Unsere Autorin weiß zu schätzen, dass die Stadt nicht auf irgendwann einmal geplanten Pfaden beharrt, sondern sich dem Willen der gehenden Mehrheit fügt.
Wofür ich Köln liebeTrampelpfade werden zu Wegen – „Sympathisch kölsches Laisser-faire“

Im Kölner Nordpark verwandelt die Stadt gerade Trampelpfade in offizielle Wege.
Copyright: Alexander Roll
So viele Wege sind in den Kölner Parks angelegt, kreuz, quer, links, rechts. Müssen die Leute da einfach gehen und fahren, wo sie wollen? Bis das Gras komplett plattgetrampelt ist und die Fahrräder bei Regen die Trampelpfade in schlammige Matsch-Schneisen verwandeln? Ist das nicht unglaublich bequem, ignorant und umweltzerstörerisch? Aber genau wie Fußgänger und Fahrradfahrer gerne vorgeschriebene Pfade verlassen, kann ja auch das Denken zum Glück die Richtung wechseln.
Wie neulich in meinem Gehirn, als ich im Nordpark unterwegs war und sah, dass die Stadt Köln die Trampelpfade dort gerade einfach zu offiziellen Wegen ausbaut. Da zweigten meine Gedanken von der Verärgerung erst zu einer leisen Irritation ab. Um schließlich in Richtung Frohsinn abzubiegen. Wie entspannt, dass die Stadt nicht stur auf den irgendwann geplanten Wegen beharrt. Sondern sich pragmatisch dem Willen der Mehrheit fügt.
Der Weg entsteht beim Gehen – nicht beim Planen
Dieses kölsche Laisser-faire macht die Stadt zwar ganz sicher nicht grüner – aber doch irgendwie sympathisch. Mir gefällt die stadtplanerische Philosophie dahinter: Der Weg entsteht beim Gehen – nicht beim Planen.
Und die Kölnerinnen und Kölner stimmen eben tatsächlich mit den Füßen ab, wie und wohin sie am liebsten laufen und fahren wollen. Was das angeht, sind Menschen wie fließendes Wasser: Wir suchen immer den kürzesten Weg. Nur, dass wir im Gegensatz zu Bächen auch bergauf laufen können, wenn es unbedingt sein muss.
Auf Englisch heißt Trampelpfad übrigens, deutlich weniger aggressiv als das Trampeln im Deutschen, „desire path“, Wunschpfad. Bleibt nur zu wünschen, dass vor lauter neuen Pfaden auch noch ein bisschen Gras übrig bleibt.
