Am Mittwoch, 1. Juli, feiert das Wallraf-Richartz-Museum seinen 165 Geburtstag – bevor es einen Monat später für eine Sanierung schließt. Wir stellen die wichtigsten Fakten zum Museum vor.
165 JahreGeburtstagsfeier und letzte Blicke im Museum Wallraf – die wichtigsten Fakten

Besucher im Wallraf-Richartz-Museum, dem ältesten Museum Kölns. Am 1. Juli wird Geburtstag gefeiert.
Copyright: Costa Belibasakis
Die berühmtesten Bilder
Das Museum besitzt eine der weltweit umfangreichsten Sammlungen mittelalterlicher Malerei und eine repräsentative Auswahl an Werken des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Stefan Lochner: „Muttergottes in der Rosenlaube“
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Stefan Lochner: „Muttergottes in der Rosenlaube“, um 1440
Es ist wohl das berühmteste Gemälde Kölns und wird wegen seiner Popularität auch als „Kölsche Mona Lisa“ bezeichnet. Das Bild ist mit 50,5 mal 40 Zentimeter eher klein, wird dafür aber spektakulär in einer Glasvitrine in der Saalflucht präsentiert. Viele Besucher kommen gezielt, um die „Muttergottes“ zu sehen – sie gilt als Markenzeichen Kölner mittelalterlicher Malerei weltweit. Das Werk ist so kunstvoll, dass keine Reproduktion all die Feinheiten abbilden kann, die Lochner – er wurde zwar am Bodensee geboren, lebte dann aber auf der Kölner Schildergasse in der Nachbarschaft des heutigen Museums – hier festgehalten hat. Der Heiligenschein Mariens etwa ist eine vereinfachte Darstellung des Mondzyklus‘. Die prächtige Brosche an der Brust Mariens zeigt eine Jungfrau mit einem Einhorn. Ihr Gewand ist im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll: Denn die Herstellung der Farbe Lapislazuli, in der es gemalt ist, war sehr teuer – so teuer wie das ebenfalls verwendete Blattgold. Der Auftraggeber war offenbar ein gebildeter Mann, der die Bildsymbolik schätzte. Die „Muttergottes“ hing wahrscheinlich einst in einem Bürgerhaus, einer Klosterzelle oder einer Privatkapelle. Nun ist das Wunderwerk für alle sichtbar.

Auguste Renoir: „Das Paar“
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Auguste Renoir: „Das Paar“, um 1868
Ein Paar hält auf einem Parkweg kurz inne und wendet sich liebevoll einander zu. Diese Momentaufnahme einer Beziehung bezaubert noch heute die Menschen. Eine alltägliche Begebenheit wird in einem Bild verewigt. Der feine rot-weiß gestreifte Stoff des Kleids sticht hervor, der Hintergrund ist unscharf gehalten, um nicht davon abzulenken. Das Bild gilt als eines der Hauptzeugnisse für den Beginn des Impressionismus: das Momentane, das Innehalten, die sinnliche Darstellung der Stoffe. Mancher Betrachter und manche Betrachterin mag darin aber auch vor allem den Ausdruck von großer Liebe und Achtung sehen. Und nebenbei: Die Ohrringe der Dame sind besonders schön, natürlich am besten vor Ort zu erkennen.

Claude Monet: „Seerosen“
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Claude Monet: „Seerosen“, um 1916
Monets Seerosen-Bilder gehören weltweit zu den Lieblingsmotiven – auch bei Menschen, die sonst nicht viel mit Kunst anfangen können. Der Maler ist bei dieser Version auf dem Weg zur Abstraktion, wie der Museumkatalog erklärt. Monet ging es hier nicht um die genaue Abbildung der Natur. Zunächst sind nur dunkelblaue, dunkelgrüne und violette Farbräume zu sehen. Erst bei näherem Hinschauen werden die Strukturen klar, man erkennt die Seerosen und den Ufersaum. Monet macht in diesem Bild seine Licht- und Farbstudien. Und die sind in echt viel eindrucksvoller als jede immersive Ausstellung.
Das beliebteste Souvenir

Das Nashorn-Souvenir nach Dürer
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Kühlschrankmagnete gehen natürlich immer. Aber das Wallraf hat auch einen sehr großen Bestseller: die plastische Nachbildung des „Rhinocerus“, das Dürer 1515 auf einer Grafik dargestellt hat. Sein Bild prägte über Jahrhunderte die europäische Vorstellung vom exotischen Nashorn, das hierzulande kaum jemand zu Gesicht bekommen hatte. Und es fasziniert offenbar noch immer. Das recht schwere Teil kostet immerhin 140 Euro, wird aber gerne gekauft, erzählt Sonja Sistermans, die den Museumsshop seit 18 Jahren leitet. Die Nashorn-Grafik selbst gibt es in Köln allerdings nur selten zu sehen. Weil die Papierarbeit hochempfindlich ist, liegt das Werk geschützt im Depot – und wird höchstens in Sonderausstellungen gezeigt.
Ein Museum, drei Orte

Wo heute das Museum für Angewandte Kunst zu Hause ist, befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg der erste Bau des Wallraf-Richartz-Museums.
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In den 165 Jahren seines Bestehens war das Museum an drei Orten zuhause. 1861 eröffnete das Haus im neogotischen Stil an der Minoritenkirche. Es war das erste Museum des Rheinlands. Es zeigte die Schätze von Sammler Ferdinand Franz Wallraf, die er 1824 der Stadt vermacht hatte, und wurde mit Stiftungsgeldern des Kaufmanns Johann Heinrich Richartz errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das imposante Gebäude komplett zerstört. In den 1950er-Jahren wurde dann auf demselben Gelände die neue Bleibe gebaut (heute: Museum für Angewandte Kunst). Bundeskanzler und Alt-Oberbürgermeister Konrad Adenauer kritisierte den Neubau wegen seiner Nüchternheit als „Fabrik“.

Die Statuen von Wallraf und Richartz vor dem ehemaligen Standort
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1986 zog das Wallraf zusammen mit dem Museum Ludwig und der Philharmonie in den neuerbauten Komplex am Dom. 2001 folgte dann der Umzug in den Neubau des Architekten Oswald Mathias Ungers in Rathaus-Nähe. Das kubische Gebäude soll ein Gegengewicht zum mittelalterlichen Gürzenich und Alt St. Alban bilden, an der Fassade sind die Namen der große Künstler, die hier zu sehen sind, verewigt. Parallel zur anstehenden Sanierung entsteht der lang ersehnte Erweiterungsbau.

Der Neubau des Wallraf-Richartz-Museums wurde 2001 bezogen.
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Die Museumsmenschen
Die „Freunde des WRM“

Führung im Wallraf-Museum
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Mit mehr als 6000 Mitgliedern sind die „Freunde des WRM und des Museum Ludwig“ einer der größten Fördervereine in Deutschland. Einer der Hauptaufgaben der 200 aktiven Ehrenamtler: kostenlose Führungen. Kunsthistorikerin Susanne Rauprich schult die Laien seit vielen Jahren. Sie liebt vor allem die kurzen 20-Minuten-Führungen. „Das ist wie ein Appetizer oder wie Tapas.“ Die Mittelalter-Kunst sei vielen eher fremd. „Aber sie ist sehr lebendig und bunt und erzählt viele Geschichten.“ Die schönste Reaktion eines Besuchers: „Kunst kann ja sexy sein.“ Ehrenamtlerin Kirsten Müller-Frank spricht am liebsten über das Selbstbildnis von Rembrandt. „Weil es so geheimnisvoll ist. Man weiß nicht, ob er lacht oder weint und wer die Figur am linken Bildrand ist.“ Am meisten freut sie sich, wenn die Menschen mit einem Lächeln hinausgehen.
Der Direktor

Museumsdirektor Marcus Dekiert vor seinem Lieblingsbild „Juno und Argus“ von Peter Paul Rubens (um 1610)
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Marcus Dekiert, in Köln aufgewachsen, ist seit 13 Jahren Chef des Wallraf. Das Besondere für ihn: „Wir sind ein relativ überschaubares Haus. Hier hat man auf drei Etagen kompakt die Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert.“ In großen Häusern sei man ja „manchmal Tage unterwegs“, hier sei alles komprimiert und dafür seien viele Besucher sehr dankbar. Darf ein Museumsdirektor ein Lieblingsbild haben? Ja, Dekiert mag besonders „Juno und Argus“ von Peter Paul Rubens. Überhaupt sei der Barocksaal, in dem es hängt, wirklich „großes Theater“ in seiner Farbigkeit und Dramatik. Und was macht ein Direktor, wenn sein Museum zwei Jahre geschlossen ist? „Als Museumchef wird man ja schon gefragt, was man eigentlich montags macht, wenn geschlossen ist“, sagt er und lacht. Die Zeit werde sehr arbeitsreich: Ausziehen, neue Räume und neue Anordnung der Bilder planen, Architektengespräche, Einzug planen. „Die Bilder kommen ja lange vor der Wiedereröffnung zurück.“
Der Stifterrat
Es ist eines der prominentesten Beispiele für bürgerschaftliches Engagement in Köln: 1997 wurde der Stifterrat Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud auf Initiative von Alfred Neven DuMont, Herausgeber und Verleger des „Kölner Stadt-Anzeiger“, gegründet. Mit erheblichen Mitteln hat der Stifterrat den Neubau des Museums unterstützt. Der Stifterrat hat auch mit der Finanzierung des Architektenwettbewerbs den Grundstein für die Erweiterung des Wallraf gelegt. Unter dem Vorsitz von Peter Jungen ist der Stifterrat einer der wichtigsten Förderer des Museums.
Die Geburtstagsfeier
Am Mittwoch, 1. Juli, ist der Eintritt in das Museum kostenlos. Ebenfalls kostenlose, halbstündige Führungen zu den Sammlungshighlights werden von 14.30 bis 17 Uhr von den „Freunden des WRM“ angeboten. Interessierte können sich 30 Minuten vor Beginn der jeweiligen Führung am Infostand anmelden. Themen sind beispielsweise „Das Marienbild im Mittelalter“ (14.30 Uhr), „Im Gruselkabinett des James Ensor“ (15.30 Uhr), „Wasserlandschaften in der niederländischen Malerei“ (15.30 Uhr) und „Gustave Caillebotte und die Impressionisten“ (17 Uhr). Danach kann das Museum noch bis zum 2. August besucht werden, dann schließt es wegen der Sanierung voraussichtlich bis Ende 2028 komplett und die Kunstwerke wandern ins Depot.