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Untersuchung zur Basketball-EMSo profitiert Köln von großen Sportevents

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Ein Höhepunkt der Basketball-EM: Das Nationaltrikot von Superstar Dirk Nowitzki mit der Nummer 14 hängt in der Lanxess-Arena unter dem Hallendach.

Ein Höhepunkt der Basketball-EM: Das Nationaltrikot von Superstar Dirk Nowitzki mit der Nummer 14 hängt in der Lanxess-Arena unter dem Hallendach. 

Volle Hallen, viele Menschen vor den Bildschirmen. Aber was hat eine Stadt wie Köln von einem sportlichen Großereignis? Eine Untersuchung gibt Aufschluss.

Eine aufregende Woche steht für die Verantwortlichen der Lanxess-Arena an. Mit den beiden Heimspielen der Kölner Haie hat das nicht zu tun, auch nicht mit den Wrestling-Kämpfen, die am Donnerstag in Deutschlands größter Veranstaltungshalle ausgetragen werden. Doch in diesen Tagen beginnt das Bewerbungsverfahren für die Austragung der Handball-Weltmeisterschaft 2027. Arena-Chef Stefan Löcher sähe Teile des Turniers gerne in Köln - im Jahr 2007 hatte Deutschland zuletzt in Köln den WM-Titel geholt.

Zur Dramaturgie einer Bewerbung gehören gleichermaßen Erfolge wie Misserfolge. Im Januar 2024 werden Vor- und Hauptrunde der Handball-Europameisterschaft in Köln ausgetragen. Den Zuschlag für die Austragung der Eishockey-WM 2027 haben dagegen kürzlich Mannheim und Düsseldorf erhalten. Um zu klären, welche Bedeutung große Sportereignisse für einen Austragungsort haben, hatte der Deutsche Basketball-Bund (DBB) voriges Jahr die medialen und finanziellen Auswirkungen der Basketball-EM untersuchen lassen. „Die Stralkraft solcher Turniere ist unfassbar groß, das Ergebnis kommt nicht ganz unerwartet“, freut sich Löcher. Insgesamt 15 Vorrunden-Spiele fanden in Köln statt - und in der Arena gelang mit 236.521 Fans ein Vorrunden-Rekord.

Hohes finanzielles Risiko für die Arena

Planbar sind soche Erfolge nicht. Noch sechs Wochen vor Turnierbeginn rief Löcher seine Mitarbeitenden zusammen, weil zu diesem Zeitpunkt erst gut die Hälfte der Tickets verkauft waren. „Bei einer solchen Auslastung häten wir einen Millionenverlust gemacht“, sagt Löcher. Zum Ende der Bewerbungsphase hatte die Arena nochmals einen mittleren sechsstelligen Betrag in die Waagschale geworfen, um das Turnier nach Köln zu holen. „Da darf man nicht lange fackeln. Wir sind an unsere Grenzen gegangen, aber anders würden wir ein solches Ereignis nie bekommen“, sagt er.

Die in mehr als 15 Ländern vertretende Agentur Nielsen-Sports hat während und nach dem Turnier Befragungen durchgeführt und die mediale Reichweite des Turniers ausgewertet. Das Turnier wurde von 300 Millionen Menschen durch Fernsehen oder Streaming verfolgt, insgesamt wurden 99,2 Millionen Social Media-Kontakte gezählt, davon stolze 34 Prozent durch die Kölner Vorrunde. Laut Studie bedeutet dies für Köln einen Umsatzerfolg von 10,4 Millionen Euro. „Köln und Sport gehören für mich untrennbar zusammen“, sagt Sportdezernent Robert Voigtsberger.

Doch nicht nur internationale Turniere machen eine Sportstadt aus. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen Spitzen- und Alltagssport“, stellt Oliver Seeck (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses fest. Laut Voigtsberger stiegen nach der Basketball-EM die Anfragen in den Vereinen um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kinder rund Jugendliche wollten den Basketball-Idolen nacheifern. „Aber die Infrastruktur der Hallen und die Voraussetzungen in den Vereinen müssen stimmen, um eine solche Euphorie auch auffangen zu können“, mahnt Seeck.

Viele Gäste wollen wiederkommen

Aber kommen auswärtige Fans nach einem Turnier wieder nach Köln? Laut Umfrage geben 64 Prozent der internationalen Gäste an, die Stadt habe für sie im Hinblick auf Wochenend- oder Urlaubsreisen an Atraktivität gewonnen. 67 Prozent der Befragten geben an, die Stadt „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nochmals besuchen zu wollen und 62 Prozent wollen einen Besuch im Bekanntenkreis weiterempfehlen. Ob die Menschen in Köln stolz auf die Eurobasket 2022 sind? Ja, sagen 92 Prozent der Befragten.

Doch das Ringen um internationale Großveranstaltungen ist zäher geworden. „Wir sehen, dass Sport in anderen Städten stark ins Zentrum rückt. Wir müssen den Mehrwert unserer Stadt besondern herausstellen, dazu gehören Emotionalität uns Lebensfreude“, betont Voigtsberger. Stadt und Land können die Bewerbungen mit finanziell eher bescheidenen Mitteln unterstützen. Weil der Verastalter bei der Basketball-EM einen Gewinn eingefahren hat, bekamen Stadt und Land ihren Einsatz hinterher zurück.

Auf kommunaler Ebene konkurriert der Sport mit vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen um öffentliche Zuschüsse. In Köln fordert der Stadtsportbund als Dachverband der Vereine schon lange eine Verdopplung des Sporthaushalts. „Ich finde, es muss eine offene und nüchterne Diskussion über die hohe Relevanz des Sports geführt werden“, fordert Löcher. Es gehe ihm nicht darum, verschiedene Bereiche gegeneinander auszuspielen. Doch gerade der Sport verfüge über „eine unfassbar integrative Wirkung.“