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Kommentar

Kölner Haushaltskrise
Sinnfragen im Ratlos-Haus – Hier ist nicht mehr viel zu holen

2 min
Mann mit leeren Hosentaschen.

Leere Taschen, so gut wie nichts zu verteilen: Das ist das Schicksal der Kommunalpolitiker in Köln. (Symbolbild)

Was will man mit 25 Millionen in einer Millionenstadt noch groß gestalten? Unser satirischer Wochenrückblick.

Stellen Sie sich mal vor, alle Pflichtausgaben sind von Ihrem Netto-Jahreseinkommen abgezogen, also die Kosten für den Lebensunterhalt wie Miete, Auto, Strom, Gas, Wasser, Lebensmittel, Klamotten und Internet, und Ihnen stehen noch exakt 0,35 Prozent zur freien Verfügung. Da könnten Sie es aber mal so richtig krachen lassen.

Genauso ergeht es den Ratsmitgliedern der Stadt Köln seit Jahren. Da hocken sie nun, die traurigen Gestalten, in ihrem Gestaltungsspielraum, von dem keiner weiß, in welchem Eckchen des Ratlos-Hauses er sich befindet, schieben rund 25 Millionen hin und her, die ihnen von 7,15 Milliarden übriggeblieben sind.

Immer mit der guten Absicht, die schlimmsten Härten zu verhindern, und dem Wissen, dass es wenig Sinn macht, einen zehnmal aufgebrühten Teebeutel zusammen mit einer zigmal ausgequetschten Zitrone erneut im heißen Wasser zu versenken.

Vor der Tür des Gestaltungsspielraums steht die halbe Stadt mit ihren Erwartungen: die Karnevals- und Sportvereine, die Frauenhilfe, die freie Kulturszene, die Sozialeinrichtungen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Da könnte man als Ehrenamtler in der Kommunalpolitik schon mal auf die Idee kommen, die Sinnfrage zu stellen. Was will man mit 25 Millionen in einer Millionenstadt noch groß gestalten?

Ich für meinen Teil finde es bewundernswert, mit welcher Akribie und Entschlossenheit die Mitglieder der Fraktionen von Grünen, CDU und SPD im Stadtrat in ihrem 0,35 Quadratmeter kleinen Gestaltungsspielraum alles versuchen, um auch noch den letzten Euro aufzutreiben, den irgendjemand übersehen haben könnte.

Und sogar vorschlagen, das Ausweichquartier des Römisch-Germanischen Museums im Belgischen Haus am Neumarkt für drei Jahre zu schließen, um die Miete zu sparen. Weil erstens dort eh keiner hingeht und zweitens Römer und Germanen Ende 2030 endlich wieder in ihr frisch renoviertes Haus zurückkehren werden.

Grenzen des Gestaltungsspielraums

Auch wenn das eigentlich nichts zur Sache tut, aber im Kreis Mettmann hat ein 35-Jähriger in dieser Woche den Eurojackpot geknackt und 120 Millionen gewonnen.

Jetzt ist er Mettmann-Multimillionär und freut sich wahrscheinlich eurojeck auf sein Lottoleben. 120 Millionen! Das sind zwei Drittel des Haushalts der Stadt Mettmann mit ihren knapp 40.000 Einwohnern. Von denen schleppt jeder 4.400 Euro Schulden mit sich rum. Man könnte ja mal darüber nachdenken, ob solche Gewinnsummen nicht einfach nur verrückt sind und Mettmann-Millionäre am Ende nur mürbe machen.

Der Ärmste hat jetzt einen Gestaltungsspielraum, der ihn vermutlich an seine Grenzen, wenn nicht gar um den Verstand bringen dürfte.