Eine neue Welle der Gewalt scheint sich durch Köln zu ziehen. Ermittler prüfen Bezüge zur organisierten Kriminalität.
Schüsse und SprengstoffSieben Angriffe in elf Tagen – neue Gewaltwelle in Köln

Unbekannte haben in der Nacht zu Montag Schüsse auf ein Mehrfamilienhaus in Bilderstöckchen abgegeben.
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Die Schüsse fielen offenbar im schnellen Takt: In der Nacht zu Montag schlugen allein vier Projektile in die Wohnung eines älteren Ehepaares in der Vogesenstraße im Bilderstöckchen ein. Anschließend sollen sich Personen vom Tatort entfernt haben. Die Polizei stellte kurz nach halb drei Uhr drei Einschussslöcher im Schlafzimmerfenster der 70 und 71 Jahre alten Senioren fest, ein weiterer Treffer durchschlug das Küchenfenster. Die beiden Bewohner blieben unverletzt.
Acht Patronenhülsen gefunden
Wie diese Redaktion aus Polizeikreisen erfuhr, fanden sich nahe dem Mehrfamilienhaus insgesamt acht Patronenhülsen. Die Tatwaffe wurde noch nicht gefunden, in der Nähe wurden Spuren gestohlener Kfz-Kennzeichen sichergestellt. Ob dieser Umstand mit den Schüssen zusammenhängt, ist noch unklar – genauso, welche Rolle das Ziel spielte. Erneut prüfen die Ermittler gegen die Organisierte Kriminalität (OK) Bezüge ins Rocker- und Clanmilieu. Bisher aber stehen die Strafverfolger ganz am Anfang.

In Höhenberg wurden Schüsse auf einen Imbiss abgegeben.
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Derzeit scheint sich eine neue Welle der Gewalt durch Köln zu ziehen: Wie erst jetzt bekannt wurde, haben Unbekannte in der Nacht zuvor am Eingang eines Mehrfamilienhauses in der Corneliusstraße in der Südstadt einen Sprengsatz gezündet. Fensterscheiben nebst Haustür wurden schwer beschädigt. Bewohner blieben auch hier unbeschadet, und auch hier liegt das Motiv noch im Dunkeln.
Erinnerung an Drogenkrieg von 2024
Gleich sieben Angriffe mit Sprengstoffsätzen und Pistolen zählte die Polizei binnen anderthalb Wochen. Die Ereignisse erinnern an den Kölner Drogenkrieg aus dem Jahr 2024 mit Geiselnahmen, Folter, Mord- und Sprengstoffanschlägen. Seinerzeit heuerten Bandenbosse jugendliche Attentäter aus den Niederlanden an. Andere Auftraggeber rekrutierten via Telegram minderjährige Killer aus Schweden, um ein Kölner Hells-Angels-Mitglied erschießen zu lassen. „Violence as a Service“ beschreibt die Methode, mit der Unterweltgrößen über Mittelsmänner via Social Media junge Kriminelle aus dem Ausland rekrutieren, um hierzulande Rivalen auszuschalten oder einzuschüchtern.
Ob die neue Anschlagsserie mit einem neuen Krieg im kriminellen Milieu zusammenhängt, ist jedoch noch ungewiss. Ein Polizeisprecher warnte im Gespräch mit unserer Redaktion davor, allzu schnelle Schlüsse zu ziehen: „Derzeit ist noch nicht klar, ob alle diese Fälle miteinander zusammenhängen.“

Einsatzkräfte nach einer Explosion in einer Bar in der Kölner Innenstadt.
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Am Sonntag setzten Fahnder drei Männer fest, die an einem Angriff auf einen Döner-Imbiss auf der Olpener Straße in Höhenberg beteiligt gewesen sein sollen. Begleitet von zwei deutsch-türkischen jungen Komplizen, soll ein 51-jähriger deutscher Tatverdächtiger gegen 1.30 Uhr vier Schüsse auf das geschlossene Geschäft abgegeben haben. Offenbar scheint es sich um eine Warnung gehandelt zu haben.
Hinweise, dass dieser Anschlag mit einem Angriff auf ein Juweliergeschäft in der Subbelrather Straße fünf Tage zuvor oder einem explodierten Brandsatz vor einer Eisdiele in Raderberg zusammenhängen könnte, bestätigten sich bisher nicht.
Sprengkörper Marke Eigenbau
Bereits in den Tagen zuvor war es zu Gewalttaten gekommen: Vor gut einer Woche explodierte vor einer geschlossenen Shishabar gegen sechs Uhr morgens am Friesenwall ein Sprengkörper Marke Eigenbau. Drei Tatverdächtige mit Rucksäcken wurden zeitweilig festgenommen. Mangels Tatverdachts wurden sie laut Staatsanwaltschaft inzwischen wieder freigelassen. Zeugen wollen ein flüchtendes Fahrzeug mit Bergheimer Kennzeichen gesehen haben. Auch hier stellt sich das Rätsel über die Beweggründe des Attentats.
Ähnlich verhält es sich mit den Schüssen auf der Zülpicher Straße am selben Sonntagmorgen, bei denen ein 32-jähriger Mann schwer verletzt wurde. Wie unsere Redaktion erfuhr, feuerte der Schütze aus einem fahrenden Auto auf den Mann. Der Wagen stammte von einer Mietwagenfirma aus Kürten. Das Opfer soll mittlerweile Hinweise auf den Täter geliefert haben. Bisher aber ist der Mann weiterhin flüchtig. Für den Angeschossenen hat die Polizei Schutzmaßnahmen im Krankenhaus eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.
