Bei den Passagierkontrollen am Flughafen Köln/Bonn kam es am Donnerstag erneut zu Problemen – nur zwei Tage nach einem beispiellosen Personalausfall.
Nach Chaos am DienstagWieder bildeten sich lange Warteschlangen am Flughafen Köln/Bonn

Extrem lange Schlangen hatten sich am Dienstag vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen Köln/Bonn gebildet. Am Donnerstag kam es erneut zu Verzögerungen.
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An der Sicherheitskontrolle des Flughafens Köln/Bonn ist es nach Angaben von Reisenden am Donnerstag (17. September) wieder zu längeren Wartezeiten gekommen. Fluggäste berichteten unserer Redaktion, dass sich am Morgen vor den Kontrolleinrichtungen erneut Schlangen gebildet hätten. Die schnelle Abfertigung für Geschäftsreisende, die sogenannte „Fast Lane“, sei geschlossen gewesen, einige Passagiere hätten Mühe gehabt, ihren Flug nicht zu verpassen.
Ein Sprecher des Flughafens Köln/Bonn bestätigte auf Anfrage, dass es am Donnerstag zwischen sieben und acht Uhr am Morgen eine Wartedauer von in der Spitze 25 Minuten gegeben habe. Jedoch sei es nicht – wie es im ersten Halbjahr oft zu beobachten war – zu langen Schlangen im Terminal gekommen. „Die Passagiere waren im neuen Wartebereich“, heißt es vom Airport.
Berichte von Passagieren, die Fast Lane sei geschlossen gewesen, wies der Flughafensprecher zurück. Die Fast Lane an Spur 1 sei immer geöffnet, betonte er. Das sei schon deswegen erforderlich, weil durch diese breitere Spur auch Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kindern geschleust werden müssten. Möglicherweise sei es dadurch in der Fast Lane zu Verzögerungen gekommen.
Passagiere hatten wegen langer Wartezeit am Sicherheitscheck ihren Flug verpasst
Ein möglicher Grund für einen weiteren Personalmangel könnte eine Mitarbeiterveranstaltung bei Securitas, dem Sicherheitsdienstleister des Flughafens, gewesen sein. Nach Informationen unserer Redaktion fanden am Dienstag und Mittwoch dieser Woche zwischen 10 und 14 Uhr Betriebsversammlungen des Serviceunternehmens statt.
Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass es am Kölner Airport zu Verzögerungen kommt. Am Dienstagmorgen hatten massive Personalprobleme bei Securitas zu extrem langen Wartezeiten geführt. Ein Nutzer des Kurznachrichtendienstes X sprach von Schlangen, die mehrere hundert Meter lang gewesen seien. In der Folge kam es zu erheblichen Verspätungen bei den Abflügen, manche Reisende verpassten ihre Flüge.
Flughafen-Chef Thilo Schmid erklärte anschließend via Linkedin, zu Beginn der Nachtschicht hätten sich 24 Mitarbeitende des Sicherheitsdienstleisters für die Passagierkontrollen „plötzlich und unerwartet“ krankgemeldet. Das sei mehr als die Hälfte des vom Flughafen bestellten Personals gewesen. Einen Ausfall dieser Größenordnung habe man nicht kompensieren können. Deshalb hätten in der Nacht von Montag auf Dienstag am Security-Check nur zwei der fünf bestellten Kontrollspuren zur Verfügung gestanden. „Ich bitte daher alle Reisenden, die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, so Schmid.
„Überdurchschnittlich hohe und überraschend kurzfristig gemeldete Zahl an Krankheitsfällen“
Ein Sprecher des Sicherheitsunternehmens erklärte auf Anfrage unserer Redaktion: „Securitas hatte am Standort Köln Bonn am Dienstag eine überdurchschnittlich hohe und überraschend kurzfristig gemeldete Zahl an Krankheitsfällen, was am Dienstag zeitweise zu größeren Wartezeiten vor den Kontrollspuren geführt hat.“ Nach einer aus Sicht von Securitas „sehr erfolgreichen Sommersaison mit durchschnittlichen Wartezeiten von unter sechs Minuten“ bedauere man „diesen kurzfristigen Engpass und die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten für die Passagiere“. Das Team am Standort habe „im Rahmen des Möglichen Maßnahmen ergriffen, um etwa mit zusätzlichem Personal gegenzusteuern“.
Seitdem habe sich die Lage wieder normalisiert, sagte der Securitas-Sprecher. Die Verzögerungen in der Passagierkontrolle am Donnerstag seien nicht mit der Situation am Dienstag zu vergleichen. Generell könne es an den Kontrollspuren, „gerade zu Stoßzeiten, immer zu Wartezeiten kommen, weshalb wir Fluggästen grundsätzlich dazu raten, sich einige Stunden vor Abflug auf der Website des Flughafens über die aktuellen Wartezeiten zu informieren“, betonte der Sprecher. Der Flughafen werde von Securitas fortlaufend über die personelle Besetzung der Kontrollspuren informiert und aktualisiere auf dieser Grundlage seine Informationsangebote für die Fluggäste.
Zu der Frage, wie es dazu kam, dass sich am Dienstag mehr als die Hälfte des Personals der Nachtschicht kurzfristig krankgemeldet hat, wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Insgesamt seien am Standort Köln Bonn mehr als 520 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Securitas tätig, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr arbeiten, erläuterte der Sprecher.
In der Warteschlange spielten sich wahre Dramen ab
Womöglich hat der außergewöhnlich große Personalausfall vom Dienstag auch mit den technischen Neuerungen zu tun, die am Airport Einzug gehalten haben. Wie berichtet, hat der Flughafen Köln Bonn Anfang 2025 die Verantwortung für die Sicherheitskontrolle von der Bundespolizei übernommen und danach für knapp 25 Millionen Euro die komplette Sicherheitsanlage erneuert. Dank moderner CT-Technik können Passagiere seitdem Flüssigkeiten und elektronische Geräte im Gepäck lassen. Dadurch verkürzt sich die Kontrollzeit. Die Zahl der Kontrollspuren wurde von 17 auf elf reduziert. Mit der neuen Technik dürfte der Personalbedarf am Security-Check insgesamt zurückgehen, was einen Teil der Arbeitsplätze obsolet zu machen droht.
Flughafen-Chef Thilo Schmid hatte bereits an „alle beteiligten Partner“ des Flughafens appelliert, man habe ein gemeinsames Interesse an sicheren und leistungsfähigen Kontrollen. „Dazu gehört für mich auch, die Chancen neuer Technik konsequent zu nutzen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Prozesse im täglichen Betrieb verlässlich zur Verfügung stehen. Wir sollten diesen Wandel gemeinsam gestalten, statt Technik und Beschäftigung gegeneinander auszuspielen.“ Nun komme es darauf an, dass alle Beteiligten Verantwortung übernehmen, damit sich „solche Ereignisse nicht wiederholen“.
Nach Angaben von Betroffenen waren die extremen Wartezeiten am Dienstag beispiellos. Leser berichteten unserer Redaktion: „Fakt ist, dass sich in der Warteschlange wahre Dramen abgespielt haben. Es flossen Tränen, weil wichtige familiäre Kontakte zu scheitern drohten. Ältere Menschen schienen total überfordert und der Situation nicht gewachsen.“ Die Stimmung unter den Wartenden sei zunehmend aggressiv gewesen. Der Flughafen habe zwar Wasser verteilen lassen und Lautsprecherdurchsagen gemacht. Es seien aber keineswegs Mitarbeiter vor Ort gewesen, die Passagiere angesprochen und bei Fragen unterstützt hätten. „Die Wartenden wurden schlichtweg sich selbst überlassen.“
