2001 wurde der Hospizverein Köln-Mülheim gegründet. Seitdem begleitet er sterbende Menschen und Zugehörige im Stadtteil.
Ehrenamtliche begleiten SterbendeHospizverein Köln-Mülheim feiert 25-jähriges Bestehen

Der Hospizverein Köln-Mülheim feiert 25-jähriges Bestehen.
Copyright: Rika Kulschewski
„Unser Leitgedanke war schon immer, dass Sterben ein Teil des Lebens ist“, sagt Sonja Möller, Koordinatorin beim Hospizverein Köln-Mülheim, „wir möchten Menschen in dieser letzten Phase ihres Lebens nicht alleine lassen und ihre Zugehörigen unterstützen.“ Diesem Leitgedanken folgt der Hospizverein nun schon seit 25 Jahren.
2001 wurde er auf Initiative von Marlene Stoffels gegründet, die auch in Mülheim einen Hospizdienst anbieten wollte. Bei der Gründungsversammlung waren 15 Personen anwesend, die den Verein auf die Beine stellten. Sie versuchten, Mitglieder zu finden, und sammelten Geld. 2005 fing letztlich die aktive Arbeit an, bei der Ehrenamtliche sterbende Menschen begleiten.

Maike Wehmeier und Sonja Möller vom Hospizverein Köln-Mülheim.
Copyright: Rika Kulschewski
Hospizverein Köln-Mülheim begleitet Menschen im letzten Lebensabschnitt
Die Hospizbewegung sei weltweit aus bürgerlichem Engagement während der HIV-Epidemie in den 80er-Jahren geprägt worden, erinnert Sonja Möller. Diese Grundidee sei heute noch da, es ginge noch immer viel darum, sich Menschen zuzuwenden, die am Rande der Gesellschaft stehen – und das mithilfe von bürgerlichem Engagement.
Die Begleitung von sterbenden Menschen wird entsprechend beim Hospizverein Köln-Mülheim von ehrenamtlichen Mitgliedern durchgeführt, die vorher einen qualifizierenden Vorbereitungskurs absolvieren müssen. 53 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler im Alter von Anfang 20 bis Mitte 80 engagieren sich mittlerweile beim Mülheimer Hospizverein. Einige von ihnen haben einen Migrationshintergrund, sodass das Angebot in diversen Sprachen durchgeführt werden kann.
Unterstützt und koordiniert werden die Ehrenamtlichen von Sonja Möller und ihrer Kollegin Maike Wehmeier. Sie bereiten die Ehrenamtlichen auch in Zusammenarbeit mit weiteren Referenten auf ihr Engagement vor.
Köln-Mülheim: Hospizverein feiert 25. Jubiläum
In 100 Stunden setzen sie sich intensiv damit auseinander, was sie selbst erlebt haben, und thematisieren, was Sterbende, Zugehörige und auch sie selbst in der Arbeit erleben. Zudem besuchen sie ein Hospiz und einen Bestatter, lernen praktische Kompetenzen und absolvieren ein zehnstündiges Praktikum in einer Senioreneinrichtung oder bei einer häuslichen Begleitung.
„Es gibt keinen Werkzeugkasten für die Arbeit“, betont Maike Wehmeier, „es erfordert vor allem Mut und Neugier, sich in diesem Rahmen auf Menschen einlassen zu können.“ Wichtig sei es vor allem, den Menschen in der Begleitung mit Empathie und Zeit zuzuwenden. „Natürlich brauchen Menschen am Lebensende eine medizinische Versorgung“, sagt Sonja Möller, „aber ich denke, niemand möchte nur von professionellen Menschen umgeben sein. Wir sind soziale Wesen. Und die Ehrenamtlichen kommen mit leeren Händen und ganz viel Zeit.“
„Es geht natürlich darum, die sterbenden Menschen zu begleiten. Ein ganz großer Bestandteil ist aber auch die Entlastung der Zugehörigen“, betont Wehmeier. „Es sind beispielsweise zwei Stunden, in denen sich Zugehörige wirklich keine Sorgen machen und um nichts kümmern müssen, das ist super viel wert.“
Köln: Ehrenamtliche begleiten sterbende Menschen
Neben der Begleitung sterbender Menschen gehören zur Arbeit des Vereins auch Öffentlichkeitsarbeit, die Beratung zu Vollmachten und Anträgen, Aufklärungsarbeit sowie die Durchführung von Letzte-Hilfe-Kursen. Bei dem vierstündigen Crashkurs werden Teilnehmende informiert und lernen, wie sie helfen und unterstützen können. Auch das Trauercafé sei ein wichtiges Angebot des Vereins. „Die Zeit zum Sterben ist begrenzt, die Trauer hört aber nicht auf, deshalb müssen wir uns Trauernden zuwenden“, betont Wehmeier.
Nach 25 Jahren Vereinsgeschichte blicken Möller und Wehmeier zufrieden auf die Arbeit und hoffen, dass sie noch lange so weitergehen kann. „Es wird an vielen Stellen darüber gesprochen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt bricht“, sagt Möller, „wir merken immer wieder, dass wir ein Gegenentwurf sind. Es funktioniert nur, weil Menschen hier zusammenkommen.“
