In der Politik und beim ADAC herrscht Ratlosigkeit, nachdem bekannt geworden ist, dass wegen Personalmangels zahlreiche Straßen in Köln nicht wie längst geplant saniert werden.
Nach Rundschau-BerichtVerwunderung über Straßenbau-Pause

Das kann gefährlich werden: Ein Schlagloch auf der Äußeren Kanalstraße.
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Wie geht es weiter mit wichtigen Straßenbauprojekten in der Stadt? Nach dem Rundschau-Bericht über das Aufschieben priorisierter Sanierungen herrscht im Rathaus Beratungsbedarf – was noch vorsichtig ausgedrückt ist. Verwunderung und Ärger bestimmen das Bild von der Stadtverwaltung, die mithilfe wenig aussagekräftiger Sachstandsberichte in den Bezirksvertretungen darüber informierte, dass wegen Personalmangels etliche Maßnahmen derzeit überhaupt nicht weiter bearbeitet werden.
Julie Cazier (Grüne), Bürgermeisterin im Stadtbezirk Innenstadt, hat am gestrigen Dienstag erst einmal bei der Verwaltung nähere Informationen zu den Vorhaben angefordert. „Viele Kolleginnen und Kollegen sind erst vor kurzem neu in die Bezirksvertretung gewählt worden“, sagte Cazier der Rundschau: „Wie sollen die anhand der wenigen Angaben, die die Verwaltung geliefert hat, die geplanten Bauarbeiten beurteilen?“
Nähere Informationen eingefordert
Es sei schließlich Aufgabe der Verwaltung, so Cazier, die gegebenen Informationen für die politische Beratung nachvollziehbar zu machen. Der bloße Hinweis auf Baumaßnahmen etwa am Eifelwall oder an der Tunisstraße ohne weitere Angaben oder Dokumentation der zugrundeliegenden Beschlüsse sei nicht hinreichend. „Das ist schon relativ dünn, was in den Papieren steht“, wundert sich die Bezirksbürgermeisterin.
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Deutlich diplomatischer reagierte unterdessen Lino Hammer. Der Grünen-Politiker ist Vorsitzender des Mobilitätsausschusses im Stadtrat und wird, konfrontiert mit den überraschenden und umfangreichen Verzögerungen bei Straßenbauprojekten, wenig konkret. „Bei der Sanierung unserer Infrastruktur müssen Politik und Verwaltung klare Prioritäten setzen“, meinte er auf Anfrage: „Dabei sollte der Fokus vor allem auf den Zielen des nachhaltigen Mobilitätsplan liegen.“
Personalmangel wird andauern
Roman Suthold, Mobilitätstexperte beim ADAC Nordrhein, kann die Personalprobleme der Stadt durchaus nachvollziehen. „Der Konkurrenzkampf um Bauingenieure und Straßenbauer ist groß“, beschrieb Suthold auf Anfrage. Die Autobahn GmbH des Bundes habe viel Personal vom Markt aufgenommen, private Firmen böten attraktivere Arbeitsbedingungen und Löhne, manche Kommunen würden in diesem Bereich deshalb schon höhere Tarife zahlen, um ihre Mitarbeitenden zu halten und zu vermeiden, dass sie zu anderen Institutionen oder Unternehmen abwandern. Oder auch, um neue Fachkräfte zu gewinnen, allein um die vielen erfahrenen Menschen zu ersetzen, die in den Büros der Stadtverwaltung in nächster Zeit in den Ruhestand gehen. Suthold war selbst lange Lehrbeauftragter an einer Hochschule in Bochum und hat dort Nachwuchs mit ausgebildet. Seiner Meinung nach müssten viel mehr junge Menschen ein Studium im Bereich des Bauwesens absolvieren, damit der große Bedarf in den Amtsstuben gestillt werden kann.
Ein Ende des Personalmangels sei so bald also nicht abzusehen, so der Automobilclub-Experte. Der Zustand der Straßen verschlimmere sich daher zusehends: „Das ist wie beim Zahnarzt: Je länger man wartet, umso teurer wird es.“ Bei den Brücken im Land habe man schon gesehen, dass es keinen Sinn mache, auf frühzeitige Sanierungen zu verzichten. Der Investitionsstau sei auch bei den Straßen in Köln enorm, weshalb dringender Handlungsbedarf bestehe.
Beratungen folgen bald
Die Bezirksvertretungen werden nun also erneut viel zu beraten haben, wenn die Mitteilungen über die Bauverzögerungen offiziell in den jeweiligen Sitzungen aufgerufen werden. Normalerweise ist so etwas eine schnell abgehandelte Formalie. Diesmal aber wird es Nachfragen der Politiker und Erklärungsbedarf seitens der Verwaltung geben.
Spontan war man bei der Stadtverwaltung auf Anfrage jedenfalls noch nicht in der Lage, das Thema weiter aufzuarbeiten. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieben Fragen unbeantwortet: Unter anderem dazu, wann mit einer Entspannung der Personalsituation in den zuständigen Ämtern und so mit einer Wiederaufnahme der Planungen gerechnet werden kann.
