Köln – Der Kölner Wohnungsmarkt ist eng. Noch enger ist er allerdings für Geringverdiener, Arbeits- oder Obdachlose. Raimund S. lebte im Ausland, als er gesundheitliche Probleme bekam. Er musste seinen Job aufgeben, das Gesparte war irgendwann weg. „Als ich wieder nach Deutschland kam, habe ich mich obdachlos gemeldet“, erzählt der 58-Jährige. Zuerst schlief er im Quartier der Winterhilfe, dann in einem Wohnungsprojekt der Diakonie. Dort entstand der Kontakt zum Projekt „Viadukt“, das ihm vor sechs Monaten eine eigene Wohnung vermittelte. Heute lebt er in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Balkon in Höhenhaus. „Ich kann wieder glücklich sein“, sagt Raimund S.
116 Erwachsenen und 42 Kindern geholfen
„Viadukt“ feierte am Dienstag seinen ersten Geburtstag und blickt stolz auf die Erfolge des vergangenen Jahres. Das Kooperationsprojekt des Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), des Diakonischen Werks sowie des Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) konnte 2018 insgesamt 108 Wohnungen vermitteln. 116 Erwachsene und 42 Kinder konnten einziehen. „Mit so einem Erfolg haben wir alle nicht gerechnet“, sagt Markus Kühn vom SKM. Zu Beginn habe man für das erste halbe Jahr 30 Wohnungsvermittlungen angepeilt.
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„Wohnungslose konkurrieren in Köln vor allem mit Singles und Studierenden. Da kommen oft 600 Bewerbungen auf eine Wohnung“, erklärt Yasemin Gökmen vom SkF. Ihre Rolle in dem Projekt ist eine besondere: Als Immobilienkauffrau stellt sie zusammen mit einem Kollegen den Kontakt zu Vermietern und Wohnungsbaugenossenschaften her. Aniko Reusche von der Diakonie steht als Sozialarbeiterin in Kontakt zu Mieter und Vermieter. Sie kümmert sich auch um alle Anträge, von der Besichtigung bis zur Erstausstattung und darüber hinaus. „Bei uns stehen derzeit 40 Einzelpersonen auf der Warteliste“, so Reusche. Vorerst wird niemand mehr aufgenommen.
Private Vermieter gesucht
Die meisten der 108 vermieteten Objekte – unter anderem in Weidenpesch, Riehl, Buchheim und Lindenthal – gehören der Wohnungsgenossenschaft LEG. „Wir möchten gerne mehr private Vermieter gewinnen“, erklärt Gökmen ein weiteres Ziel für das insgesamt zwei Jahre vom Land geförderte Projekt. Diese hätten jedoch oft Angst vor einem Mietausfall. „Wir halten den Kontakt zu Stadt und Arbeitsamt.“ So werde der regelmäßige Mieteingang sichergestellt. „Ich habe nur positive Erfahrungen mit Viadukt gemacht“, berichtet etwa Vermieter Hendrik Loll, der aktuell elf Wohnungen im Rahmen des Projektes vermietet hat. Er sieht den Vorteil auch ganz pragmatisch: „Es wird sich um alles gekümmert. Quasi wie bei einem Makler.“

