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Start-up aus dem KellerVier Kölner Jungs machen mit Eis richtig Geld

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Vier junge Männer stehen vor einem mobilen Getränkestand, der Aperol Spritz verkauft.

Die „ICEmänner“ sind auch auf Märkten zu finden, wie hier auf dem Aperomarkt an der Vogelsanger Straße in Ehrenfeld.

Eiswürfel im Becher sind das Geschäftsmodell eines Kölner Quartetts: Die „ICEmänner“ verkaufen gefrorenes Wasser und erobern jetzt auch den amerikanischen Markt.

Im Stadtwald chillen und ein kühles Getränk in der Hand genießen? Eigentlich ein perfekter Plan. Doch der Weg dorthin führt meist erst einmal in den Supermarkt: warme Getränke kaufen,  Pappbecher einpacken und einen unhandlichen Beutel Eiswürfel mitschleppen. Warum gibt es das Eis eigentlich nicht direkt fertig im Becher? Genau diese Frage markiert die Geburtsstunde der „ICEMänner“ und der gleichnamigen Firma. Vier Freunde, die sich aus der Schulzeit am Kölner Apostelgymnasium kennen, sagten sich einfach machen. „Als Corona kam, fanden wir die offenen Becher an den Kiosken total unhygienisch“, erzählt Mitgründer Max Reisch. Kurzerhand starteten die Gründer im elterlichen Keller im Kölner Westen.

Versiegelte Eiswürfelbecher als Geschäftsidee – Rewe als Großkunde

Mit einem extremen Schmalspurbudget schafften sie eine Eiswürfelmaschine, ein paar Kühltruhen zur Zwischenlagerung und eine Versiegelungsmaschine an, wie man sie von Bubble-Tea-Läden kennt. „Wir hatten kaum Mittel, sondern nur diese eine Idee: fertig versiegelte Eiswürfelbecher herzustellen. Eigentlich war das nur für Freunde gedacht – und um damit mal ein paar Kioske abzuklappern“, erinnert sich der heute 24‑Jährige. Damals absolvierte er noch eine Ausbildung, während seine Freunde Tom Haberland, Joel Sanchez und der Vierte im Bunde, Alexander Gothe, ihr Studium in Köln begannen. Nach Feierabend klapperte Reisch mit dem Roller die Kioske in der Innenstadt ab. Die Resonanz war anfangs durchwachsen. „Einige haben das Konzept sofort verstanden, andere nicht“, so Reisch.

Ein junger Mann mit Steppweste und dunklem Haar steht vor einem Kühlregal. Hinter ihm sind Eiswürfel im Becher zu sehen, und allerlei andere Getränke.

Firmenmitgründer Max Reisch steht vor einer Kühltheke in einem Rewe‑Markt. Seit Rewe ihr Kunde ist, laufen die Geschäfte richtig.

Doch Aufgeben kam nicht infrage. Mit Erfolg: Plötzlich führten rund 50 Kioske die praktischen Becher. „Wenn wir richtig fleißig waren, haben wir pro Schicht 1000 Becher in Nachtarbeit hergestellt.“ Am Kiosk kosteten sie damals einen Euro. Im Juli 2023 – dem perfekten Sommermonat – wurde schließlich ein Rewe-Markt auf das Start-up aufmerksam. Die Becher gingen weg wie warme Semmeln. Der Supermarkt entwickelte sich zum ultimativen Multiplikator. Zum Ende des Sommers belieferten die vier Freunde bereits 20 Rewe-Märkte – und das immer noch aus dem elterlichen Keller. Das passende Logo hatten die Gründer nebenbei in der Uni entworfen. „Ice ist auf Englisch einfach cool, und wir sind eben die ICEMänner.“

Im September folgte der nächste Meilenstein: Das nationale Einkaufsbüro von Rewe schrieb sie an. Man wollte wissen, wer hinter der Marke steckt. Im Oktober kam es zum ersten Treffen, das mit einem Paukenschlag endete: Ab 2024 sollte das Produkt national gelistet und ausgerollt werden. Der damalige Chatverlauf hängt heute ausgedruckt als Motivationsschub im Büro. „Wir waren total baff, dass die unsere handgemachten Becher wollten. Da haben wir ziemlich hoch gepokert“, gibt Reisch zu. Die Zusage brachte jedoch eine riesige Herausforderung mit sich: „Wir hatten den Großauftrag, aber keine passende Produktion.“ Was die Jungunternehmer jedoch perfekt beherrschen, ist die digitale Recherche. Sie suchten im Netz nach Investoren und Produktionspartnern – und wurden fündig. Bis heute läuft diese Partnerschaft reibungslos. „Natürlich hatten wir zwischendurch totale Existenzängste, aber unsere Vision wurde verstanden“, erinnert sich Reisch.

Ein großes dunkles Fass trägt die Aufschrift „Aperidiva Spritz“.

Die Ice-Jungs liefern mit auch fertig gemixten Aperol Spritz im 20-Liter-Fass, natürlich mit Eis.

Die Anfänge fühlten sich oft surreal an. Heute nutzen sie ein spezielles Verfahren: Den Eiswürfeln wird Wasser entzogen, sodass sie selbst in Heißgetränken wie Eiskaffee oder Matcha nicht sofort schmelzen und das Getränk verwässern. Mittlerweile sind die Kölner Gründer in ganz Europa, in weiteren Supermärkten und an Tankstellenshops präsent. Inspiriert von TikTok-Trends aus Korea haben sie ihr Repertoire drastisch erweitert. Dank der steigenden Einnahmen konnten sie den Keller endlich verlassen und ein eigenes Büro beziehen. Ihre neueste Innovation: Softdrinks aus der Tüte, die genau in die Eisbecher passen. Diese sogenannten „Korean Pouches“ entdeckten sie ebenfalls im Internet. Da der Import direkt aus Korea jedoch zu lange dauerte und die Qualität nicht überzeugte, suchten sie über ein halbes Jahr nach einem passenden Abfüller in Deutschland. Gefunden haben sie ihn in der Mitte des Landes – es ist der einzige Betrieb bundesweit, der diese spezielle Abfüllung beherrscht.

Getränke aus Quetsch-Tüten, Korean Pouches, in den Geschmäckern Blue Lemon, Hazelnut Americano, Lychee

Heute gibt es vier Geschmacksrichtungen: Blue Lemon, Hazelnut Americano, Lychee und Green Grape Ade. Warum gerade Getränketüten? „Alles, was schwer zu bekommen ist und im Internet gehyped wird, liegt im Trend“, weiß Reisch. Der Spaß am Entwickeln neuer Produkte ist ungebrochen, das Credo lautet: Trends muss man nutzen. Ganz neu im Sortiment sind Eiswürfel mit Himbeer- oder Holunderblütengeschmack. Auch im Marketing gehen sie unkonventionelle Wege: Über TikTok schrieben sie den britischen Rapper Cass an. Gemeinsam vermarkten sie nun einen knallpinken Cranberry-Wodka. Zusätzlich touren sie mit „Fuel up“, einem mobilen Barstand, über Festivals und Märkte. Ihr Erfolgsgarant dort: Aperol Spritz (Aperidiva), fertig gemixt aus 20-Liter-Fässern. Das nächste große Ziel liegt auf der anderen Seite des Atlantiks: die USA. Hier wollen die ICEMänner als Nächstes Fuß fassen.

Da Amerikaner so gut wie kein Getränk ohne Eis trinken und in den Supermärkten meist nur riesige Eissäcke verkauft werden, sehen die Gründer hier eine gewaltige Marktlücke. Seit dem Sommer läuft die Produktion in New Jersey. Ihre Becher sind bereits in über 300 US-Märkten vertreten. Das erste strategische Meeting mit den amerikanischen Partnern fand übrigens komplett online statt – per Teams-Call aus dem Kölner Homeoffice. Genau das spiegelt die Philosophie von Max Reisch wider. Der Jungunternehmer spürte schon früh, dass er etwas Eigenes aufbauen wollte: „Wenn ich eine Idee im Kopf habe, will ich sie zu Ende bringen. Man braucht einfach Biss und muss eine Sache hartnäckig durchziehen.“ Dank Social Media und globaler Vernetzung sieht der ICE-Mann keine Grenzen mehr für sein Business: „Wir sind ganz normale Kerle, die einfach eine gute Idee hatten. Heutzutage ist alles möglich. Es gibt kein ‚Geht nicht‘. Für jedes Problem gibt es eine Lösung und einen Weg.“

www.icemaenner.com