Der hohe Versiegelungsgrad in Köln verstärkt die Hitzeentwicklung und steigert Gesundheitsrisiken.
StadtklimaWo es in Köln am heißesten ist und was die Hitze verstärkt

Eine Karte des DLR zeigt die Oberflächentemperatur im Großraum Köln. Bis zu 45 Grad (rot) werden dabei erreicht.
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Es liegt in der Natur der Sache: Wo viel Beton und Asphalt vorhanden sind, ist die Temperatur um mehrere Grad höher als auf der grünen Wiese. Besonders schwarzer Asphalt absorbiert fast die gesamte auftreffende Sonnenstrahlung und gibt diese als spürbare Wärme wieder ab. So wird die Hitze in der Kölner City noch verstärkt und durch den Klimawandel zunehmend zum Problem.
An der Haltestelle Neumarkt ist es noch angenehm kühl am Vormittag. Logisch, sie liegt unter der Erde. Doch wer auf die Rolltreppe Richtung Schildergasse tritt, dem schlagen schon gegen halb zwölf 33 Grad an diesem Freitag entgegen. Vor den Trinkbrunnen haben sich Schlangen gebildet, jeder will seine Flasche auffüllen, bevor es weitergeht. Die Menschen laufen breitbeiniger als sonst, der Schweiß läuft die Beine herunter, die Oberschenkel kleben aneinander.
Trotzdem: Die Schildergasse ist voll – zumindest am Vormittag. Mia Steinert trägt eine Einkaufstüte in der Hand: „Wir wollten morgens früh hier schnell ein paar Sachen shoppen und dann direkt nach Hause. Es ist zu heiß. Wir haben nur Kleidung gekauft – ein paar Sommerklamotten.“ Jetzt wolle sie sich schnell auf den Rückweg machen. „Überall ist es heiß, egal wo man ist.“

Mia Steinert hat noch schnell Sommersachen geshoppt. Für sie geht es zurück nach Leverkusen.
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Aus den Geschäften weht gelegentlich kühle Luft. Die Klimaanlagen laufen auf Hochtouren. Dort suchen Eva und Samantha, Mutter und Tochter aus Wien, immer wieder Zuflucht. Seit Montag sind sie in Köln, der Freitag ist ihr letzter Urlaubstag, die gesamte Hitzeperiode haben sie miterlebt: „Wir waren im Zoo, am Kölner Dom und haben eine alte Wohnung besucht. Sonst waren wir in ganz vielen klimatisierten Geschäften, damit es irgendwie aushaltbar ist. Und Cocktails trinken geht auch abends am Rhein.“ Den beiden Wienerinnen kommt es so vor, als würde niemand in Köln schwitzen. „Ich habe den ganzen Tag einen roten Kopf, ich brauche zwei T-Shirts am Tag, und alle anderen scheinen das viel besser wegzustecken“, sagt Eva. „Also das Erste, was wir gemacht haben, war gleich mal einen Fächer kaufen, als wir hier ankamen.“

Eva und Samantha (r.) haben die bisher heißesten Tage des Jahres in Köln in ihrem Urlaub mitgenommen.
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In der einen Hand der Fächer, in der anderen die Wasserflasche: So sind viele Besucher der Innenstadt ausgestattet, und viele wirken, als wollten sie schnellstmöglich wieder nach Hause.
33 Grad, aber es wird noch heißer. Am Nachmittag erreichen die Temperaturen ihren Höchststand. 38 Grad steht auf der Temperaturanzeige des Handys gegen 16 Uhr. Der Rheinboulevard wirkt wie ausgestorben. Nur eine Reisegruppe aus den Niederlanden steht mit ihren Rädern dicht an dicht im Schatten der Bäume. Kurz bewegen sie sich aus dem Schatten heraus, machen ein Foto mit dem Dom im Hintergrund und dann schnell zurück unter den Schutz der Bäume.

Am Rheinboulevard steht die Hitze am Nachmittag.
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Am anderen Ende des Boulevards unter der Hohenzollernbrücke hat sich eine kleine Menschentraube eingefunden, auch sie versucht hier der Sonne zu entkommen. Katja und Michael sind aus Bayern zu Besuch in Köln: „Wir feiern Geburtstage nach. Und weil er Amerikaner ist und es seine erste Zeit in Deutschland ist und er schon immer nach Köln wollte, den Dom sehen, sind wir heute hier und haben uns den besten Tag ausgesucht.“ Katja fächelt sich mit der Handfläche Luft zu. Im Dom waren sie bereits. Schwül sei es dort gewesen, weil so viele Menschen die gleiche Idee bei dem Wetter gehabt hätten. Die ganz Hartgesottenen sitzen unter roten Sonnenschirmen am Imbissstand und halten kleine Handventilatoren in der Hand.
Köln: Hoher Versiegelungsgrad ein Problem
Zahlreiche Studien belegen, wie sehr der hohe Versiegelungsgrad die Wärmeentwicklung in der Stadt fördert. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Umwelthilfe erstmals einen „Hitzebetroffenencheck“ berechnet. Der sogenannte HBI ist ein Maß dafür, wie stark Menschen von Hitze, Versiegelung und fehlendem Grün betroffen sind.
Köln gehört dabei mit einem HBI von 15,98 zwar nicht zu den am stärksten betroffenen Städten wie Mannheim (18,61) oder Ludwigshafen am Rhein (18,36), doch in NRW ist es der zweitschlechteste Wert nach Euskirchen (16,6). Dazu trägt vor allem ein Versiegelungsgrad von 49,7 Prozent bei. Asphaltflächen verhindern zudem das Versickern von Wasser bei Starkregen, die Gefahr von Überschwemmungen ist die Folge.
Schaut man auf die einzelnen Stadtteile, so ist Ehrenfeld mit 81,3 Prozent versiegelter Fläche am stärksten betroffen. Das geht anhand von Katasterdaten aus einer 2021 fertiggestellten Diplomarbeit am Geographischen Institut der Uni Köln hervor. Es folgen die nördliche Altstadt und Raderberg. Am grünsten dagegen sind Veedel am Stadtrand wie Libur, Roggendorf/Thenhoven und Langel.

Oberflächentemperatur im Großraum Köln, Studie aus 2025
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Dort, wie auch am Äußeren Grüngürtel oder der Wahner Heide sind die Temperaturen um einige Grad Celsius niedriger. Das zeigt unter anderem auch eine Karte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dabei wurden auf Basis von Satellitendaten die Durchschnittswerte der Oberflächentemperatur von Juni, Juli und August in den Jahren 2013 bis 2024 für den Großraum Köln einbezogen. Bis zu 45 Grad wurden dabei gemessen. Der Rhein wird von Wissenschaftlern als „blaue Infrastruktur“ bezeichnet: Wasserflächen haben wie Stadtgrün einen Kühlungseffekt.
All die Erkenntnisse sind nicht neu, wurden aber in den vergangenen Jahren bei Bauvorhaben vernachlässigt, wie etwa die Universität zu Köln 2025 auf Anfrage einräumte. Immerhin: Es soll rund um den Albertus-Magnus-Platz nachgebessert werden. „Wir haben Nachholbedarf“, stellte denn auch Umweltdezernent William Wolfgramm in der ARD-Story „Zugepflastert – Wie retten wir unsere Städte vor dem Hitzekollaps?“ fest. So fanden zuletzt Entsiegelungen an mehreren Orten im Stadtgebiet statt, unter anderem auf Schulhöfen. Mit dem Förderprogramm „Grün hoch 3“ bestärkt die Stadt Mieter und Eigentümer, wenn es um Fassaden- oder Dachbegrünungen, den Rückbau von Schotterflächen oder das Anlegen von Hochbeeten geht (wir berichten).
Dennoch wird es in den kommenden Jahren noch wärmer werden, besagt eine Studie des Deutschen Wetterdienstes: Im Zeitraum 2031 bis 2060 verdoppelt sich demnach die Zahl der Hitzetage (30 Grad und mehr) im gesamten Stadtgebiet auf bis zu 22 pro Jahr.