebieten. Seinen Übungs- und Arbeitsweg, den er maximal mit Tempo 30 zurücklegt, kann Pietsch praktisch im Schlaf herunterrattern: Aachener Straße, Gürtel, Deutzer Brücke, Severinsbrücke, Nord-Süd-Fahrt, Ebertplatz und dann nach Zündorf, gewendet wird Am Poppenberg. Insgesamt 120 Kilometer legt er mit dem großen Wagen zurück, wenn der Winterdienst bei 2 Grad Celsius aktiviert wird.

Diese Fahrten finden jetzt schon zu Übungszwecken statt. Seit Mitte September und bis etwa Ende des Monats fahren Pietsch und alle Kollegen die Wege immer wieder ab, sodass sie bis zum Winter ihre festgelegten Routen in- und auswendig kennen. Sie wissen dann, wo eine neue Baustelle eingerichtet wurde, wo die Fahrbahn seltsam verschwenkt ist, wo Verkehrsführungen verändert und Straßen umgestaltet wurden.  „Wir wechseln auch nicht immer die Routen, das würde gar keinen Sinn machen“, sagt Pietsch.

„Wenn du deine Route nicht im Kopf hast, verlierst du ohne Ende Zeit“, sagt er. „Und das ist bei Schnee und Eis richtig schlecht.“