„Die Stadt erweckt den Anschein, man könne die ärgerlichen Schlagzeilen beiseite wischen und in eine strahlende Zukunft aufbrechen“, findet Rundschau-Lokalchef Jens Meifert

Frustzaun am Offenbachplatz„Jede Schlagzeile über das Sanierungsdesaster ist zutreffend“

„Totalversagen“: Schlagzeilen zum Baudebakel finden sich am Zaun vor dem Offenbachplatz.
Copyright: Jens Meifert
Wenn gar nichts mehr geht, muss eine künstlerische Intervention her. Auf diese Weise hat die Stadt einst die stehenden Rolltreppen am Ebertplatz zu Kunstwerken verwandelt und dem Angstraum drumherum ebenfalls mit künstlerischen Botschaften ein Schleifchen umgebunden. Die Probleme hat das nicht überdecken können. Die dunklen Zugänge zum Ebertplatz werden in diesen Tagen abgesperrt.
Am Offenbachplatz sind die Probleme andere. Das Sanierungsdesaster hat einen Milliardenschaden verursacht. Mit dem „ersten Akt“ der Kampagne zur Wiedereröffnung hat die Stadt nun einen „Frustzaun“ errichten lassen. Auf dem stehen die Überschriften-Fragmente, die das bauliche Debakel der letzten Jahre beschreiben. Das liest sich wie eine satirische Zuspitzung, dabei ist jede Schlagzeile zutreffend. Und damit beginnen die Probleme dieses Projekts. Künstler aus den Stadtbezirken sollen die Negativ-Schlagzeilen übermalen. Aktion Schwamm drüber? Bitte nicht! Die Stadt erweckt den Anschein, man könne die ärgerlichen Schlagzeilen beiseite wischen und in eine strahlende Zukunft aufbrechen. Bis heute vermisst man eine kritische Aufarbeitung des Baudesasters. Warum ist in den letzten Monaten dem neuen Betriebsleiter offenbar gelungen, was jahrelang unmöglich schien, nämlich die Arbeiten zu straffen und zügig durchzuorganisieren?
„Die herausfordernde Geschichte der Sanierung am Offenbachplatz werde nicht ausgeblendet“, schreibt die Stadt , „sondern kritisch reflektiert.“ Schön wär's. An diesem Vorhaben gibt es nun wirklich nichts schön zu malen. Auf den ersten Akt der Eröffnungskampagne hätte die Stadt besser verzichtet.

