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Kein Corona-Denkmal
Was es mit der „2020“-Skulptur auf dem Wiener Platz in Köln-Mülheim auf sich hat

3 min
In großen, roten Lettern prangt die Jahreszahl „2020“ über dem Wiener Platz. Warum eigentlich?

In großen, roten Lettern prangt die Jahreszahl „2020“ über dem Wiener Platz. Warum eigentlich?

Seit mehr als zehn Jahren prangt das Jahr „2020“ in großen, roten Lettern über dem Platz. Mit Corona hat das aber nichts zu tun.

Fragt man Anwohnerinnen, Anwohner und Geschäftsleute rund um den Wiener Platz nach der Skulptur, blickt man in viele ratlose Gesichter. Seit 2013 prangt die Jahreszahl „2020“ in großen roten Lettern über dem Platz im Rechtsrheinischen. Doch kaum jemand scheint sich einen Reim darauf machen zu können, was es mit der Skulptur auf sich hat.

Die naheliegendste Assoziation mit dem Jahr 2020 ist Corona. Doch dem Beginn der Pandemie wollte die Stadt hier keinesfalls ein Denkmal setzen.

Die Zahl erinnert stattdessen an das Strukturförderprogramm „Mülheim 2020“. Sie wurde 2013 aufgestellt, um den Bekanntheitsgrad des Programms zu erhöhen. Gefördert wurde „Mülheim 2020“ mit rund 40 Millionen Euro, bereitgestellt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie mit Städtebaumitteln des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ein Programm für drei Stadtteile

Auf Wunsch der Arbeitsgruppe Wiener Platz wurde auch nach Abschluss des Programms auf einen Rückbau verzichtet. Ein Stadtsprecher sagte: „Das Bauwerk ist in einem sicheren Bauwerkszustand, die Standsicherheit wurde nachgewiesen, sodass die Skulptur stehen bleiben kann.“

Ziel des Förderprogramms war es, die Stadtteile Mülheim, Buchforst und Buchheim mit einem Bündel von Maßnahmen aufzuwerten. In allen drei Stadtteilen waren Armut und Arbeitslosigkeit stark ausgeprägt, der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte hoch.

Ein ganzes Bündel verschiedener Maßnahmen wurde damals angestoßen. Dazu gehörten einige Infrastrukturprojekte. So wurde etwa die Berliner Straße saniert, der Bürgerpark dort angelegt. Auch die zentrale Frankfurter Straße wurde saniert, genauso wie die Buchheimer Straße. Die Maßnahmen sollten die Geschäftsstraßen attraktiver machen und dem Stadtteil ein anderes Gesicht geben.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Bildung und Integration. Das Bildungsbüro koordinierte Schulprojekte. Sprachförderprogramme richteten sich an Kinder und Familien. Eine besondere Rolle spielten die sogenannten Stadtteilmütter. 34 Frauen mit Migrationsgeschichte, die zuvor selbst arbeitslos gewesen waren, wurden über das Programm bezahlt und qualifiziert. Sie berieten andere Familien – etwa bei Fragen der Erziehung, im Umgang mit Behörden oder bei finanziellen Problemen.

Eine durchwachsene Bilanz

Daneben gab es Angebote für Langzeitarbeitslose, Gründungsberatung und Wirtschaftsförderung. Ein Wirtschaftsbüro sollte die lokale Geschäftswelt unterstützen und neue Unternehmen anziehen. Die Hoffnung war, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaftskraft des Stadtteils zu stärken.

Die Bilanz fiel bereits 2015 gemischt aus. Zwar bescheinigte der Abschlussbericht den Bildungsprojekten positive und teilweise nachhaltige Effekte. Die lokale Wirtschaft kam trotz der Fördermillionen jedoch nicht in dem erhofften Maß in Schwung. Auch die Gründungsberatung führte nur zu wenigen neuen Unternehmen. Das ist auch 2026 nicht anders. Denn noch immer sind Arbeitslosigkeit und Armut weit verbreitet in Mülheim.

Wie nachhaltig der Wandel war – oder eben nicht – lässt sich auch gut anhand des Wiener Platzes diskutieren, über dem die Skulptur noch immer prangt.

Der Platz bleibt weiterhin ein Sorgenkind. Auch wenn es durch große Bemühungen der Polizei wohl erste Anzeichen der Besserung gibt, was Sicherheit angeht, gehört die Trinker- und Drogenszene weiterhin zum Bild des Platzes. Für viele Anwohner und Geschäftsleute ein Ärgernis.

Das Grundproblem liegt allerdings nicht allein in der Sicherheit. Viele Menschen wünschen sich mehr Grün und Aufenthaltsqualität. Der Architekt Stefan Schmitz findet, dass der Platz unfertig wirkt. Der Grund: Der Siegerentwurf für seine Gestaltung aus dem Jahr 1988 wurde nie vollständig umgesetzt. Zwei Türme sollten den Platz rahmen. Die Gebäude wurden nie gebaut, die Fundamente liegen bis heute neben dem Brunnen. Eine grundlegende Neugestaltung ist kurzfristig nicht absehbar. Für ein umfassendes Konzept fehlt das Geld.