Köln – „Alle sind so nett“, sagt Natascha S.. Die 42-jährige Ukrainerin wohnt seit dem 16. März in einer Gästewohnung in der Seniorenanlage Residenz am Dom. Insgesamt vier seiner Gästewohnungen stellt Residenz-Direktor Peter Neuß unentgeltlich für Geflüchtete aus dem Kriegsgebiet zur Verfügung. Eine Unterstützung, die im Haus, in dem rund 330 Senioren leben, eine ungewöhnliche Resonanz hat. Spontan haben sich viele Bewohnerinnen und Bewohner zusammengetan, um die Bedürftigen zu unterstützen.
„Es fing eigentlich mit einer Begegnung im Aufzug an“, erinnert sich Bewohnerin Anita Schäfer. Dort traf sie auf Dima, den 16-jährigen Sohn von Natascha. „Er gefiel mir sehr gut. Ich wusste sofort, der kriegt was von mir. Also habe ich Frau Schneebach gefragt, was ich für ihn tun könnte.“
Eine Menge Geld gesammelt
Ina Schneebach ist seit zwölf Jahren in der Residenz für Veranstaltungen zuständig. Sie ist in der Ukraine geboren und mit acht Jahren nach Deutschland gekommen. Durch ihre Vermittlung und Initiative kommen Geflüchtete aus der Ukraine in der Residenz unter.
Als Anita Schäfer erfuhr, dass nicht nur Dima, sondern auch sein jüngerer Bruder Iwan (6) und zwei weitere Kinder mit ihr unter einem Dach lebten, war für sie klar, dass sie allen helfen wollte. „Ich habe alle, die ich kannte, angesprochen“, erzählt die 81-Jährige. Schnell kam eine Menge Geld zusammen. „Ein Herr brachte sogar ganz viele Kuscheltiere von seinen Enkeln“, erzählt Irmgard Stelkens.
Mit dem Hausbus zum Großeinkauf
Mit dem Hausbus fuhren einige Frauen in einen Schnäppchenmarkt und kauften tüchtig ein: Schulsachen, Strümpfe und Socken, Spielsachen. „Außerdem haben wir Umschläge mit Geld fertig gemacht“, sagt Anita Schäfer.Die Dankbarkeit und Freude bei den Ukrainern rührt die Seniorinnen und Senioren. „Das war so persönlich. Das war schön“, sagt Irmgard Stelkens.
Es sei ein gutes Gefühl, etwas tun zu können. Inzwischen haben sie und ihre Mitstreiter auch Päckchen ins Lindner Hotel nebenan gebracht. Auch dort sind Geflüchtete aus der Ukraine. Als Dimas Rad geklaut wurde, organisierte Anita Schläfer flugs ein neues. Im Gegenzug gibt es für die „Leih-Omis“ Torten von den ukrainischen Frauen.
Residenz-Direktor freut sich über Initiative
Residenz-Direktor Neuß freut sich enorm über die Initiative der Bewohner. „Zuerst hatte ich Bedenken. Schließlich ist das hier das Zuhause der Senioren, in dem jetzt die Geflüchteten mittendrin wohnen“, sagt er. Doch das stört keinen. „Wenn man weiß, wohin das geht, was man spendet, ist das besonders schön“, sagt eine Frau. Sie hat ihr Bett einer Ukrainerin, die in zwischen eine eigene Wohnung gefunden hat, überlassen. Aber auch wenn die Menschen nicht unter einem Dach mit ihnen leben, spenden die Bewohner.
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Allein durch Residenz-Mitarbeiterin Schneebach konnten schon weit über 10000 Euro Spendengelder an Organisationen übergeben haben. „Hinzu kommen eine Menge größerer Einzelspenden, die direkt an Organisationen gegangen sind“, sagt Neuß.
Viele Erinnerungen werden bei den Bewohnern wach
Ein Zimmer in der Residenz wird nur als Sammelstelle für Sachspenden aus dem Haus genutzt. „Seitdem der Krieg ausgebrochen ist, habe ich keine Minute Freizeit mehr“, sagt Schneebach. Ständig übersetzt und organisiert sie. Die ukrainischen Familien in der Residenz sprechen weder Englisch noch Deutsch. „Auch wenn sie eine Wohnung finden, muss noch viel organisiert werden“, sagt Schneebach.
Der Vater von Dima und Iwan ist in der Ukraine geblieben. „Hoffentlich sehen sie ihren Vater noch mal wieder“, sagt Anita Schäfer nachdenklich.
Es legt sich ein Schweigen über die Gruppe der Unterstützer. Sie alle haben eigene Kriegserinnerungen. „Die kamen direkt wieder hoch“, sagt eine Seniorin. Ihren Namen will sie wie viele andere aus der Gruppe nicht genannt wissen. „Hier geht es doch nicht um uns, sondern um die Sache.“


