Für die Autofahrer, die aus der Innenstadt wieder nach Hause fahren wollen, bringt der Plan keinen Vorteil, sagt unser Autor.

Neue AbbiegespurLösung für den Dauerstau am Kölner Dom ist eine Mogelpackung

Die Bauarbeiten am Domsockel an der Trankgasse laufen.
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Weil der öffentliche Druck in den vergangenen Monaten stetig größer geworden ist, hat sich Mobilitätsdezernent Ascan Egerer offenbar genötigt gefühlt, in die Offensive zu gehen. Er wolle die Situation auf der Trankgasse verbessern, eine neue Linksabbiegespur solle Abhilfe verschaffen, versprach er am vergangenen Wochenende in einem Social-Media-Kommentar. Das klang auf den ersten Blick tatkräftig. Doch tatsächlich existiert diese Idee bereits seit mehr als sieben Monaten. Entwickelt hat sie ein Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt Köln.
Nadelöhr im Gulliver-Tunnel
Auf den zweiten Blick sieht das also nicht mehr ganz so gut aus, denn die zweite Abbiegespur könnte längst vorhanden sein. Es stellt sich vielmehr die Frage, warum Egerer nicht schon viel früher dafür gesorgt hat, den Plan in die Tat umzusetzen.
Wer noch genauer hinschaut, muss feststellen, dass es sich ohnehin um nicht mehr als eine Mogelpackung handelt. Der Verkehr zu den Parkhäusern wird zwar ein wenig flüssiger sein, für die Autofahrer, die aus der Innenstadt wieder nach Hause fahren wollen, bringt diese Lösung aber keinen Vorteil. Das derzeitige Nadelöhr besteht vielmehr in der Sperrung des Gulliver-Tunnels, sodass es nicht mehr möglich ist, die Domumgebung in Richtung Norden zu verlassen. Dagegen würde nur eines helfen: die Öffnung der Trankgasse in Richtung der Nord-Süd-Fahrt. Dafür müsste allerdings die Fahrradstraße direkt am Dom wegfallen, die Egerer so unbedingt haben wollte.
Doch selbst das würde inzwischen nicht mehr unbedingt helfen. Denn der aktuelle Umbau des Domsockels nimmt sehr viel Raum ein. Eine der beiden Fahrspuren dient der Baustelle als Lagerplatz, die andere haben die Fußgänger in Beschlag genommen, weil die Domplatte aufgrund der Bauarbeiten gesperrt ist. Die Lage ist also äußerst verzwickt.
In einem ersten Schritt muss das Mobilitätsdezernat dafür sorgen, dass die Sanierung im Gulliver-Tunnel möglichst schnell abgeschlossen wird – das wird den Verkehrsfluss verbessern. Und in einem zweiten Schritt sollte Ascan Egerer die Trankgasse nach Abschluss der Domsockel-Sanierung wieder in beiden Richtungen für den Autoverkehr freigeben. Ein Dauerstau am Kölner Dom darf keine Option sein.
Dass Ascan Egerer sein Bedauern öffentlich gemacht hat, verdient Anerkennung. Doch beim Bedauern darf es nicht bleiben. Er muss seinen Worten nun auch Taten folgen lassen – und zwar nicht irgendwann, sondern mit einem nachvollziehbaren Zeitplan. Dass es noch immer keinen konkreten Termin für die neue Linksabbiegespur gibt, lässt berechtigte Zweifel daran aufkommen, dass es sich tatsächlich um eine schnelle Lösung handelt. Solange offen bleibt, wann die angekündigte Maßnahme kommt und welchen Effekt sie realistisch haben wird, wirkt sie weniger wie ein Befreiungsschlag als wie der Versuch, den Ärger der Autofahrer über den nächsten Stau auf der Trankgasse zumindest ein wenig zu besänftigen.
