Bei der Debatte um die Mülheimer Brücke geht es um mehr als eine verkehrspolitische Frage.

Mülheimer BrückeLackmustest für neuen OB und Verkehrsdezernenten

Soll der Autoverkehr auf der Mülheimer Brücke weniger Platz bekommen?
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Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Oberbürgermeister Torsten Burmester soll im Kreise von Fraktionsgeschäftsführern und -vorsitzenden zum Ausdruck gebracht haben, dass er dem Verkehrsdezernten Ascan Egerer bei der Mülheimer Brücke misstraut. Im Klartext: Burmester unterstellt Egerer, ideologische Ziele zu verfolgen, anstatt sein Handeln an sachlichen Notwendigkeiten auszurichten. Damit bekommt die Diskussion über zwei Radspuren auf der Mülheimer Brücke, eine Bedeutung, die weit über eine rein verkehrspolitische Debatte hinausgeht. Für Egerer geht es nun um nicht weniger, als um seine Glaubwürdigkeit als Dezernent. Ist er – was ihm schon bei mehreren Projekten nachgesagt wurde – lediglich der Verwaltungsarm der Partei, die ihn ins Amt gehoben hat: der Grünen? Oder wägt er seine Entscheidungen am Wohl der Stadt ab?
Für Burmester wird die Debatte um die Mülheimer Brücke zum Lackmustest: Kann er die oftmals eigenmächtig handelnden Dezernenten als Verwaltungschef für seine Ziele hinter sich vereinen . Oder droht ihm das „Schicksal“ seiner Amtsvorgängerin Henriette Reker, die zum Ende ihrer zweiten Amtszeit das Bild einer Oberbürgermeisterin zeichnete, die sich am Gängelband von Stadtrat und Dezernenten befand. Burmester scheint das Kräftemessen mit einem der derzeit umstrittensten Dezernenten aufnehmen zu wollen. Der Erweiterungsantrag der SPD, bei einer Begutachtung der zwei Radspuren für die Mülheimer Brücke auch die Auswirkungen auf den Verkehr bei weiteren Brückensanierung in den Blick zu nehmen, soll auf ihn zurückgehen: Um es Egerer nicht zu leicht zu machen, das gutachterliche Ergebnis zu bekommen, das er sich wünscht.

