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Konzert in KölnKölner Fans verzeihen Sarah Connors „Tollpatschigkeit“

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Sarah Connor auf der Bühne der Lanxess-Arena.

Sarah Connor auf der Bühne der Lanxess-Arena.

Mit viel Tanzeinlagen und großen LED-Leinwänden gastiert Sarah Connor auf ihrer Tour zum Album „Freigeistin“ in der Lanxess-Arena

„Heute Lanxess-Arena in Düsseldorf“, hatte Sarah Connor nachmittags gepostet. Die versöhnliche Antwort der Arena: „Wir Kölner:innen sind ja tolerant.“ Auch viele Fans verziehen der 45-jährigen Sängerin online ihre „Tollpatschigkeit“. Auf ihrer Arena-Tour zum aktuellen Album „Freigeistin“ macht sie in nur zweieinhalb Wochen in 15 Städten Station, am Mittwochabend nun wohlgemerkt in Köln.

Auf der Bühne beteuert Connor aber direkt: „Ich hab euch natürlich geärgert.“ Immerhin sei dieses Kölner Konzert mit 17.000 Besuchern das größte der ganzen Tournee. Das könne sie wohl kaum vergessen. Connor gehört mit mehr als zehn Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten deutschen Sängerinnen der 2000er und 2010er Jahre. Über ihre 25 Jahre andauernde Karriere ist sie öffentlich erwachsen geworden – und mit ihr vermutlich zahlreiche ihrer nicht nur weiblichen Fans.

Und diese nahm sie mit auf eine Reise durch das vergangene Vierteljahrhundert. Ihren Durchbruch hatte die Delmenhorsterin 2001 mit der Single „Let’s get back to bed – boy!“ mit Rapper TQ. Der erste Teil ihrer Karriere fand auf Englisch statt und wird beim Konzert in einem Medley zusammengefasst (Hits wie „From Sarah with love“, „From zero to hero“ oder auch das Weihnachtslied „Ring out the bells“). Seit 2015 („Wie schön du bist“) stürmt sie auf Deutsch die Charts. Connor verarbeitete auf ihren vielfach ausgezeichneten, drei letzten Alben insbesondere das Muttersein und nun auch ihre Ehekrise. Die 45-Jährige hat zwei bereits erwachsene Kinder aus der Beziehung mit Marc Terenzi sowie zwei noch minderjährige mit ihrem zweiten Ehemann und Manager Florian Fischer, der in Köln im Publikum ist.

Anspielungen Patzer bei der Nationalhymne 2005

Vom Familienalltag erzählt Connor ebenso offen wie von den ersten Wechseljahrs-Beschwerden. Sie gibt sich nahbar, auf dem 13 Meter langen Steg geht es hinein ins Publikum. Connor reagiert auf Zurufe ihrer Fans, witzelt über sich selbst mit Anspielungen auf ihr transparentes Kleid 2002 bei „Wetten, dass ...?“ oder die 2005 öffentlich „verbrühte“ Nationalhymne. Auch in der Lanxess-Arena klappt nicht alles perfekt, aber Connor lächelt Texthänger weg und dirigiert die Tontechnik mit Handzeichen. „Wir sind ja unter uns.“ Es mutet an wie ein Mädelsabend mit einer Freundin.

Beim fast dreistündigen Programm mit zwölf Musikern, vier Tänzerinnen und zwei Tänzern auf der Bühne absolviert die energiegeladene Connor zahlreiche Kostümwechsel. Inszeniert sie sich zunächst als weiße Amazone im freizügigen Body, kommt sie später im Hip-Hop-Outfit oder in diverser schwarzer Leder-Optik. Dadurch entstehende längere Pausen schaden der Stimmung, aber sie hat ja ein „Auf und Ab wie im echten Leben“ angekündigt: aufstehen zu Rock, Hip-Hop, Dance, hinsetzen bei Pop-, Schlager- oder Jazz-Balladen. Hits hat sie zahlreiche, zwischendurch wird aber auch mal gecovert. Zwar ist das Motto des Abends „Alles wird gut“ und soll von den „Sorgen da draußen“ ablenken, am Ende positioniert sich Connor aber doch bewusst gegen Rechtsextremismus.

Die ausgefeilten, häufig betont sexy anmutenden Tanz-Choreographien passen selten so gut wie bei „Vincent“, wenn die Tänzer Regenbogenfahnen-schwenkend mit Inlineskates über die Bühne rollern. Manchmal erinnert es eher an Zirkus mit akrobatischer Poledance-Einlage einer Tänzerin oder dem „Zaubertrick“, wenn Connor in einem Loch auf der Bühne verschwindet.

Zu der neuen Produktion gehören außerdem mehr als 530 Quadratmeter LED-Flächen, verteilt auf sechs bewegliche Leinwände und den Bühnenboden, die fast durchgehend bespielt werden. Etwas weniger hätte auf jeden Fall auch gereicht. Denn mit ihrer Stimme besitzt Sarah Connor eigentlich alles, was es braucht. Und so sind es die Balladen, in denen die deutsche Soul-Queen ihr Potenzial ausschöpft. Beim Song über ihre Ehekrise „Zusammen ist man weniger kaputt“ kämpft sie selbst mit den Tränen oder sorgt für einen besonderen Gänsehaut-Moment bei „Ich wünsch dir“ (für alle Kinder) mit Saxofonist Jakob Manz.