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KommunalwahlBerivan Aymaz will erste grüne Oberbürgermeisterin von Köln werden

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Berivan Aymaz, OB-Kandidatin der Grünen, verteilt auf der Deutzer Freiheit Wahlkampf-Flyer.

Berivan Aymaz, OB-Kandidatin der Grünen, verteilt auf der Deutzer Freiheit Wahlkampf-Flyer.

In loser Folge stellen wir die Bewerber für das Oberbürgermeisteramt in Köln vor. Die Kandidatin der Grünen, Berivan Aymaz, haben wir auf einer Tour durch Deutz begleitet.

Schafskäsekreme, Teigtaschen, Bulgursalat – im Restaurant „Bona’me“ am Kennedyplatz in Deutz kann man authentische kurdisch-türkische Speisen genießen. Doch Berivan Aymaz (53), Kölnerin mit kurdischen Wurzeln und Vizepräsidentin des Landtags, ist nicht zum Essen gekommen. Im Rahmen ihrer Wahlkampftour durch die Veedel besucht sie mit weiteren Grünen-Politikern das Lokal, um mit Geschäftsführerin Yasemin Dogan über die Situation der Gastronomie in Köln zu reden.

Die beiden Frauen kennen sich von der Uni Köln, haben zusammen Politikwissenschaft studiert. Dogan erzählt, wie sich der Familienbetrieb von den Anfängen im Rheinauhafen zu einer Kette mit Filialen in ganz Deutschland entwickelt hat. „Köln ist multikulti, wir sind multikulti – sowohl beim Personal, als auch bei unseren Gästen. Jeder ist bei uns willkommen“, betont die Geschäftsfrau. Aymaz will wissen, wie sich der Fachkräftemangel in der Branche auswirkt. „Es ist unfassbar schwierig, gutes Personal zu finden. Seit Corona hat sich das fundamental geändert. Die Leute waren plötzlich weg“, berichtet Dogan.

Aymaz: Umgang mit Fachkräften aus dem Ausland optimieren

Zeitweise habe man sogar Fachkräfte aus der Türkei holen müssen, um den Bedarf zu decken. Dafür habe man viele Papiere ausfüllen müssen, darum habe sich eine Agentur gekümmert. In Frankfurt sei das   einfacher gewesen als in Köln, vielleicht sei man dort internationaler aufgestellt. Aymaz entgegnet, sie sei überzeugt, „dass Köln genauso international ist“. Es sei wichtig, die Abläufe im Umgang mit Fachkräften aus dem Ausland zu optimieren und die Kompetenzen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kölnbusiness in diesem Bereich zu stärken.

Es ist heiß an diesem Tag, Aymaz spricht das Thema Stadtgrün an: „Wünschen wir uns nicht mehr Bäume?“ 2000 neue Straßenbäume pro Jahr verspricht die OB-Kandidatin – für mehr Schatten und besseres Klima in der Stadt. Vor dem Bona’me steht eine Trauerweide in einem Pflanzgefäß, der Platz ringsum ist komplett versiegelt. Klar wären mehr Bäume gut, sagt Dogan. Doch der Platz ist in Privatbesitz. Das müsse kein Hindernis sein, so Aymaz. Ihr sei es wichtig, mit privaten Akteuren im Gespräch zu bleiben, um die Stadt gemeinsam voranzubringen. Sie spreche auch gerne Punkte mit Konfliktpotenzial an.

Beim Thema Verpackungssteuer scheiden sich die Geister

Gesagt, getan, Aymaz kommt auf die von den Grünen forcierte Verpackungssteuer zu sprechen. Dogan ist nicht begeistert. „Wir wehren uns dagegen.“ Man kämpfe schon mit genug Problemen. Aymaz stellt klar, eine solche Steuer solle der Sauberkeit in der Stadt dienen. Bevor sie eingeführt werde, müsse man frühzeitig mit Experten und Betroffenen ins Gespräch gehen, um gute Lösungen zu finden.

Szenenwechsel: Auf dem Weg zum Rheinboulevard spricht Aymaz mit ihren Parteifreunden Julie Cazier, Lisa-Marie Friede und Lino Hammer   über Konsequenzen aus den tödlichen Badeunfällen im Rhein. Sie fordere nicht nur ein Badeverbot, sondern auch mehrsprachige Informationen und zusätzliche Warnschilder, weil viele Menschen gar nicht wüssten, wie lebensgefährlich der Rhein ist, betont die OB-Kandidatin. In Köln müsse es mehr Schwimmunterricht und mehr sichere Schwimmangebote geben.

Die Gruppe diskutiert über die Gestaltung des Rheinboulevards, die Finanzierung öffentlicher Toiletten und andere heiße Eisen. Wahlkampf sei für sie nicht nur das Werben um Stimmen, sondern   auch „die beste Zeit, um mich für das neue Amt vorzubereiten“, sagt Aymaz selbstbewusst. Vor Ort lasse sie sich von Betroffenen die Themen darstellen und stelle kritische Fragen. „Jede politische Entscheidung ist erst dann eine gute politische Entscheidung, wenn sie auch gut kommunizierbar ist. Sie muss Menschen erreichen. Und auch die beste politische Entscheidung funktioniert nicht, wenn sie Menschen nicht erreicht“, unterstreicht die Kandidatin.

Aymaz will „Prestigeprojekt“ Ost-West-Tunnel verhindern

Auf der Deutzer Freiheit macht sie selbst Straßenwahlkampf, spricht Passanten und Geschäftsleute an, verteilt Flyer. Sie sei gerne zu Fuß unterwegs, sagt Aymaz. „Ich bin geneigt, Sie zu wählen“, meint eine Frau. Eine andere lehnt den Flyer im Vorbeigehen dankend ab. Mehrfach sagt Aymaz: „Gehen Sie wählen. Wir können Geschichte schreiben.“ Sie trete an, um als erste Grüne Oberbürgermeisterin einer Millionenstadt zu werden. „Viel Erfolg!“, wünscht ein junges Pärchen.

Schnell ein Schluck Wasser aus einem Trinkbrunnen, dann geht es weiter zu einem Dialog mit Bürgern im Café Heimisch. Den Termin haben die Grünen per Social Media angekündigt, einige setzen sich spontan dazu. Auch hier geht es um öffentliche Toiletten, um Sauberkeit generell, um bezahlbaren Wohnraum, um Obdachlosigkeit und das Drogenelend am Neumarkt. Es brauche Schutzräume mit Ruhezonen für Menschen, die schwer abhängig sind, mit ärztlicher und sozialer Hilfe, betont Aymaz. Dafür müsse die Stadt Geld in die Hand nehmen. Wenn nichts passiere, würden Menschen das Vertrauen in die Politik verlieren. Doch sie erinnert auch an die desolate Haushaltslage.

„Ein Prestigeprojekt darf es in solchen Zeiten nicht geben“, sagt sie mit Blick auf den geplanten Ost-West-Tunnel. Den ÖPNV will sie mit dichterem Takt und neuen Querverbindungen im Busnetz ausbauen. Am Ende klopfen die Teilnehmer anerkennend auf die Tische. Aymaz appelliert auch an sie, zur Wahl zu gehen. „Für uns geht es um viel.“