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„Skandal, Trauerspiel, Desaster“Das steckt hinter dem „Frustzaun“ am Offenbachplatz

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„Totalversagen“: Schlagzeilen zum Baudebakel finden sich am Zaun vor dem Offenbachplatz.

„Totalversagen“: Schlagzeilen zum Baudebakel finden sich am Zaun vor dem Offenbachplatz.

Verwaltung will Sanierungsdebakel der Bühnen mit Kunstaktion zum Kampagnenstart hinter sich lassen.

Skandal, Trauerspiel, Desaster oder Totalversagen: Alles Begriffe und Schlagwörter, die in den vergangenen 14 Jahren die Berichterstattung zur Sanierung der Kölner Bühnen geprägt haben. Und die nun auf dem gesamten Bauzaun am Offenbachplatz abgedruckt sind wie ein Pranger. Der 90 Meter lange „Frustzaun“ ist aber nicht als Schandmal gedacht, sondern als Kunstaktion. Und damit auch als Auftakt der Kampagne, die das Image der Bühnen, im Volksmund gern auf die Oper reduziert, bis zur geplanten Eröffnung im September wieder aufpolieren soll.

Negative Schlagzeilen einfach übermalen

Mehrfach haben Redakteure dieser Zeitung die Verantwortlichen gefragt, wie sie es schaffen wollen, dass die Kölnerinnen und Kölner diese Oper nach 14 Jahren Sanierung und einer Kostenexplosion auf fast 1,5 Milliarden Euro Gesamtkosten – zum Großteil aus Steuergeldern bezahlt – wieder als Kulturort und Anlaufpunkt zu akzeptieren. Die Antworten wirkten meist theoretisch. Nun gibt die Aktion die Antwort: Transformation.

Der Frustzaun wird am Mittwoch, 11. März, von zehn Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichen Stadtbezirken live gestaltet. Die Stadt lädt in diesem Rahmen zu einer Pressekonferenz ein mit der Ankündigung: „In einer öffentlich sichtbaren Aktion werden die negativen Schlagzeilen übermalt und künstlerisch transformiert.“ Ob die Extraschicht Kunst und Kultur das Trauma dieser Baustelle überdecken kann, wird wohl erst der weitere Verlauf der Kampagne zeigen.

Die Verwaltung erklärt: „Der Frustzaun markiert den ersten Akt der Kommunikationskampagne zur Wiedereröffnung der Bühnen Köln im September 2026. Die Kampagne ist in vier Akte gegliedert und steht unter dem Leitmotiv ,Deine Bühne, Köln'. Die Kampagne begleitet den Prozess der Wiedereröffnung kommunikativ und emotional. Ziel der Kampagne ist es, den Offenbachplatz und die Bühnengebäude wieder als lebendigen Ort für Kunst, Austausch und städtische Identität zu positionieren.“

Die Kampagne hatte noch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) als eine ihrer letzten Amtshandlungen mit Kulturdezernent Stefan Charles (CDU) vorgestellt. Das Logo: Ein Grundriss des Bühnen-Geländes am Offenbachplatz. Und für genau dieses Gelände hofft die Stadt auf eine „Neudeutung des Ortes als kulturelles Zentrum und urbaner Treffpunkt“.

Eröffnung im September geplant

Aktuell ist der Monatsbericht für Januar in Bearbeitung und soll in den nächsten Tagen begleitet von einer Pressemitteilung veröffentlicht werden. Der letzte Stand von Ende Dezember gibt an, dass alle vier Häuser am Offenbachplatz baulich fertiggestellt sind.

Wie die Rundschau berichtete, bedeutet das jedoch nicht, dass die Bühnen keine Baustelle mehr sind. Parallel zu den Tischlerarbeiten und zur Erstellung von Kantine und mehr laufen derzeit die Inbetriebnahmen für die Technik. Ab dem 2. Quartal, also April, sollen die Abnahmen dieser technischen Anlagen und ihres Zusammenspiels erfolgen. Zuletzt betonte das Team mehrfach, dass es keine weiteren Kostensteigerungen oder Zeitverzögerungen gegeben habe. Wenn die Eröffnung im September gelingt, wird die Sanierung der 2012 geschlossenen Oper 14 Jahre gedauert haben.

Allein die Baukosten belaufen sich mittlerweile auf 798,6 Millionen Euro. Hinzu kommen Finanzierungskosten und Kosten für die Interimsstätten, beispielsweise im Staatenhaus am Tanzbrunnen. So stehen rund 1,45 Milliarden Euro unter dem Strich.

Ursprünglich waren drei Jahre geplant gewesen bei Sanierungskosten von 253 Millionen Euro. Die Bühnen-Baustelle hat der Stadt Köln bundesweit Negativ-Schlagzeilen beschert. Ähnlich wie der Berliner Großflughafen, der erst Jahre nach der geplanten Eröffnung in Betrieb gehen konnte, stand die Sanierung symbolisch für ein Planungsversagen. Die im Herbst aus dem Amt geschiedene OB Reker hatte die Wiedereröffnung für den Herbst 2026 angekündigt.