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Kölner GeißbockheimFür die Gleueler Wiese fehlt eine Mehrheit ohne AfD

7 min
Blick auf das Geißbockheim des 1. FC Köln.

Blick auf das Geißbockheim des 1. FC Köln.

Nach dem OVG-Urteil ist der Ausbau am Geißbockheim theoretisch möglich. Für die Gleueler Wiese fehlt im Kölner Rat eine Mehrheit ohne die AfD.

Im Kölner Stadtrat gibt es auch nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster keine politisch umsetzbare Mehrheit dafür, dass Fußball-Bundesligist 1. FC Köln die städtische Gleueler Wiese pachten kann. Das hat eine Abfrage dieser Redaktion bei den Fraktionen, Gruppen und einem Einzelmandatsträger ergeben. Der Klub will dort seit 2014 drei Fußballplätze bauen.

Zwar könnten CDU, SPD, FDP, AfD und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) auf 49 von 91 Stimmen kommen, doch dabei handelt es sich weiter nur um eine theoretische Möglichkeit, weil eine gemeinsame politische Verständigung fehlt.

Erstens will die CDU zunächst alternative Trainingsplätze prüfen und nennt die geplanten Pläne auf der Gleueler Wiese nur als mögliche Option. Und zweitens wollen SPD und FDP/Kölner Stadtgesellschaft (KSG) ausdrücklich keine von der AfD getragene Mehrheit. SPD-Fraktionschef Christian Joisten sagt: „Wir werden mit keiner Partei, die antidemokratisch, rassistisch und antisemitisch ist, Mehrheiten im Kölner Stadtrat bilden.“

SPD-Fraktionschef Christian Joisten.

SPD-Fraktionschef Christian Joisten.

Wie am Samstag berichtet, hatte das OVG am Freitag den Bebauungsplan für die Gleueler Wiese und das Leistungszentrum am Geißbockheim für wirksam erklärt. Noch offen ist, ob der NRW-Ableger des Naturschutzbundes (Nabu) oder die Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ als Kläger beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die Nichtzulassung der Revision Beschwerde einlegen.

Klar ist nur: Der Klub hat angekündigt, ab 2027 sein zweigeschossiges Leistungszentrum auf einem Kunstrasenplatz am Geißbockheim für 50 bis 60 Millionen Euro zu bauen. Dann fehlt ihm ein weiterer Platz.

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Vor vier Jahren hatte das OVG den Bebauungsplan für unwirksam erklärt, jetzt plötzlich nicht. Warum?

Schon damals monierte das Gericht nicht die Pläne für das Leistungszentrum oder die Plätze auf der Gleueler Wiese, sondern für vier Kleinspielfelder nördlich der geplanten Plätze. Sie waren vorgesehen, damit dort Bürgerinnen und Bürger Sport treiben können. Demnach hätte die Stadt diese Kleinspielfelder, die etwa für einen Basketballplatz versiegelt werden, nicht als öffentliche Grünfläche im Bebauungsplan aufführen dürfen. Laut OVG handelte es sich um einen Abwägungsfehler.

Doch diese Entscheidung hob das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zwei Jahre später im Jahr 2024 auf. Der FC hatte Beschwerde eingelegt. Demnach bleibt der Charakter einer Grünfläche erhalten, wenn nur ein geringfügiger Teil versiegelt ist. Das Verfahren ging zurück an das OVG, das nun auf Basis der „bindenden Feststellungen“ aus Leipzig urteilte: Der Bebauungsplan hat doch keine beachtlichen rechtlichen Mängel.

Kann der Prozess noch weitergehen?

Ja. Wenn die Kläger sich gegen die Nichtzulassung der Revision wehren. Das hatte auch der FC Anfang 2023 getan und 15 Monate später Recht bekommen. Ob die beiden oder eine der Organisationen das tun, steht bisher nicht fest, die schriftliche Urteilsbegründung liegt nicht vor.

Zur Frage, ob das Bundesverwaltungsgericht dieses Mal schneller urteilt, weil es den Sachverhalt kennt, sagt ein Sprecher: „Die Dauer der Verfahren richtet sich nicht allein danach, ob das Bundesverwaltungsgericht bereits einmal mit einem Sachverhalt im Rahmen eines Verfahrens befasst war.“

Nach all dem Hin und Her: Auf welchen neuen Plätzen soll der Klub denn zukünftig trainieren?

Das ist trotz des Urteils weiter offen. Zur Wahl stehen drei zumindest grundsätzlich denkbare Varianten. Erstens: Der Klub darf doch noch drei Fußballplätze auf der Gleueler Wiese bauen, wie er es seit 2014 plant.

Zweitens: Die Stadt ertüchtigt drei vorhandene Plätze und der FC bezahlt dafür. Es handelt sich um den sogenannten Platz 2 neben dem Trainingsplatz der Profis direkt am Geißbockheim, den Tennenplatz und die Kampfbahn. Letztere beide liegen nördlich der Gleueler Wiese. Die drei Plätze werden Satellitenplätze genannt (siehe Grafik). Diese Variante hatte der Rat mehrheitlich am 2. Juli 2026 beschlossen – sie verzichtet auf die umstrittene Gleueler Wiese.

Überblick über die diskutierten neuen Trainingsplätze.

Überblick über die diskutierten neuen Trainingsplätze.

Und drittens: Möglicherweise ist auch ein Mix aus Variante eins und zwei denkbar. Ist etwa einer der drei Satellitenplätze nach der Umweltprüfung nicht umsetzbar, könnte doch noch die Gleueler Wiese oder ein Teil davon als Alternative herhalten. Diese Idee hatte die SPD aufgebracht. Unklar ist aber, ob dann dort wirklich drei Plätze entstehen oder weniger.

Was muss man zu all den Flächen wissen?

Sie liegen im Äußeren Grüngürtel und damit im Landschaftsschutzgebiet L17. Unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen können Ausnahmen oder Befreiungen erteilt werden. Und alle Flächen gehören der Stadt. Deshalb entscheidet der Stadtrat über die Verpachtung und es braucht eine Mehrheit für Projekte. Auch die seit Jahrzehnten genutzte Fläche am Geißbockheim pachtet der Klub von der Stadt.

Und wie wahrscheinlich sind diese Varianten?

Selbst FC-Präsident Jörn Stobbe hat „null Hoffnung“, dass der FC sein Bauvorhaben in der ursprünglichen Form vollumfänglich realisieren könne. Doch Geschäftsführer Philipp Türoff sagt, die Gleueler Wiese „ist und bleibt die bislang einzige vollumfängliche Lösung“.  

Das Problem: Der Klub kann sich zwar auf den Bebauungsplan berufen, aber nur, wenn die Ausbaugegner ihn nicht vor dem Bundesverwaltungsgericht angreifen. Und ein vom OVG für wirksam erklärter Bebauungsplan nützt dem FC nichts, weil er einen Pachtvertrag benötigt, um die städtische Wiese zu pachten. Und dafür braucht er eine umsetzbare Mehrheit im Stadtrat.

Was meint „umsetzbar“?

SPD (18 von 90 Sitzen im Rat) und FDP/Kölner Stadtgesellschaft (4) unterstützen diesen Plan, auch die CDU (18) kann ihn sich zumindest vorstellen, wenn die Verwaltung die Satellitenplätze nicht zeitnah zur Verfügung stellt. Fraktionschef Bernd Petelkau fordert von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) einen Vorschlag in den nächsten acht Wochen. Gelingt das nicht, öffnet Petelkau die CDU-Fraktion für eine neue Position: „Sonst müssen wir wohl feststellen: Vielleicht wäre es doch das Einfachste, zum nun gerichtlich bestätigten Bebauungsplan zurückzukehren.“

Die drei Fraktionen hätten, sollte die CDU zustimmen, zusammen 40 der 90 Stimmen, plus Burmesters Stimme wären es 41 von 91. Das könnte zu wenig sein, hängt aber an der Zahl der anwesenden Mitglieder und der Zahl der Enthaltungen und ungültigen Stimmen. Es braucht mehr Ja- als Nein-Stimmen, Enthaltungen werden nicht mitgerechnet.

Aber dann ist es doch klar?

Nein. Denn die AfD (8 Sitze) würde ebenfalls dem Pachtvertrag für den FC zustimmen, das bestätigte sie dieser Redaktion. Mit 49 von 91 Stimmen wäre – rein rechnerisch und theoretisch – die Mehrheit gegeben.

Volker Görzel, Fraktionschef von FDP/KSG.

Volker Görzel, Fraktionschef von FDP/KSG.

Aber?

In diesem Fall würde unter anderem die SPD nicht dafür stimmen. Joisten sagt: „Völlig unabhängig von Thema oder politischem Ziel ist für die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Köln völlig klar: Wir werden mit keiner Partei, die antidemokratisch, rassistisch und antisemitisch ist, Mehrheiten im Kölner Stadtrat bilden.“ Und auch FDP/KSG-Fraktionschef Volker Görzel sagt: „Ich vertraue darauf, dass es eine Mehrheit der verantwortungsbewussten, demokratischen Fraktionen gibt.“ Petelkau sagt: „Es ist nicht die Zeit für politische Gedankenspiele.“

Gibt es weitere Probleme mit der Gleueler Wiese?

Ja. Zwar liegt nun ein vom OVG für wirksam erklärter Bebauungsplan vor, der ist aber sechs Jahre alt. In der Zwischenzeit hat der Stadtentwicklungsausschuss des Rates vor zwei Jahren mehrheitlich die Aufstellung eines zusätzlichen neuen Bebauungsplans für die Wiese beschlossen: Er soll sie dauerhaft als Grünfläche schützen. Doch zuletzt ruhte laut einer Sprecherin das Verfahren wegen des Prozesses. Auf Anfrage wollte die Stadt nicht beantworten, wie und wann es mit dem Verfahren weitergeht.

Das sind die Probleme von Variante eins. Wie wahrscheinlich ist es, dass Variante zwei mit den drei Satellitenplätzen kommt?

Zumindest erwähnte Burmester selbst nur diese in seiner Pressemitteilung am Freitag, er kündigte, „zeitnah“ eine Baugenehmigung für den Umbau des Tennenplatzes zum Kunstrasenplatz an. Und im Rat hatte die Satellitenplatz-Lösung eine Mehrheit, eben mit CDU, SPD, FDP/KSG einem Großteil der zehnköpfigen Links-Fraktion. Es bleibt aber die Frage, ob alle drei Plätze umgewandelt werden dürfen, eine Prüfung der Umweltbelange läuft – und wie schnell eine Ertüchtigung geht.

Und Variante drei, also ein oder zwei Fußballplätze auf der Gleueler Wiese und ein Teil der Satellitenplätze?

Das hängt im Wesentlichen davon ab, ob das Konzept der Satellitenplätze komplett umsetzbar ist. Noch ist das offen. SPD und FDP können sich das vorstellen, die CDU äußerte sich nicht. Noch ist es also eine vage Möglichkeit, zumal sie erneut Zeit in Anspruch nehmen dürfte.