Kölner RheinschifffahrtWie die KD neue Zielgruppen erreichen will

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KD-Chefin Nina Luig

KD-Chefin Nina Luig

Weg von Kartoffelsalat und Würstchen: Unter anderem mit einem Hotelschiff sollen neue Zielgruppen erreicht werden. Nina Luig steht seit Juni der Kölner KD-Flotte vor und spricht über die Pläne.

„Nein, die KD war nie mein Plan“, sagt Nina Luig. Und dennoch scheint es Fügung zu sein, dass sie seit Juni vergangenen Jahres Geschäftsführerin der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH (KD) ist. Denn über einen langen Zeitraum ihres Berufslebens hatte sie dieses Unternehmen im Blick – auch wenn ihr das vielleicht nicht immer so bewusst war. Nach dem Abitur fing die Laufbahn der gebürtigen Kölnerin nämlich im Hyatt an. Acht Jahre war sie in dem Fünf-Sterne-Hotel im Rechtsrheinischen tätig. Dort legte sie die Basis für ihre Karriere bis hin zur stellvertretenden Hoteldirektorin. Von dort konnte sie jeden Tag hinüberschauen auf die KD-Flotte und die vielen Passagiere, die an Bord gingen. Bis sie – nach unter anderem zwölf Jahre im Hyatt in Düsseldorf, ebenfalls am Rhein – schließlich selbst „an Bord“ ging. Und dann gleich ans Ruder. Es liegt nun also an Nina Luig, den Kurs des Unternehmens zu setzen.

Wo geht sie hin, die Reise? „Kartoffelsalat und Würstchen wollen wir hinter uns lassen“, sagt sie kurz und knackig. Einige Neuerungen hat sie schon angestoßen. Das Logo der KD hat sich verändert. Im April stößt ein neues Hotelschiff zur Flotte, das eine neue Zielgruppe anpeilt. Also alles über Bord, was vermeintlich alt ist? So nun auch wieder nicht. Beispielsweise das Tickethäuschen an der Rheinpromenade, welches die Stadt hat schon abreißen lassen, daran möchte Nina Luig unbedingt festhalten.

Wir waren wird dort mehr als nur eine Verkaufsstelle, wir waren ein Anlaufpunkt für Touristen und Spaziergänger.
Nina Luig, KD-Geschäftsführerin

Wie die neue Geschäftsführerin bei der „Transformation“ der KD vorgeht, das lässt sich gut an dem neuen Logo ablesen. Es wurde nicht mit der Axt bearbeitet, es hat einen Feinschliff bekommen. Mag der Schornstein, zu dem sich das „K“ verlängerte, einst für Dynamik gestanden haben, heute läuft es dem allgeneinen Wunsch nach Nachhaltigkeit zuwider. Der Blaue Strich ziert nun das untere Bein des „K“, als klarer erkennbares Symbol für den Rhein, die „Geschäftsbasis“.

KD-Chefin Nina Luig

KD-Chefin Nina Luig

Das Alte nicht Zerschlagen und das Neue unbedingt wagen, so ließe sich das Konzept von Nina Luig zusammenfassen. Um dem Trend guter Küche nicht zu verpassen, lud die KD einst Spitzenköche auf ihre Schiffe ein. Luig hat einen neuen Ansatz gewählt. „Wir haben doch selber sehr gute Köche, selbst ausgebildet“, sagt sie. Die bekommen nun alles an die Hand, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Kombüsen der Flotte werden mit allem versehen, was dafür notwendig ist.

Genaugenommen ist auch das neue Vier-Sterne-Hotelschiff, das zum Saisonstart „in See stechen“ wird, ein anknüpfen an KD-Geschichte. Klassische Hotelschiffe gehörten früher schon einmal zur Flotte. Die „KD-Moment“ wird an dem Geschäftszweig der Rhein-Reise von einst wieder anknüpfen, aber mit neuem Konzept. Nina Luig will nicht dem Trend der Flusskreuzfahrten hinterherschippern. Der Markt sei schon gut abgedeckt. Mit der „KD-Moment“ will sie die Klientel der Städte-Reisenden in den Blick nehmen. Für eine verlängertes Wochenende nach Rotterdam beispielsweise, gespickt mit besonderen Momenten. „Wir sehen da ein großes Potenzial“, sagt die Geschäftsführerin.   „Das Schiff stammt aus der Unternehmensgruppe und befindet sich noch auf der Werft. Wir chartern es dann für drei Jahre“, so Luig. Eine verlängerte Testfahrt sozusagen für das Unternehmen.

Die beiden anderen Standbeine, die der KD schon seit vielen Jahren Halt geben, werden auch nicht weggeschlagen. Da sind die Event- und Partyschiffe, zudem die Traditionsschiffe mit ihren Rund- und Linienfahrten. Und gerade für die Rund- und Linienfahrten ist Luig eine alte Tradition sehr wichtig: das besagte Tickethäuschen. Einst stand es auf der Rheinuferpromenade, die gerade umfangreich saniert wird. Das Häuschen wurde abgerissen und soll nach dem Willen der Stadtverwaltung dort auch nicht mehr hinkommen – zu Aufwertung des Altstadtpanoramas.

Beratung wird immer noch gebraucht

Luig hat dafür durchaus Verständnis: „Ich verstehe den Ansatz der Stadt. Und sicherlich ist es auch so, dass Buchungen beispielsweise für die KD-Moment, die seit vergangenem Dezember möglich sind, vor allem über das Internet erfolgen. Aber es braucht immer noch die Beratung. Außerdem waren wird dort mehr als nur eine Verkaufsstelle, wir waren ein Anlaufpunkt für Touristen und Spaziergänger.“

Darum gebe es bei dem Tradiotionsunternhmen sehr wohl Überlegungen, wieder ein Tickethaus an der Rheinpromenade aufzubauen. „Es soll ein repräsentatives Gebäude werden und wir sind auch nicht genau auf den alten Standort festgelegt.“ Seit vergangenem Sommer sei sie dazu in „guten Gesprächen“ mit der Stadt. „Ich erhoffe mir einem positiven und zeitnahen Ausgang. Wir haben nämlich durchaus Einbußen durch den Wegfall des Tickethäuschens, denn es gibt Kunden, die wollen nun einmal ihr Ticket direkt vor Ort kaufen.“

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