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Nach Derby-Krawallen in KölnPolizei-Gewerkschaft kritisiert Sicherheitsmängel in Stadien

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Bei Krawallen während des Rheinderbys wurden mehrere Menschen verletzt.

Bei Krawallen während des Rheinderbys wurden mehrere Menschen verletzt.

Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft NRW fordert ein härteres Strafmaß für Fußballklubs. Auch Gladbachs Präsident Rainer Bonhof findet scharfe Worte.

Nach den Ausschreitungen beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach hat die Deutsche Polizeigewerkschaft Nordrhein-Westfalen (DPolG NRW) massive Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen in Fußballstadien geäußert. Die Maßnahmen der Veranstalter seien „erkennbar ungenügend“, heißt es in dem Schreiben. „Hier wird deutlich, dass die Vereine kein echtes Interesse haben, zu intervenieren und die Pyrotechnik im Stadion zu verhindern. Genau hier gilt es aber nach Einschätzung der DPolG NRW anzusetzen, wenn Auseinandersetzungen sowie das gefährliche Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion verhindert werden sollen.“

Der Landesvorsitzende Sascha Gerhardt forderte ein härteres Strafmaß für Fußballklubs: „Es braucht leider offenbar drakonische Strafen für Veranstalter, denen es nicht gelingt, Pyrotechnik aus den Stadien zu verbannen. Andere Veranstaltungen würden durch die zuständigen Genehmigungsbehörden bei derart unzuverlässigen Veranstaltern konsequent untersagt“, erklärte der Gewerkschaftschef, und weiter: „Der Fußball, der zweifellos eine wichtige Funktion in der Gesellschaft einnimmt, erhält offenkundig nicht gerechtfertigte Sonderrechte. Wer Sicherheit in den Stadien haben will, muss genau da ansetzen und sollte sich weniger auf einsatztaktische Konzepte der Polizei fokussieren – das sind letztlich nur Ablenkungsmanöver.“

Es braucht leider offenbar drakonische Strafen für Veranstalter, denen es nicht gelingt, Pyrotechnik aus den Stadien zu verbannen.
Sascha Gerhardt, Deutsche Polizeigewerkschaft Nordrhein-Westfalen

Darüber hinaus macht sich Gerhardt für eine Beteiligung von Bundesliga-Klubs an Polizeikosten stark. „Um endlich Verhaltensänderungen herbeizuführen, wird es zudem unumgänglich sein, dass die Vereine an den Kosten der Polizeieinsätze beteiligt werden – die Zurückhaltung des Landes NRW muss hier wirklich besonders kritisch gewürdigt werden“, sagte er. Es müsse auch darüber nachgedacht werden, „ob die Vereine die ausreichende Zuverlässigkeit besitzen, derartige Großveranstaltungen durchzuführen. Bei Mehrfachverstößen müssen Veranstaltungen auch durch die zuständigen Kommunen untersagt werden oder eben unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden. Nur dann werden die Auswüchse in den Stadien in den Griff zu kriegen sein“, erklärte Gerhardt weiter.

Die Krawalle beim Rheinderby böten „keinerlei Hinweise“ darauf, dass das neue Sicherheitskonzept der Polizei NRW gescheitert sei. „Weder auf der Anreise noch auf der Abreise gab es nennenswerte Störungen – und genau für diesen Bereich zeichnet die Polizei tatsächlich verantwortlich“, bilanzierte die Polizei-Gewerkschaft NRW. Stattdessen müsse „abermals die Frage gestellt werden, wie es überhaupt möglich sein kann, dass Pyrotechnik in ungeheuren Ausmaßen ins Stadion verbracht werden konnte“. Durch den massiven Pyro-Einsatz seien die Ordner allein nicht in der Lage gewesen, die Situation rund um den Gästeblock zu beruhigen.

Ich muss es so klar sagen: Diese Personen haben die Werte unserer Borussia verraten.
Rainer Bonhof, Präsident Borussia Mönchengladbach

Bei den Ausschreitungen, die von der Polizei-Gewerkschaft NRW als „ausgesprochen heftig“ eingestuft werden, waren mindestens sechs Menschen verletzt worden. Gladbacher Krawallmacher hatten im Oberrang der Nordtribüne mit Nothämmern Sicherheitsscheiben zur Fantrennung zerstört, danach beschossen sich beide Fanlager mit Pyrotechnik. Borussias Präsident Rainer Bonhof erklärte in einem offenen Brief, er verspüre „Enttäuschung und Scham“. Über die Täter sagte er: „Ich muss es so klar sagen: Diese Personen haben die Werte unserer Borussia verraten.“ Wer andere Stadionbesucher wissentlich in Gefahr bringe, „beweist, dass es ihm nicht um Fußball geht“. Bonhof kündigte zudem an, die Täter „konsequent“ bestrafen zu wollen. Auch der FC hat sich von den Geschehnissen distanziert.

Zur Zahl der Tatverdächtigen konnte die Polizei am Dienstag noch keine Angaben machen. Die Auswertung des Videomaterials sei umfangreich, hieß es. Ermittelt wird wegen Körperverletzung, des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und schweren Landfriedensbruchs. Wie zu erfahren war, wurden die beiden zu Bruch gegangenen Scheiben bereits nachbestellt. Sie sollen bis zum nächsten Heimspiel am 24. Oktober installiert sein. Der Gegner heißt dann Schalke 04 – das nächste Hochrisikospiel in Müngersdorf.