Die Anwohnerinnen und Anwohner reagieren mit Unverständnis und Verärgerung auf das Vorhaben. Auch die Politik zeigt sich irritiert.
Plan für BrückenabrissStadt Köln will nur noch eine Zufahrt für Siedlung mit 3500 Menschen

Die Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus
Copyright: Google Earth
Die Siedlung Schönrath ist am Rande des Kölner Stadtteils Höhenhaus gelegen, die Autobahn 3 und der Anschluss Mülheim befinden sich in unmittelbarer Nähe. Viele der rund 3500 Menschen, die dort leben, sind auf ein Auto angewiesen und befürchten, dass ein Verkehrschaos auf sie zukommen wird. Das Mobilitätsdezernat unter Leitung von Ascan Egerer will nämlich einen der zwei Zugänge zu der in sich abgeschlossenen Siedlung für den Autoverkehr sperren. Die Anwohnerinnen und Anwohner reagieren mit Unverständnis und Verärgerung auf die Pläne, die das Dezernat extrem kurzfristig verkündet hatte. „Wir befürchten, dass wir hier ein Stauchaos erleben werden und die Rettungswege nicht mehr richtig funktionieren, wenn es nur noch eine Zufahrt gibt“, sagt Anwohner Alexander Dick.
Bauwerk mit erheblichen Schäden
Wer die Siedlung mit seinem Auto verlassen will, der hat zwei wesentliche Optionen, die beide über die Straße Am Flachsrosterweg führen. In Richtung Süden geht es zur Berliner Straße, im Norden über eine Brücke zum Dünnwalder Kommunalweg und somit zur Autobahn, in die Bruder-Klaus-Siedlung, ins benachbarte Stammheim und zum dortigen S-Bahnhof. Genau die wichtige Verbindung in nördlicher Richtung soll aber nach dem Willen des Mobilitätsdezernates für Autofahrer wegfallen. Die Brücke, die über die Gleisanlagen der Deutschen Bahn (DB) auf der Strecke zwischen Köln und Wuppertal führt, weist erhebliche Schäden auf, welche die Tragfähigkeit und Sicherheit gefährden.

Alexander Dick, Anwohner der Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus
Copyright: Dick
Das Mobilitätsdezernat will das beschädigte Bauwerk deshalb abreißen lassen und zunächst eine Behelfsbrücke montieren. Diese soll aber ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger geeignet sein und mindestens bis zum Jahr 2032 stehenbleiben. Als Grund nennt das Mobilitätsdezernat, dass eine für Autos ausgelegte Behelfsbrücke aus finanzieller und technischer Sicht zu aufwendig sei. Diese Lösung würde zudem 700.000 Euro mehr kosten als die autofreie Variante. Von einem Verkehrsgutachten, das die Auswirkungen einer autofreien Brücke auf die Situation vor Ort untersucht hat, ist in der Beschlussvorlage nicht die Rede.

Die Brücke Am Flachsrosterweg ist aufgrund von Schäden nur einspurig befahrbar.
Copyright: Alexander Schwaiger
Die Anwohner fühlen sich von den Plänen überrumpelt. Und sie befürchten, dass sich die verbleibende Ausfahrt aus dem Flachrosterweg auf die viel befahrene Berliner Straße zu einem Nadelöhr entwickeln wird, wenn alle Autofahrer nur noch dort herausfahren können. Während des Berufsverkehrs ist die Situation auch jetzt schon angespannt. „Ich kann bestätigen, dass hier jeden Morgen Stau ist“, sagt Peter Raisin, der am Flachsrosterweg eine Tischlerei betreibt.
Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz (SPD) beklagt, dass das Mobilitätsdezernat vorab weder die Anwohner noch die Politik in die Überlegungen einbezogen hatte. Stattdessen erhielten die zuständigen Mülheimer Politiker erst vier Tage vor der Sitzung der Bezirksvertretung die Vorlage, die sie dann auch noch mit Dringlichkeit beschließen sollten. „Das irritiert mich sehr, zumal ich später erfahren habe, dass die Planungen bereits seit dem Sommer 2025 laufen“, sagt Morawietz. „Wir wären gerne früher einbezogen worden.“

Das Nadelöhr von Höhenhaus
Copyright: klxm.de
Dem Vernehmen nach soll das Mobilitätsdezernat zunächst geplant haben, die Pläne als Geschäft der laufenden Verwaltung umzusetzen, also ohne die Politik einzubeziehen. Da die Kostenschätzung für Abriss und Neubau allerdings bei mehr als einer Million Euro liegt, ging das nicht. Trotz der Kürze der Zeit unterzeichneten der Bezirksbürgermeister sowie Vertreter von Grünen und CDU eine Woche später einen Dringlichkeitsbeschluss, in dem sie allerdings abweichend vom Wunsch des Mobilitätsdezernates eine Behelfsbrücke verlangten, über die zumindest einspurig auch Autos fahren können.
Zeitkritisches Projekt hängt in der Luft
Statt den Beschluss umzusetzen, forderte das Dezernat daraufhin allerdings noch einen weiteren Beschluss der Bezirksvertreter. Sie sollten nun auch die Finanzierung sicherstellen. „Dieser Beschluss kann nur umgesetzt werden, wenn die BV eine Finanzierung für die Mehrkosten der Behelfsbrücke aufzeigen kann, wozu sie verpflichtet ist. Leider kann die BV das nicht, sodass dieser Beschluss nicht umgesetzt werden kann“, sagte ein Stadtsprecher auf Anfrage dieser Redaktion. Der Verwaltung würden lediglich die Mittel für die Errichtung einer Behelfsbrücke für den Fuß- und Radverkehr zur Verfügung stehen. „Die Verwaltung hat empfohlen, wenigstens diese zu errichten“, so der Sprecher. Diese Empfehlung habe jedoch in der BV keinen Anklang gefunden. Wie zu erfahren war, verfügt die BV allerdings auch nicht über ein Budget dafür. Das Projekt hängt derzeit also in der Luft.
Dabei tickt im Hintergrund die Uhr: Der Abriss der Brücke und die Montage der Behelfsbrücke müssen eigentlich im Zeitraum zwischen Mai und Juli stattfinden. Während dieser Zeit hat der DB-Konzern die Zugstrecke gesperrt, um dort selbst zu bauen. Eine davon unabhängige Sperrung würde dazu führen, dass die Stadt Köln die Kosten für einen Schienenersatzverkehr selbst bezahlen müsste. „Es ist daher zwingend erforderlich, die geplante Sperrpause der DB zu nutzen und das Bauwerk abzubrechen“, teilt das Mobilitätsdezernat in der Beschlussvorlage mit. Schlechtestenfalls könnte es dazu kommen, dass die Stadt die Brücke abreißt, es aber gar keinen Ersatzbau gibt.
Die Anwohner haben sich inzwischen organisiert und wollen ihrem Ärger am Samstag (18. April) vor Ort bei einer Kundgebung Luft machen, die um 11 Uhr beginnen wird. Sie haben außerdem Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) angeschrieben und ihn um Unterstützung gebeten. Die Anwohner verweisen darauf, dass neben den 3500 Menschen auch drei Kindertagesstätten, die Außenstelle des Berufskollegs Ulrepforte, ein Seniorenheim, ein Fußballverein, ein Kleingärtnerverein, die KVB-Haltestelle Im Weidenbruch und eine Kirchengemeinde von dem drohenden Stauchchaos betroffen wären.
