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Aachener StraßeAus für Expressbusse entfacht im Rathaus Streit um Radspuren

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Die Spur für die Expressbusse auf der Aachener Straße

Die Spur für die Expressbusse auf der Aachener Straße

Grüne und SPD wollen prüfen lassen, wie die frei werdenden Busspuren künftig genutzt werden können. CDU und FDP/KSG laufen Sturm.

Im Rathaus zeichnet sich ein neuer verkehrspolitischer Streit um die Aachener Straße ab. Während Grüne, SPD, Linke und Volt die frei werdenden Busspuren stärker für Radverkehr und Lieferzonen nutzen wollen, warnen CDU und FDP/KSG vor Nachteilen für Autofahrer und Einzelhandel.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stellen die Expressbuslinien 172 und 173 zum 13. Dezember 2026 größtenteils ein. Damit verlieren auch die eigens eingerichteten Busspuren auf der Aachener Straße weitgehend ihre bisherige Funktion. Grüne und SPD wollen nun prüfen lassen, ob Teile davon künftig als Radfahrstreifen genutzt werden können.

Konkurrenz um den Raum

„Ziel des Prüfauftrags ist es, den durch den Entfall der Expressbusse gegebenenfalls freiwerdenden Straßenraum sinnvoll zu nutzen und dabei auch bereits bestehende Überlegungen der Verwaltung aufzugreifen“, heißt es in dem gemeinsamen Antrag, den Grünen-Fraktionschefin Christiane Martin und SPD-Fraktionsgeschäftsführer Pascal Pütz unterzeichnet haben.

Nach Ansicht von Grünen und SPD prallen auf der Aachener Straße viele Interessen aufeinander: Fußgänger, Radfahrer, Autos, Lieferverkehr, Stadtbahn, Einzelhandel und Anwohner konkurrieren um begrenzten Raum. Besonders in Braunsfeld komme es immer wieder zu Konflikten. Die Verwaltung soll deshalb prüfen, ob die frei werdenden Busspuren für Radfahrstreifen, breitere Gehbereiche, Lieferzonen oder Parkplätze genutzt werden können.

Das Mobilitätsdezernat soll klären, ob andere Buslinien die Spuren langfristig nutzen könnten. Geprüft werden soll außerdem, ob Lieferzonen und Parkplätze neu geordnet werden können und in welchen Abschnitten zwischen Gürtel und Militärring Radfahrstreifen sinnvoll wären. Die Verwaltung soll zudem untersuchen, ob die Fahrbahnmarkierungen für Autofahrer verständlicher gestaltet werden können. Seit Einführung der Expressbusspuren im Jahr 2019 verschwenkt die rechte Fahrspur mehrmals – sie macht also stellenweise einen Bogen zur Seite, sodass die Autofahrer nicht ungehindert geradeaus fahren können.

Unterstützung von ADAC und ADFC

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sehen den Prüfauftrag grundsätzlich positiv. „Zu prüfen, ob sich die Busspur auf der Aachener Straße in einen Radfahrstreifen umwandeln lässt, ist auf jeden Fall sinnvoll“, sagt Roman Suthold, Leiter des Bereichs Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein. Das müsse allerdings mit Augenmaß geschehen, und es dürfe nicht aus dem Blick geraten, dass die Aachener Straße zum Grundnetz für den Autoverkehr gehört. „Die bisherige Verschwenkung der Autospuren sollte bei dieser Gelegenheit auch noch einmal geprüft werden – das verwirrt vor allem ortsunkundige Autofahrer“, sagt Suthold.

„Wenn die Busspuren künftig nicht mehr für den öffentlichen Nahverkehr benötigt werden, sollte der gewonnene Straßenraum weiterhin dem Umweltverbund zugutekommen“, sagt Christoph Schmidt, Vorsitzender des ADFC Köln. Gerade im Braunsfelder Abschnitt der Aachener Straße entsprächen die alten, schmalen Hochborde nicht mehr den Anforderungen an eine sichere Radverkehrsinfrastruktur. „Die frei werdenden Busspuren bieten die Chance, die Situation für den Fuß- und Radverkehr deutlich zu verbessern und zugleich Konflikte auf den schmalen Hochbordwegen zu reduzieren“, sagt Schmidt.

Die Stadt Köln hatte die beiden Expressbuslinien 172 und 173 im Dezember 2019 ins Leben gerufen, um damals mögliche Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge zu verhindern, weil die Stickoxid-Belastung in Köln zu hoch war. Die Busse sollten dafür sorgen, dass mehr Menschen aus dem Kölner Westen ohne Auto in die Innenstadt gelangen. Da die Expressbusse auf der Aachener Straße parallel zur Stadtbahnlinie 1 fahren, waren sie allerdings von Beginn an nur schwach ausgelastet.

Im Zuge von Einsparungen werden die Expressbuslinien, die das Unternehmen Schilling Omnibusverkehr im Auftrag der KVB betreibt, im Dezember weitgehend eingestellt. Auf der Linie 172 werden lediglich montags bis freitags jeweils zwei Schülerfahrten hin und zurück zwischen Widdersdorf und Universitätsstraße erhalten bleiben. Diese Verbindungen waren auch in der Vergangenheit gut genutzt worden.

Politische Mehrheit zeichnet sich ab

Für den Antrag zeichnet sich im Mobilitätssausschuss des Stadtrats eine Mehrheit ab. Die Linke hat bereits ihre Zustimmung signalisiert, ebenso wie Volt. „Wir würden uns sogar ein deutlicheres Bekenntnis zu einer Umwandlung in eine Radspur wünschen als nur eine Prüfung“, sagt Angela Bankert, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke.

CDU und die FDP/KSG-Fraktion kritisieren den Antrag hingegen. „Wir lehnen diesen Vorstoß entschieden ab. Auf beiden Seiten der Aachener Straße sind ausreichend breite Fuß- und Radwege vorhanden“, sagt CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau. Damit widerspricht er der Einschätzung des ADFC. Außerdem würde der Wegfall der Haltemöglichkeiten außerhalb der Expressbusbetriebszeiten den Einzelhandel massiv schädigen, viele überörtliche Kunden würden wegfallen. „Damit wären zahlreiche Geschäfte in ihrer Existenz bedroht“, sagt Petelkau.

Die FDP/KSG-Fraktion lehnt die Pläne ebenfalls ab und stellt einen Änderungsantrag, um die Busspuren ersatzlos aufzulösen. „Die Verschwenkungen der Spuren sind irritierend und gefährlich. Daher brauchen wir keine jahrelange Prüfung à la Kölner Stadtverwaltung, sondern einen Rückbau – sofort, unverzüglich“, sagt der stadtentwicklungspolitische Sprecher Ralph Sterck.

Über den Antrag für die Aachener Straße soll der Mobilitätsausschuss in seiner kommenden Sitzung am Dienstag, 22. September, beraten.