Gerade weil diese Achse breit genug ist, verdient der Vorschlag einer Umwandlung der Busspur eine nüchterne Prüfung, sagt unser Autor.

Verkehr in KölnEin Radfahrstreifen auf der Aachener Straße ist kein Angriff auf das Auto

Die Expressbuslinien auf der Aachener Straße werden weitgehend eingestellt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Zu oft hat das Mobilitätsdezernat der Stadt Köln in den vergangenen Jahren augenscheinlich Radverkehrsprojekte benutzt, um den Autoverkehr zu verdrängen. Das führt dazu, dass bereits die reine Überlegung, die Expressbusspur auf der Aachener Straße in einen Radfahrstreifen umzuwandeln, in Teilen der Politik zu einem Abwehrreflex führt.
Beharren auf Extrempositionen
An diesem Beispiel zeigt sich das Dilemma einer Verkehrspolitik, die auf beiden Seiten viel zu oft von Ideologie getrieben ist. Während die einen das Auto aus Prinzip ablehnen, verdammen die anderen das Fahrrad. Mit einer sachlichen Debatte hat das nichts mehr zu tun – jeder beharrt auf seiner jeweiligen Extremposition, ohne darüber nachzudenken, was die beste Lösung sein könnte.
Nicht jedes Radverkehrsprojekt richtet sich zwangsläufig gegen den Autoverkehr. Es gibt wohl keine andere Hauptverkehrsachse in Köln, die sich so gut für einen breiten Radfahrstreifen eignet wie die Aachener Straße. Selbst dann würden fast überall weiterhin zwei Fahrspuren für den Autoverkehr zur Verfügung stehen – anders als auf der viel engeren Luxemburger Straße. Abgesehen davon existieren die Busspuren bereits seit rund sieben Jahren, ohne dass die Aachener Straße – wie einst befürchtet – im Stau versunken wäre. Ob dort ein Bus unterwegs ist oder Radfahrer, macht keinen Unterschied.
Für Radfahrer und Fußgänger würde ein Radfahrstreifen auf der Aachener Straße hingegen zahlreiche Vorteile mit sich bringen. Insbesondere in Braunsfeld käme es nicht länger zu heiklen Situationen. Zwischen Radfahrern und Fußgängern gibt es dort bislang auf dem Bürgersteig ständig Konflikte, weil sie sich den viel zu engen Raum teilen müssen. Ein Radfahrstreifen auf der Straße würde dieses Problem endlich beheben. Überdies handelt es sich um die wichtigste Verbindung vom Kölner Westen in die Innenstadt – diese Route würden sehr viele nutzen.
Das Argument, dass ein Radfahrstreifen dem Einzelhandel schaden würde, ist nicht nachvollziehbar. Es gibt kaum ein Geschäft, das ausschließlich von Autofahrern besucht wird – auch Radfahrer sind Kunden. Das Beispiel der Ringe zeigt eindrucksvoll, wie gut ein breiter Radfahrstreifen funktionieren kann. Nicht umsonst hat die Stadt Köln dafür sehr viele Auszeichnungen erhalten. Der Vorschlag von Grünen und SPD verdient deshalb eine nüchterne Prüfung.
