In anderen Städten ist die Technik bereits im Einsatz. Die Kölnbäder planen nun eine Testphase im Stadionbad.
ErkennungssystemSo soll KI das Personal in Kölns Schwimmbädern entlasten

Schwimmbäder könnten durch Künstliche Intelligenz sicherer werden.
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Eines vorweg: Um ihre Jobs müssen Kölner Bademeister auch in Zukunft nicht bangen. Aber möglicherweise bekommen sie Unterstützung. Denn genauso klar ist auch: Alles, was in einem Schwimmbad passiert, kann die Badeaufsicht nicht zu jeder Zeit im Blick behalten. Vor allem in Spitzenzeiten, wenn beispielsweise bis zu 8000 Gäste pro Tag ins Stadionbad strömen. Deshalb überlegen die Kölnbäder aktuell, wie die moderne Technik ihrem menschlichen Personal bei der Arbeit unter die Arme greifen könnte. So wie aktuell in vielen anderen Bereichen lautet das Stichwort auch hier: Künstliche Intelligenz. „Seit zwei Jahren ist das ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen“, sagt Marc Riemann, Bäderbetriebsleiter der Kölnbäder. Im kommenden Sommer soll die Technik in einer Testphase im Stadionbad erprobt werden.
Software analysiert Verhaltensweisen
Konkret geht es bei dem System um mehrere Kameras, die rund um das Becken angeordnet sind. Im Hintergrund wertet eine Software die Bilder aus, analysiert die Verhaltensweisen der Schwimmerinnen und Schwimmer über einen längeren Zeitraum und erkennt mögliche Abweichungen. Der Vorteil sei, dass es keine tausend Arten gebe, wie Menschen ertrinken, erklärt Riemann. „In der Theorie ist es das immer gleiche Muster. Meistens passiert es still und heimlich, etwa durch einen Kreislaufkollaps.“ Der Körper gerät in Schockstarre und sinkt ab. Vier Minuten ohne Sauerstoffzufuhr können zu schwerwiegenden Folgen bis hin zum Tod führen.

So sieht die KI-Kamera in einem Schwimmbad im baden-württembergischen Freudenstadt aus.
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Für jedes Becken, in dem das System zum Einsatz kommt, muss es eigenständig trainiert werden. „Jedes Becken ist anders, etwa durch die Lichteinstrahlung“, sagt Riemann. Hat die Software genügend Daten gesammelt und kennt den Normalzustand, kann es Abweichungen an die Smartwatch der Badeaufsicht senden. So sollen auch Situationen erkannt werden, bevor sie zum Notfall werden. „Eine sehr smarte Lösung“, findet Riemann. Dieser Weg ist gleichzeitig die Begründung dafür, dass das Personal weiterhin unerlässlich bleibt. Nachdem die Notlage erkannt ist, ist die Technik schließlich raus. Die Badeaufsicht leitet dann die Rettungsmaßnahmen ein.
KI könnte in Spitzenzeiten Personal in Schwimmbädern entlasten
Ein Schwimmbad ohne Personal kann sich Riemann nicht vorstellen. Dass mit der Unterstützung in Spitzenzeiten statt acht etwa nur fünf Bademeister benötigt werden, sei dagegen denkbar. Eine Ausweitung der Technik auf andere Bäder hänge vom Ausgang der Testphase ab, sei aber auch eine Kostenfrage. Für einen flächendeckenden Einsatz rechnen die Kölnbäder mit einer Investition in einem hohen sechsstelligen Bereich. Sollte die Nachfrage auch in anderen Städten größer werden, ergebe sich das nächste Problem. Bisher gebe es nur einen Anbieter für diese Technik. „Da würden wir uns in Zukunft noch mehr Wettbewerb wünschen“, sagt Riemann.
Beim KI-Projekt setzen die Kölnbäder auch auf die Erfahrungen aus anderen Städten, in denen die Technik schon zum Einsatz kommt, etwa in Lippstadt oder Wiesbaden. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten funktioniere das System dort gut. Testberichte aus Wiesbaden, die die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen veröffentlichte, zeigen unter anderem: Das plötzliche Absinken eines Menschen erkennt das System zuverlässig. Typisch bei Ertrinkenden können auch unkontrollierte Bewegungen sein, etwa auf das Wasser schlagende Hände oder weit aufgerissene Augen. Gerade zu Beginn tat sich die KI schwer damit, diese Muster von kindlichem Spielverhalten zu unterscheiden. Im besten Fall lernt die KI durch den wachsenden Datensatz, zukünftig auch diese Situationen immer besser auseinanderzuhalten.

