Gerümpel, funkelnde Steine, weiß gescheuerte Muscheln, mit Glück auch Halbedelsteine – der Rhein zeigt gerade alles, was sonst im Verborgenen unter Wasser liegt.
Niedrigwasser-SchatzsucheWenn der Rhein seine Geheimnisse preisgibt
Im steinigen, trockenen Flussbett des Niederländer Ufers in Riehl zeigt sich aktuell, was die Wassermassen des Rheins für gewöhnlich im Verborgenen halten. Sven von Loga kennt sich dort unten besonders gut mit dem Suchen und Finden aus. „Wenn man nicht nur nach den natürlichen Dingen schaut, findet man viel Gerümpel und Abfall: E-Roller, die Leute in den Rhein geschmissen haben, alte Fahrräder, Bettgestelle, Kinderwagen, Einkaufswagen.“ Von Loga ist studierter Geologe und geht regelmäßig mit Interessierten auf die Expedition „Schätze des Rheins“. Gemeinsam suchen sie dann nach Gold, Fossilien oder Halbedelsteinen. Auch beim heutigen Spaziergang ist die Hoffnung groß, etwas Besonderes zu finden.
Suche nach Achaten und Fossilien
Bei 36 Grad geht es durch das steinige, staubige Flussbett nahe des alten Schwimmbads in Riehl. Vor allem das nasse Ufer beäugt er aufmerksam. „Dort stechen die Farben bestimmter Steine deutlicher hervor“, sagt von Loga. Besonders Achate sucht er hier. Die Minerale gehören zur Familie der Quarzite und fallen durch ihren glänzenden, farbenfrohen Bruch auf. Namensgeber ist der sizilianische Fluss Achetes, wo die bunten Steine erstmals in größeren Mengen gefunden wurden.

Achate zeichnen sich durch ihre bunte Färbung aus
Copyright: Sven von Loga
Seltener als Achate sind fossile Überreste. Aber auch die gibt es: Von Loga erzählt, dass er in Porz-Langel sogar einmal einen Mammutzahn entdeckt hat. Dass solche Funde möglich sind, hängt mit der Geschichte des Rheins zusammen, erklärt er. In der letzten Eiszeit war der Rhein teilweise mehr als 30 Kilometer breit und bestand aus flachen Gerinnen und Kiesbänken. Mammuts bewegten sich damals in dieser Landschaft. Ihre Knochen und Zähne konnten im Kies erhalten bleiben.

Mammutzahn aus dem rheinischen Flussbett
Copyright: Sven von Loga
Muscheln, Krabben und Fahrradketten
Tierisch, aber nicht fossil, sind die Hinterlassenschaften von Rheinbewohnern. Das bräunliche Gehäuse der Körbchen-Muschel haben wahrscheinlich viele Rhein-Spaziergänger schon einmal gesehen. Manchmal ist sie auch weiß. Denn nach langer Zeit im Kiesbett verwest die organische, braune Haut und die Schale bleibt weiß zurück. Um in den Rhein zu kommen, ist die Muschel weit gereist. Ursprünglich kommt sie aus Asien und wurde vermutlich von Schiffen mitgeschleppt. Gleiches gilt für die Wollhandkrabbe, die mit Beinen bis zu 30 Zentimeter breit werden kann. Auch sie kam über den Seeweg aus dem Fernen Osten. Ihre ausgetrockneten Panzer glänzen jetzt im rheinischen Kiesbett.

Der ausgetrocknete Panzer einer Wollhandkrabbe
Copyright: Arton Krasniqi
Neben menschlichen Hinterlassenschaften wie rostigen Fahrradketten sind an diesem Abend vor allem rheintypische Steine sichtbar: Buntsandsteine oder Milchquarze. Von Loga erzählt, dass der Buntsandstein schon von den Römern zum Häuserbau verwendet wurde. Auch später wurde das Material noch für bekannte Gebäude wie das Freiburger Münster genutzt. Der Milchquarz wiederum schimmert von innen kristallartig weiß. Seinen Namen hat er vom schwedischen Mineralogen Johann Gottschalk. Der Forscher fand, dass der Stein wie fette, mit Wasser aufgespülte Milch aussieht.

Bei Trockenheit sind vermehrt Buntsandsteine am Rhein zu finden
Copyright: Sven von Loga

Milchquarze sind weißlich und funkeln
Copyright: Sven von Loga

Sven von Loga und die Überreste des alten Hafenbeckens
Copyright: Arton Krasniqi
Ein altes Militärschwimmbecken
Weiter geht es an der Innenkurve des Rheins hinter der Mülheimer Brücke. Dort ist die Strömung langsamer und das Flussbett flacher, wodurch es mehr Ablagerungen gibt. Erneut sind keine Halbedelsteine oder Fossilien zu sehen. Dafür aber die Reste eines alten Hafenbeckens. Dieses war einmal Teil des militärischen Übungsplatzes Mülheimer Heide. In dem Hafenbecken lernten die Soldaten des Pionier-Bataillons Nummer 24, wie Brücken aus Schwimmkörpern gebaut werden. In einem anderen Bereich wurde ihnen das Schwimmen beigebracht.
Wer einzigartige Steine und Fossilien sucht, braucht nicht nur viel Geduld, sondern auch eine große Portion Glück – bei diesem Abendspaziergang am Rhein bleibt der ganz große Fund aus. Und doch: Sven von Loga schaut sich alles ganz genau an. Alles, was der Rhein normalerweise verbirgt.
Interessierte haben die Möglichkeit an Von Logas Expedition "Schätze des Rheins" teilzunehmen. Am Dienstag den 20.10. können Eltern mit Kindern am flachen Rheinufer das Kiesbett erkunden. Gemeinsam werden die Rheingerölle untersucht und Von Loga klärt über die Herkunft und Entstehung der Gesteine auf. Außerdem können Teilnehmer sich auf die Suche nach Achaten und Fossilien machen oder mit Goldwaschpfannen Rheingold waschen. Weitere Informationen gibt es unter: Schätze des Rheins für Kids in Köln
