Abo

Cookies, Kebab, TiramisuWenn Schlangestehen in Köln zum Trend dazugehört

4 min
Schlange vor dem „Umami Kebabkunst“ am Zülpicher Platz. Hier braucht es schon eine Absperrung.

Schlange vor dem „Umami Kebabkunst“ am Zülpicher Platz. Hier wurden aus Sicherheitsgründen schon rot-weiße Kegel aufgestellt. 

Schlangen vor neuen Läden und Imbissen sind immer öfter zu sehen. Woher kommt der Hype um Cookies und Kebab? 

Am Ring/Ecke Zülpicher Platz werden zeitweise rot-weiße Leitkegel auf dem Bürgersteig aufgestellt. Damit die lange Schlange, die sich regelmäßig vor dem Umami Kebabkunst bildet, noch Platz lässt für vorbeieilende Passanten, die keinen Döner kaufen wollen. Seit der Laden im Juli geöffnet hat, lässt der Ansturm nicht nach.

Die Betreiber verwenden nach eigenen Angaben ausschließlich feinfaseriges und marmoriertes „Black Angus“-Rindfleisch. Gewürzt werde nur mit Salz und Pfeffer. Der Laden ist minimalistisch gehalten und wirkt hipp, statt wie ein herkömmlicher Imbissladen. Döner soll schick werden. Doch was die Massen vor allem anzieht, ist wohl die geschickte Werbung auf Instagram und Tiktok.

Eko Fresh als Döner-Influencer

Den großen Wurf machten die Inhaber, die noch einen weiteren Laden in der Nähe von Frankfurt haben, mit Eko Fresh. Als Kölner mit türkisch-kurdischen Wurzeln, der sich selbst als „Döner-Experte“ bezeichnet, ist er ein idealer Influencer. Er lobte beim Besuch mit seinem Sohn das „Umami“ in höchsten Tönen.

Kunstvoll geschichtete und fotogene Açai-Bowls von Oakberry

Kunstvoll geschichtete und fotogene Açai-Bowls von Oakberry

Lange Schlangen gibt es seit Kurzem auch auf der Apostelnstraße. Bei Spoonlay wird Tiramisu mit verschiedenen Toppings in hübschen Boxen verkauft. Die lassen sich aufschieben und sind damit wunderbar geeignet für die Inszenierung auf Instagram und Tiktok. Schon nach zehn Tagen gingen dem Betreiberehepaar Kübra und Kerem Türk wegen des Riesenerfolgs vorübergehend die Schachteln aus. „Mit diesem Megaansturm haben wir nicht gerechnet, das bringt uns ans Limit“, sagt Kübra Türk erschöpft und glücklich.

Tiramisu ohne Alkohol an der Apostelnstraße

Es ist ihr erstes Geschäft. „Viele fragen schon, ob wir ein Franchise sind. Aber das sind wir nicht.“ Tiramisu hätten sie ausgewählt, weil damit alle von „sieben bis 70 Jahre“ etwas anfangen könnten. Alle Sorten (um die acht Euro) sind ohne Alkohol, manche auch ohne Kaffee. „Wir machen hier alles selbst, schichten abends das Tiramisu in die Boxen. Das ist kein Hypeprodukt wie zum Beispiel Dubai-Schokolade“, sagt Kerem Türk. Die meisten Kunden kämen eindeutig wegen der Präsenz auf Social Media.  

Inszenierung bei Cookie Couture auf der Ehrenstraße

Inszenierung bei Cookie Couture auf der Ehrenstraße

Lange hätten sie an dem Design des Ladens mit den warmen Brauntönen getüftelt, erzählen die beiden. Gänzlich schmucklos ist dagegen das Oakberry am eher unscheinbaren Ende der Severinstraße. Seit zwei Jahren gibt es die Filiale der internationalen Kette. Das Ladenlokal ist winzig und Schlangen bilden sich schnell für die Açai-Bowls. Die Açai-Frucht (sprich: Asaiiie mit Betonung auf dem langen i) ist die dunkelviolette bis schwarze Beere der Kohlpalme aus dem Amazonasgebiet. Die Beeren werden vielfach als Superfood reich an Antioxidantien und Ballaststoffen gepriesen. 

Ärger um Müll auf der Severinstraße

Bestellt wird an Bildschirmen. Es gibt viele Varianten, allein mehr als 25 Toppings. Die Zutaten werden kunstvoll in Plastikbechern geschichtet. Und draußen gleich für Social Media fotografiert. Zwischen 8,90 und 12,50 Euro kostet der Becher. Weil manche Kunden die leeren Behälter einfach auf der Straße stehen lassen, hat es schon Ärger mit der Nachbarschaft gegeben. Im Laden klebt ein Aushang am Fenster: „Werft bitte eure benutzten Bowls direkt in unsere Mülleimer, statt sie stehen zu lassen.“

Ärger um lange Schlangen und um hinterlassenen Müll gibt es seit Monaten rund um das Impi an der Piusstraße. Weil der Iced Matcha Latte auf Social Media so gut aussieht, wurde aus der früher verschlafenen Ecke Ehrenfeld ein Hotspot. Influencer entdeckten das Getränk, seitdem halten hier sogar Autoposer. Und so mancher genervte Nachbar setzt auf die Zeit: „Matcha-Trends kommen und gehen.“

Ansturm auf das Impi an der Piusstraße in Ehrenfeld

Ansturm auf das Impi an der Piusstraße in Ehrenfeld

Wie lange Hypes anhalten, ist sehr unterschiedlich. Einer der Pioniere war 2023 Cookie Couture auf der Ehrenstraße. Das Geschäft, in dem nach amerikanischem Vorbild Kekse mit Toppings in feinen rosa Schachteln verkauft werden, ist weiterhin erfolgreich. Inzwischen gibt es eine Filiale auf der Schildergasse und 18 weitere in ganz Deutschland. Auch der Nachbar Rocket Rice, der Milchreisbecher anbietet, besteht nun schon drei Jahre. Der Laden Crusty Slices mit seiner Mischung aus Croissant und Pizza dagegen schaffte nur eineinhalb Jahre.

Vor der Tür bei Oakberry in der Severinstraße nehmen derweil die glücklichen Käuferinnen mit ihren Riesenbechern Platz und machen Fotos. Und die eine sagt: „Da gibt es doch auch diesen neuen Tiramisu-Laden. Da müssen wir auch noch hin.“