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Kölner SchriftstellerSelim Özdogan hat ein Buch über Hausbesetzungen in Köln geschrieben

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Der Kölner Schriftsteller Selim Özdogan

Der Kölner Schriftsteller Selim Özdogan 

Selim Özdogan ist in Köln-Buchheim aufgewachsen. Dass er Schriftsteller werden will, wusste er schon früh.

„Das Buch ist entstanden, weil ein Freund nebenbei gesagt hat: ‚Meine Grundschulzeit habe ich in einem besetzten Haus verbracht‘“, erzählt Selim Özdogan. „Die erste Frage, die ich ihm gestellt habe, war: ‚Warum? Ihr seid Türken, warum lebt ihr mit deutschen Studenten?‘ Seine Antwort war, sein Vater sei geizig, aber ich dachte, das kann nicht alles sein.“ Also ging Selim Özdogan der Frage nach dem Warum nach. Entstanden ist der Roman „Ihr kriegt uns hier nicht raus“. 

Das Schreiben beschreibt der Kölner als eine Entgrenzung, als ein rauschhaftes Erlebnis, für das er nichts kann. Ein Impuls, wie der Satz seines Freundes, reiche aus. Dann schreibe er, ohne darüber nachzudenken. „Die besten Momente sind die, auf die ich keinen Einfluss habe“, sagt Özdogan.

Dass Selim Özdogan Schriftsteller werden möchte, habe er früh gewusst, obwohl er seiner Meinung nach gar keine Ahnung davon hatte, was das bedeutete. Er ist 1971 in Köln geboren, in Buchheim aufgewachsen und in Mülheim aufs Hölderlin Gymnasium gegangen.

Köln: Autor Selim Özdogan ist in Buchheim aufgewachsen

Nach dem Abitur begann Özdogan ein Studium. „Ich wusste eigentlich schon, als ich mich eingeschrieben habe, dass ich abbrechen werde“, erinnert er sich. Die Anonymität, seine Ahnungslosigkeit und der Umgang mit Literatur störten ihn. „Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich über Literatur sprechen soll, wie die anderen es wollen, und die Literatur gut finden soll, die andere gut finden. Das hat mir nicht gefallen“, sagt Özdogan.

Er brach das Studium ab und merkte, dass er schreiben muss, um Schriftsteller zu sein. „Ich glaube, man fängt aus einem Mangel an, aus einer Wut, einer Trauer, einer Angst, und möchte ganz dringend gesehen werden“, erzählt der Kölner. In der Öffentlichkeit zu arbeiten, sei für ihn ein Wechselspiel zwischen dem Wunsch, gesehen zu werden, und dem Wunsch, sich zu verstecken.

Deshalb traute er sich damals nicht, in Buchhandlungen nach Verlagsadressen zu fragen, und schickte stattdessen seine Freundin vor. Sein Manuskript an Verlage zu schicken, war für ihn jedoch notwendig. Nach zahlreichen Formabsagen erhielt er schließlich einen Brief von einem Verlag, der Interesse bekundete. „Das war ein wirklich krasser Moment“, erzählt Özdogan, „danach war eigentlich nichts mehr so krass.“

Selim Özdogan feiert Buchpremiere in Köln-Mülheim

Dabei wurde ihm vor allem seine Ahnungslosigkeit erneut bewusst. „Auf eine Art, habe ich ein fehlendes kulturelles Kapital, obwohl ich eigentlich nur ein anderes kulturelles Kapital habe. Es ist nur nicht das richtige, es ist keine Währung, die ich ausspielen kann“, sagt der Kölner, „aber dann habe ich gemerkt, dass keine Ahnung von nichts haben, auch eine Art von Kapital ist. Es befreit dich von Mustern.“

Literatur sei der einzige Freiraum, der geblieben sei, findet Özdogan. Und diesen Freiraum habe er genutzt, um zu verstehen, wie seine Stimme klingt und was ihn ausmache. Entstanden ist sein Debütroman „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“, der 1995 erschienen ist. Seitdem arbeitet Selim Özdogan als Schriftsteller in Köln, hat diverse Romane, Geschichten und Kolumnen veröffentlicht und ist in diesem Jahr Stipendiat des Dieter-Wellershoff-Stipendiums von der Stadt Köln und dem Literaturhaus Köln. 

Die Zeit am Schreibtisch genieße er. „Die Dringlichkeit verliert sich“, sagt Özdogan, „jetzt finde ich es einfach eine schöne Art, mich auszudrücken.“ Das habe er auch bei seinem im August bei Kanon erschienenen Roman genossen. Der in Köln spielende Roman beschäftigt sich mit Hausbesetzungen: „Es ist ein unwahrscheinliches Zusammenleben, das erstaunlich gut funktioniert, und es ist eine Erkundung, warum es so gut funktioniert.“

Die Buchpremiere findet am Donnerstag, 17. September, im Kulturbunker Köln-Mülheim statt. „Ich wollte die Premiere nicht an einem der etablierteren Literaturorte machen, der Kulturbunker ist einfach niedrigschwelliger“, sagt Özdogan, „zusätzlich spielt ein Teil des Buchs in Mülheim, weshalb ich es einfach passend fand.“