Die Reise des Oberbürgermeisters in die Ukraine war aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt worden.
Geheime MissionKölner OB Torsten Burmester besucht Partnerstadt Dnipro in der Ukraine

Bürgermeister Borys Filatov (linke Reihe, Mitte) und sein Kölner Amtskollege Torsten Burmester (r.) beim Gespräch in Dnipro.
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Drei Tage in der Ukraine, eine Nacht gar in Kölns Partnerstadt Dnipro, zwar im Zentrum des Landes gelegen, aber dennoch von der Front nur rund 100 Kilometer entfernt: Man merkt Oberbürgermeister Torsten Burmester an, dass ihn die Reise mitgenommen hat. Am Sonntagmorgen ist er, bereits auf der Rückreise nach Köln, in Rzeszow im Südosten Polens angekommen und spricht über seinen Besuch in einem Land im Ausnahmezustand.
Köln: Burmester will Zeichen der Solidarität setzen
„Ich bin nach Dnipro gereist, um ein starkes Zeichen der Solidarität zu setzen und zu zeigen, dass Köln in diesen äußerst schweren Stunden an der Seite der Ukraine steht“, sagte Burmester. Er habe eine Stadt erlebt, die sich und die Sicherheit Europas äußerst resilient verteidige. „Das verdient unseren Respekt, unsere Solidarität und die Unterstützung der Stadt Köln.“
Zuvor hatte sich Burmester in Kiew mit Bürgermeister Vitali Klitschko getroffen. „Beide Bürgermeister, Klitschko in Kiew wie Borys Filatov in Dnipro, haben mir gesagt, sie hätten nicht damit gerechnet, dass ich tatsächlich komme. Sie hätten eher damit gerechnet, dass wir die Reise angesichts der Sicherheitssituation noch absagen.“ Die Ukraine war erst am vergangenen Pfingstwochenende von schwersten russischen Angriffen getroffen worden. Die Stadt Dnipro hat zahlreiche Städtepartnerschaften, die meisten davon wurden erst nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges begründet. „Bürgermeister Filatov hat mir gesagt, ich sei der erste internationale Gast, der aus einer der Partnerstädte nach Dnipro gereist ist. Sonst sei noch keiner da gewesen. Diese Anerkennung haben wir dann auch gespürt“, sagt der Kölner OB.

Spende aus Köln: Insgesamt 30 Rettungswagen gingen nach Dnipro.
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Neben der Solidarität ging es auch um die konkrete Unterstützung für die Menschen in Dnipro. Insgesamt gingen 30 Rettungswagen aus Kölner Beständen in die Partnerstadt, die letzten elf davon trafen am Wochenende in Dnipro ein, die Überführung hatte die Ukraine-Hilfe Blau-Gelbes Kreuz durchgeführt. Zudem hatte die Stadt medizinische Geräte und Stromgeneratoren gespendet. „Die Menschen in Dnipro danken den Menschen in Köln für ihre Freundschaft in diesem schwierigen Kampf für Freiheit, Souveränität und Demokratie“, sagte Bürgermeister Filatov.
Kölner OB besucht Spezial-Krankenhaus
Außerdem besuchte das Kölner Stadtoberhaupt ein Krankenhaus, das sich wegen der Nähe zur Front auf Handchirurgie spezialisiert hat. „Da kommen also Soldaten hin, denen die Hände oder die Füße teilweise weggeschossen oder durch Minen weggesprengt worden sind“, schilderte Burmester. „Dort wird dann versucht, Hände oder Füße wieder anzunähen, was manchmal gelingt. Und sonst wird amputiert. Das waren ganz schwere Schicksale dort.“ Eine Ärztin habe ihn dort noch einmal inständig gebeten, nicht nachzulassen in der Unterstützung, die Ukraine nicht zu vergessen, nicht zuzulassen, dass sich Russland die Ukraine zur Beute mache. „Die Ukrainer kämpfen wirklich verzweifelt um ihre Unabhängigkeit“, sagte Burmester. „Das Perverse ist ja, dass dieser Krieg nicht nur militärisch geführt wird, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung. Und das merkst du jeden Tag, jede Stunde, jede Minute.“

Der Krieg ist überall präsent.
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Begleitet wurde der Oberbürgermeister von Dirk Wasmuth, dem Hauptgeschäftsführer des Kölner Arbeitgeberverbands der Metall- und Elektroindustrie. Gemeinsam besuchten Burmester und Wasmuth in Dnipro das Unternehmen „Interpipe“, das sich auf Stahlrohre spezialisiert hat. Dnipro gilt als eines der industriellen Zentren der Ukraine. Besonders die Schwerindustrie ist hier stark vertreten.
Die Reise fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt und war vorab nicht öffentlich angekündigt worden. Von Kiew nach Dnipro war Burmester von Sicherheitsbeamten begleitet worden. „Aber nachts ist man dann trotzdem auf sich alleine gestellt und muss dann selbst entscheiden, ob man in den Bunker geht oder nicht.“ In den Nächten in Kiew wie in Dnipro habe er mehrfach Schutzräume aufsuchen müssen, sagte der OB.
Die Stimmung sei insgesamt sehr bedrückend. „Die Menschen sind eben ständig in Gefahr.“ In den Gesprächen gehe es immer wieder um Marschflugkörper, um ballistische Raketen, um Drohnenangriffe. „Das sind die zentralen Themen, die das Leben der Menschen bestimmen.“ Die Ukrainer hätten einen starken Willen, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und sich gegen die Angriffe zu wehren, so der Kölner Oberbürgermeister. „Man merkt natürlich, dass sie das sehr ermüdet. Aber der Wille lässt da nicht nach.“
