Drei Akte lang streiten sich Alt und Jung im Brunosaal über Fastnacht und Tradition. Henseler macht aus kölschen Gags lebendige Szenen.
PremiereGenerationenstreit auf der Bühne – Spielkreis Fritz Monreal lädt zu „Et Hätz schleiht em Veedel“

Die Damengarde von 2026 e. V. will den Karneval revolutionieren. Kneipen-Putzfrau Fatma sorgt als „fussich Julche“ für Stimmung.
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Ob Fisternöllchen, Fastelovend oder Zoff um die Kneipe „Zur feuchten Kehle“: Im Pfützenreiterschen Vier-Generationen-Haus ist mal wieder „d’r Düvel loss“. Kurz vor Weiberfastnacht verweigert das Ordnungsamt den Kneipenbetreibern Plün un Döres die Schankerlaubnis. Es droht ein Alkoholverbot an Karneval. Gerade jetzt, wo die neugegründete 1. Damengarde von 2026 e. V. den alljährlichen „Ahl Kamelle-Fastelovends-Ovend“ von den Traditionskarnevalisten vom Verein „Drieß op d’r Dress“ von 1823 e. V. übernehmen will.
Drei Akte lang treffen im neuesten Miljö-Spill des Spielkreises Fritz Monreal „Et Hätz schleiht em Veedel“ Alt und Jung aufeinander, diskutieren über Tradition und Brauchtum, fetzen und vertragen sich. Natürlich sind schon alle im Karnevalsfieber. Besonders Jupp, der jüngste Pfützenreiter und mit zwölf Jahren auch das jüngste Ensemblemitglied. Im Kreise der Generationen trällert er zu Brings „Poppe, Kaate, Danze“ und tanzt zur „Karnevalsmaus“. Für die strickende und zeitungslesende Früher-war-alles-besser-Fraktion der Familie ein absolutes „No-Go“. „Alles nur Krach und Radau“, lautet die Antwort. Jupps Großeltern schwelgen noch in alten „Persiko-Zeiten“, erinnern sich an verlorene Kämpfe gegen die Appelkorn-Revolution. „Denn einmal nur im Jahr ist Karneval“, spielt die Musik. Der Brunosaal singt mit.
Theater-Schmölzje begeistert mit kölschen Gags
Das Premierepublikum, darunter Festkomitee-Ehrenpräsident Christoph Kuckelkorn und der Kölner Krätzchensänger, Komponist und Textdichter Ludwig Sebus, ist aufmerksam, feierfreudig, und spart nicht mit Applaus. Besonders wenn sich die „Alten“ untereinander kabbeln. „Hör ens Vatter, do häs de Botz op.“ „Dat mäht nix. Wenn dä Vuel dud es, kann d’r Käfig ruhig opstonn.“ Grölendes Gelächter und donnernder Beifall als Lohn für das 19-köpfige Theater-Schmölzje, das auf beeindruckende Weise die trockenen kölschen Gags von Autor, Regisseur und Spielleiter Stephan Henseler (37) in lebendige Szenen verwandelt. Herrlich auch der Verzäll der Tratschtanten aus der „Nohberschaff“. Darunter Schauspielerin Annemie Winkel, die in diesem Jahr ihr 45. Bühnenjubiläum feiert.
Es ist Henselers zwölftes Bühnenstück in Folge. Der Blick aufs Brauchtum darin: ambivalent. „Drieß op d’r Dress“-Ehrenpräsident Hubät beispielsweise will von der neuen Damengarde nichts wissen. Er will weiterhin den Fastelovends-Ovend gestalten, hält es für wichtig „ahle kölsche Traditione am Levve zo erhalde“. Sein Nachfolger Pitter sieht’s gelassener: „Wä nit mit d’r Zick jeiht, jeiht mit d’r Zick“. Zustimmung bei den Damen im ausverkauften Saal.
Henseler würdigt in seinem rund zweieinhalbstündigen „löstije Spill“ die Ursprünge des Karnevals, lässt ehemalige Kölner Büttenredner wieder aufleben. Er schätzt das Volkstümliche am Fastelovend und die Veedel, in denen Gefühle zu Hause sind, in denen „et Hätz schleiht“. Und der Jupp? Der lernt im Stück viel über die Ursprünge des Karnevals, über die Veränderungen, über immer mehr bühnen- und fernsehtaugliche karnevalistische Großevents, und über das, was noch kommt: „Morje es, wat do drus mähs!“, das Kölner Sessionsmotto 2027.
„Et Hätz schleiht em Veedel“, Brunosaal, jeweils freitags, samstags und sonntags; letzte Vorstellung: Sonntag, 22. November. Karten zu je 20 Euro gibt es telefonisch unter 02203 / 3 23 84 sowie an der Abendkasse.
