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Kölner KioskSülzer Büdchen Casablanca ist in liebevolle Hände abzugeben

3 min
Das Büdchen Casablanca an der Sülzburgstraße 164.

Das Büdchen Casablanca an der Sülzburgstraße 164.

Die Betreiberin des bekannten Sülzer Kiosks sucht Nachfolger, die den beliebten Treffpunkt für die Nachbarschaft erhalten.

Beim Blick auf die gemütlichen Bänke vor der Büdchentür wird Andrea Junkermann ein bisschen wehmütig. „Dort ist so viel passiert“, sagt sie, „ein erster Kuss, beispielsweise.“ Nachbarn und Nachbarinnen hätten dort morgens verkatert nach einer durchzechten Nacht einen Kaffee getrunken, sich zu einem Plausch oder zu einem Feierabendbier getroffen. Sie hat so viele nette Menschen kennengelernt und Geschichten gehört.

Doch jetzt sind ihre Tage im Büdchen Casablanca an der Sülzburgstraße 164 gezählt. Es zieht Junkermann an neue Ufer, konkret an die Opal-Küste in Nordfrankreich. Mit ihrem Partner hat sie dort bereits ein Haus erworben und möchte nun an ihrer künftigen Heimat Menschen empfangen. „Vielleicht mache ich ein Gästehaus auf“, sagt sie. Junkermann hat Erfahrung mit dem Betrieb. Sie hatte viele Jahre ein Hotel in Südafrika.

Andrea Junkermann in ihrem Büdchen Casablanca.

Andrea Junkermann in ihrem Büdchen Casablanca.

Für das Kiosk in Sülz sucht sie nun einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Die Trennung fällt schwer, sowohl Junkermann als auch der Nachbarschaft. Das Büdchen Casablanca ist viel mehr als eine Verkaufsstelle von Kaltgetränken und Snacks.

Büdchen Casablanca: Nussecken, Waldi-Bier und kleine Konzerte

Die gemütlichen Tische und Bänke sind ein Treffpunkt. Dort verzehren die Besucher und Besucherinnen gerne diverse Leckereien, die im Büdchen angeboten werden: extradicke Nussecken, Mandeltaler und Mohnkuchen von der Bäckerei Adolph’s in Nippes, Croissants oder Eis von der Klettenberger Manufaktur Savoca. Es gibt nicht nur Kölsch, sondern auch das Sülzer „Waldi-Bier“ und andere ausgefallene Biersorten, Naturweine von La Vincaillerie in Ehrenfeld, Kaffee von der Rösterei Jackson an der Ägidiusstraße, und ausgefallene Geschenke.

Porzellan mit Illustrationen der Künstlerin Jacqui Mu darauf, handbemalte Muscheln, die handgenähten Taschen, die eine Sülzerin unter dem Label „Apfeltasche“ fertigt. Im hinteren Bereich stehen Kleiderstangen, mit Second-Hand-Klamotten. Regelmäßig finden im Büdchen kleine Konzerte, Weinproben und Diskussionsrunden statt. Im September wird es nun noch zum „Trödelbüdchen“, wo gebrauchte Dinge den Besitzer oder die Besitzerin wechseln.

Büdchenarbeit macht Pause nötig

Sechs Jahre lang hat Junkermann den Kiosk mit Einfallsreichtum und Hingabe betrieben. Nun brauche sie allerdings einen Wechsel. „Es ist einfach sehr viel Arbeit“, sagt sie. Ein Kiosk lebe davon, lange geöffnet zu sein, aber dafür brauche es viel Man- oder Womenpower. Seine 100 Quadratmeter müssten auch bespielt werden. Die Miete dafür sei vernünftig, sagt sie. Die Vermieter seien sehr nett.

„Ich möchte jetzt einfach einmal mehr Zeit für mich haben“, betont Junkermann. Sie hofft, dass sie ihr Büdchen Casablanca in möglichst gute Hände übergeben kann, so dass es weiter ein Treffpunkt für die Nachbarschaft bleibt. Das war es schon, bevor Junkermann übernahm.

Die ehemalige Besitzerin Barbara Krings hatte es als solchen aufgebaut und es nach der Heimat ihres Lebensgefährten benannt: Casablanca. Seine Erkrankung machten die Pläne, das Büdchen gemeinsam zu führen, zunichte. Die Nachbarschaft plante eine Rettungsaktion und wollte es selbst als Genossenschaft betreiben. Doch die scheiterte. Krings bot ihren Kiosk auf Ebay an – und Andrea Junkermann sagte nach einem ersten Blick ins Büdchen sofort zu.

So ganz verabschieden möchte sie sich von ihren Gästen allerdings auch nicht: „Vielleicht sitze ich ja bald mit Sülzern und Sülzerinnen an der Opal-Küste“, sagt sie.