Jugendchor St. StephanKölner Institution seit 40 Jahren

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Jubiläumskonzert in der Philharmonie: Der Kölner Jugendchor St. Stephan.

Jubiläumskonzert in der Philharmonie: Der Kölner Jugendchor St. Stephan.

Der Jugendchor St. Stephan feierte 40-jähriges Bestehen in der Philharmonie.

Für den Jugendchor St. Stephan brachte US-Präsident Bill Clinton beim G8-Gipfel seinen Terminkalender durcheinander. Weil Fußball-Idol Lukas Podolski das Video „Kölsche Jung“ teilte, ging die Aufnahme im Hamburger Elbtunnel viral. Seit Bläck-Fööss-Sänger Kafi Biermann 1997 das Talent des Jugendchores für kölsche Lieder entdeckte, ist das musikalische Schmölzje ein junger Botschafter der Domstadt.

Jetzt hat der Jugendchor St. Stephan in der Philharmonie das Jubiläum „4 x 10 Jahre“ gefeiert. Unter diesem Titel, denn die Halbwertzeit für das durchschnittliche Bestehen eines Jugendchores ist schon um das Vierfache getoppt. „Der Chor hat sich heute besonders fein gemacht für eine musikalische Zeitreise“, begrüßte Gründungsleiter Michael Kokott das Publikum im ausverkauften Haus.

Gratulation von allen Seiten

Ehemalige, Unterstützer und Sponsoren fanden sich ein, um zu gratulieren. Kafi Biermann, Henning Krautmacher, Bürgermeister Ralf Heinen und Christoph Watrin, der vom Nachwuchschor „Lucky Kids“ den Sprung in die Boyband US5 schaffte, formierten sich zum Quartett für das Ständchen „Du gehörst zu Kölle“. Sylvie, Original-Sängerin des Gospelsongs „Oh happy day“, das Clinton vor 25 Jahren im Rathaus vom Hocker gerissen hatte, beschwor die Begeisterung von damals herauf.

Lang ist die Liste der über Köln hinausstrahlenden Erfolge. Als Unheilig-Frontmann „Der Graf“ die Kokott-Chöre für den Backgroundgesang in „Geboren um zu leben“ engagierte, wurde ein Hit geboren. Der Lohn: drei goldene und vier Platin-Schallplatten. Im Internet wird bis heute am meisten die Klassik-Rock-Version von Beethovens „Ode an die Freude“ angeklickt.

Wurzeln in der Lindenthaler Gemeinde

Die Wurzeln liegen in der Lindenthaler Gemeinde St. Stephan. Dennoch scheut sich der Jugendchor keineswegs, der katholischen Kirche auf die Füße zu treten, wenn Missstände nerven. Zeigten die jungen Sängerinnen und Sänger schon Haltung im Song „Bodenpersonal“, so wieder mit einer Premiere im Jubiläumskonzert. „Regenbogen GbR“ besingt die Gründung einer musikalischen Gesellschaft bürgerlichen Rechts für eine kunterbunte Welt. Für das eindrucksvolle Solo heimste der soeben den „Lucky Kids“ entwachsene Paul tosenden Applaus ein.

Eine Anekdote aus den 90er-Jahren, in denen der Chor noch hauptsächlich bei kirchlichen Veranstaltungen auftrat, amüsierte das Publikum besonders. Damals musste sich der Chorleiter für eine Diakon-Weihe in Bonn vorab die Liederliste absegnen lassen. Nun stand auf dem Zettel aber „Hail Holy Queen“ aus der himmlischen Film-Komödie „Sister Act“. Sicherheitshalber änderte Kokott den Titel in „Salve Regina“ – der Gruß an die Gottesmutter kommt tatsächlich im Songtext vor. Und der Bischof war begeistert, dass ein Jugendchor „so fromme“ Lieder singen wolle.

Gefühlvolle Momente mit dem „Stammbaum“

Allerdings offenbar nicht so wie sein mitklatschender Amtskollege in dem Kinokassenschlager: Kokott hat nie wieder von ihm gehört. In dem zweieinhalbstündigen Jubiläumskonzert erhob sich das Publikum immer wieder für Ovationen im Stehen, sei es für ein kölsches Medley, mitreißende geistliche Lieder oder internationale Pop-Hits von Michael Jackson bis Whitney Houston. Den gefühlvollsten Moment aber schenkten Kafi Biermann und Jugendchor-Solistin Alina mit der Duett-Version von „Unsere Stammbaum“.

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