Köln – „Mittlerweile folgen die antisemitischen Einschläge schneller aufeinander“, sagt Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Er verweist auf den Anschlag von Halle und Björn Höckes Äußerungen zum Holocaust-Mahnmal. Doch auch im Alltag und unter Schülern ist das Klima teils menschenverachtend geworden.
Das bestätigt Barbara Wachten, Direktorin des Dreikönigsgymnasiums. „Das gesellschaftliche Klima hat sich verändert. Die Angst ist größer geworden“, sagt sie. „Ich kenne jüdische Eltern, die ihre Religion bei der Anmeldung bewusst verschweigen, weil sie Probleme auf dem Schulhof befürchten.“
Schule als wichtiger Vermittlungsort
Um Antisemitismus entgegenzusteuern, sei Bildung der beste Weg, ist Wachten überzeugt. Sie freut sich deshalb über die Bildungsangebote, die aus einer Kooperation zwischen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und dem NS-Dokumentationszentrum (NS-Dok) entstanden sind. Seit Jahren schulen Experten Pädagogen darin, mit Schülern über Antisemitismus zu sprechen. Bereits 2009 brachten sie dazu auch das Handbuch „Bildungsarbeit gegen Antisemitismus“ heraus.
Seit Anfang des Jahres ist eine überarbeitete Neuauflage auf dem Markt.„In diese Ausgabe sind viele praktische Erfahrungen aus unseren Workshops mit eingeflossen“, erläutert Mit-Herausgeber Sebastian Werner. Seine Workshops sind gut nachgefragt. Erst am Wochenende waren rund 30 Teilnehmer bei einem Workshop dabei, um fit im Thema zu werden.
Anregungen zu Rollenspielen und Filmtipps
„Im Curriculum ist das Unterrichten über Antisemitismus nicht vorgeschrieben“, erläutert Wilhelm. Dementsprechend wenig Materialien gebe es zur Vermittlung des Themas. Das Handbuch, in dem neben Hintergründen viele praktische Unterrichts- und Vermittlungsvorschläge sind, soll diese Lücke schließen. „Schule ist ein wichtiger Vermittlungsort. Lehrer vermitteln aber nur Themen, bei denen sie sich sicher fühlen“, sagt Wilhelm. Die Hoffnung der Herausgeber: Mithilfe des Buches sollen sich mehr Lehrer sicher genug fühlen, das Thema Antisemitismus zu besprechen.
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Judenfeindlichkeit ist nicht nur Teil der deutschen Geschichte, sondern auch der deutschen Gegenwart. Das erfahren Schüler unter anderem, wenn sie die „Antisemitismus-Skala“, die im Buch aufgeführt ist, auf ihr Wissen und ihre Erfahrungen anwenden. Zudem gibt es Anregungen zu Rollenspielen oder Filmtipps. Der Leitfaden eignet sich nicht nur für den Schulunterricht, sondern kann auch in der außerschulischen Bildung genutzt werden.
Das Buch Bildungsarbeit gegen Antisemitismus – Grundlagen, Methoden und Übungen, Wochenschau-Verlag, 222 Seiten, 24,90 Euro ist erhältlich im Buchhandel. Es ist auch als preisgünstigeres E-Book zu haben.



