Ab Donnerstag wird der „Goldene Vogel“ bei Ford restauriert. Künstler HA Schult verbreitet Aufbruchstimmung: Der neue Standort stehe auch für Gastfreundschaft und Weltoffenheit der Kölner.
Abschied vom Zeughaus-TurmNach 35 Jahren hebt das Flügelauto ab

Die zweite Rückkehr des Flügelautos aus den Ford-Werken nach der Inspektion und Aufarbeitung des Flügelautos im April 2013. Foto: imago/Thilo Schmülgen
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Wehmut? Nein. Dieses Gefühl wird HA Schult (87) definitiv nicht verspüren, wenn das Flügelauto, der „Goldene Vogel“, am kommenden Donnerstag gegen 22 Uhr nach mehr als 35 Jahren zum letzten Mal vom Treppenturm des historischen Zeughaus-Turms abheben und zu den Ford-Werken gebracht wird.
Für den Aktionskünstler wird der Moment, an dem ein Autokran den entkernten Ford Fiesta, Baujahr 1989, an den Haken nehmen wird, eher ein Aufbruch sein. Im September 2025 war er vor dem Landgericht Köln mit einem Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Entfernung des Kunstwerks vom Turm gescheitert. Die Stadt will den goldenen Fiesta, der seit 1991 auf dem Turm steht, herunternehmen, weil der Stadtkonservator nach einer Überprüfung des Zeughauses festgestellt hatte, dass die Schäden am Mauerwerk die Tragfähigkeit beeinträchtigen könnten.

HA Schult vor dem Flügelauto nach der Rückkehr von der ersten Restaurierung am Stadtmuseum im Mai 2005
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Das Gericht konnte seiner Argumentation, dass die maßgebliche Schöpfung darin bestehe, das Auto auf den Treppenturm des Zeughauses gesetzt zu haben, nicht folgen.
Stabiles Flügelauto, bröckeliger Turm
„Die Situation ist schon kurios. Das Flügelauto ist stabil. Aber der Turm darunter bröckelt“, sagt Schult und sieht die Aktion auch als Symbol für den Zustand der Stadt und ihrer Wirtschaft. „Was ist denn passiert in all den Jahren mit den Gebäuden dieser Stadt? Mit der Oper? Mit dem Theater? Mit dem Stadtmuseum? Mit der Kultur? All diese Fragen sind jetzt plötzlich neu in den Mittelpunkt gestellt.“
Zum dritten Mal kehrt das Flügelauto nach 2005 und 2012 in die Ford-Werke zurück – um dort von Grund auf restauriert zu werden. Anschließend wird es einen neuen Platz auf dem Maritim-Hotel an der Deutzer Brücke finden.

Auszubildende der Ford-Werke präsentieren im Mai 2005 das von ihnen frisch restaurierte Flügelauto bei den Ford-Werken in Niehl.
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Doch vom Glanz jener Zeiten, als der Fiesta der Verkaufsschlager war und in Niehl bis zu 1900 Exemplare täglich vom Band liefen, ist nichts mehr übrig geblieben.
Der „Goldene Vogel“ entstand im April 1989 im Rahmen der von HA Schult mit Beteiligung von Elke Koska konzipierten Kunstaktion „Fetisch Auto“. Für die von den Kölner Ford-Werken 60 Jahre nach der Werkseröffnung unterstützte Aktion wurden elf neue Ford Fiesta an verschiedenen Orten in, auf und über Köln künstlerisch verfremdet und inszeniert. Der „Goldene Vogel“ war zunächst für kurze Zeit auf dem Turm des Stapelhauses in der Frankenwerft zu sehen, bis er im April 1991 seinen neuen Platz auf dem Zeughaus fand.
„Habe fünf oder sechs Vorstandsvorsitzende überlebt“
Im Jahr 2026 sei das Auto längst kein Fetisch mehr. „Das vergangene Jahrhundert hat dem Auto gehört. Damals waren wir alle Autos“, sagt Schult. „Am Beispiel dieser Skulptur kann man aber auch nachvollziehen, was sich bei Ford in Köln in diesen 35 Jahren verändert hat. Ich habe dort fünf oder sechs Vorstandsvorsitzende und ganze Abteilungen überlebt.“

Bei der Arbeit: Ford-Mitarbeiter restaurieren Ende Januar 2013 den „Goldenen Vogel“ zum zweiten Mal.
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Auch wenn Ford schwächelt, habe der Konzern immer noch eine enorme Bedeutung für jeden der 8000 Beschäftigten. „Sie haben sich über Jahrzehnte mit Ford identifiziert. Das Flügelauto hängt als Foto bei allen Vorständen in Detroit. Es ist ein Poster, das sich in Amerika sehr gut verkauft. Weil es auch für Köln wirbt“, sagt Schult.
Dass der „Goldene Vogel“ der Stadt erhalten bleibe, sei auch ein Aufbruch für Ford, dessen Elektroautos ja langsam Fahrt aufnehmen. „Ich erinnere mich noch an 2015. Damals hat mir der ehemalige Vorstandschef Bernhard Mattes ins Gesicht geschrien, Ford werde niemals elektrisch werden. Man hat mich seinerzeit von Ford vertrieben. Und was habe ich gemacht? Ich bin zu Toyota gegangen und mit einem Hybrid von Paris nach Peking gefahren.“
Man hat mich damals von Ford vertrieben. Nun kehre ich als Freund zurück
Aber das seien alte Geschichten, der Zwist beigelegt. „Nun kehre ich als Freund zurück. Alle, die heute bei Ford arbeiten, wollen, dass das Flügelauto erhalten bleibt. Auch, um sich an die glücklichen Zeiten zu erinnern, als Konrad Adenauer und Ford sich den Handschlag gegeben haben.“ Ford und Köln – das sei über mehr als ein Jahrhundert eine untrennbare Einheit gewesen.
Landung soll im ersten Quartal 2027 erfolgen
Wie lange das Flügelauto in den Ford-Werken verharren muss, ist offen. Man geht davon aus, dass es im ersten Quartal 2027 auf dem Maritim-Hotel landen könnte. „Wir werden es erst mal in Augenschein nehmen. Vielleicht müssen wir es völlig neu aufbauen. Vielleicht eine neue Karosserie nehmen. Das entscheiden wir alles vor Ort“, sagt Schult.

Der kleine Turm an der nordöstlichen Ecke des Maritim-Hotels, unmittelbar neben der Deutzer Brücke. Hier soll im Frühjahr 2027 das Flügelauto landen.
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Vor allem der Vorsitzende des Betriebsrats, Benjamin Gruschka, habe sehr dafür gekämpft, dass Ford sich engagiert. „Die Ford-Leute in den USA haben Köln ja momentan leider ein bisschen zu den Akten gelegt. Sie wissen aber, wenn sie das Flügelauto fallen lassen, stehen sie in der ganzen Welt als Idioten da. Deshalb kümmert sich der für Europa verantwortliche Chefdesigner jetzt persönlich darum.“
Vier Tonnen schweres Kunstwerk
Im entkernten Motorraum des entkernten Fiesta liegen rund 1,2 Tonnen Eisenbahnschienen. Die beiden Flügel aus glasfaserverstärktem Polyesterharz wiegen jeweils rund 800 Kilogramm. Das Kunstwerk ist etwa 6,20 Meter lang, zehn Meter breit und 3,50 Meter hoch und wiegt insgesamt rund vier Tonnen.
Eigentümer des Kunstwerks ist der Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e. V.“, der es dem Kölnischen Stadtmuseum bislang als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. Das Museum überlässt das Kunstwerk nun dem Eigentümer des Hotelgebäudes, der Art-Invest Real Estate.
„Wir freuen uns sehr über diese Lösung“, so Museumsdirektor Matthias Hamann. „Damit bleibt ein für unsere Stadt und seine jüngere Geschichte wichtiges und symbolhaftes Objekt auch weiterhin und weithin sichtbar.“
Das Museum wird weiter für das Objekt selbst verantwortlich sein, das Maritim Hotel und Art-Invest Real Estate für die Standsicherheit. Auch Konrad Adenauer, Vorsitzender der Freunde des Kölnischen Stadtmuseums, ist zufrieden: „Als Freundeskreis ist es uns ein Anliegen, dass das Flügelauto öffentlich sichtbar bleibt. Dies ist nun mit vereinten Kräften gelungen.“
