Vor dem Kölner Rheinauhafen entstehen zurzeit neue Anlegestellen für Güterschiffe. Die alten Anlegemöglichkeiten waren vor acht Jahren massiv eingeschränkt worden.
Nach acht JahrenBund lässt neue Anlegestellen für Schiffe am Rheinauhafen bauen

Arbeitsschiffe einer Wasserbaufirma liegen vor der Kaimauer des Kölner Rheinauhafens. Hier werden neue Anlegestellen für Binnenschiffer errichtet.
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Leuchtend orange lackiert sind die Arbeitsschiffe, die zurzeit vor der Kaimauer des Rheinauhafens liegen. Mitarbeiter der Firma OHF Hafen- und Flussbau GmbH aus Au am Rhein haben vor kurzem damit begonnen, hier neue Anlegestellen für die Güterschifffahrt zu errichten. Dafür werden mächtige Stahlrohre mit 1,42 Meter Durchmesser etwa elf Meter tief im Flussbett verankert. Zurzeit wird der untere Teil mit einem großen Bohrgerät in den Flussgrund gesetzt. In einem zweiten Schritt werden darauf vorgefertigte Stahlteile gestellt und verschweißt. Auf diese Weise entsteht eine sogenannte Dalbe, an der Binnenschiffe festmachen können.
Insgesamt acht Liegeplätze werden am Rheinauhafen errichtet, dafür müssen 38 Dalben aus Stahlrohren gebaut werden. Über zehn Stege und Treppen, die parallel zur Kaimauer verlaufen, werden Binnenschiffer hier künftig an Land gehen können. Auftraggeber der rund acht Millionen Euro teuren Baumaßnahme ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein. Es ist für Betrieb, Erhalt sowie Aus- und Neubau des rund 370 Kilometer langen Abschnitts der Bundeswasserstraße Rhein zwischen Mainz und der deutsch-niederländischen Grenze zuständig.
In der Binnenschifffahrt sorgt die Baumaßnahme für Begeisterung. „Die ersten Dalben stehen endlich“, kommentierte Binnenschiffer Christian Niemann auf Facebook. Sie seien für ihn „mehr als ein Schiffsanleger, sondern ein Monument dafür, was Schiffer erreichen können, wenn sie solidarisch zusammenstehen“, sagte er unserer Redaktion.
Binnenschiffer protestierten mit Hupkonzerten
Vor acht Jahren hatten Niemann und andere Binnenschiffer mit lautstarken Hupkonzerten auf dem Rhein von sich reden gemacht. Sie protestierten damit gegen das Anlege- und Festmachverbot, das die städtische Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) im Februar 2018 für die gesamte 1,4 Kilometer lange Liegestelle am Rheinauhafen verhängt hatte. Grund waren statische Probleme. Während des Hochwassers im Winter 2017/2018 hatten sich zwei an der Kaimauer liegende Güterschiffe aus der Verankerung gerissen und dabei die Mauer erheblich beschädigt. Deshalb ließ die HGK die alten Stahlringe und Poller entfernen, an denen bis dato die Schiffe vertäut worden waren. Die Festmacher waren den Zugkräften heutiger Güterschiffe, die viel größer sind als früher, nicht mehr gewachsen.
Die Binnenschiffer reagierten mit Protest, weil Liegeplätze am Rhein rar sind. Wie Lkw-Fahrer auf Rastplätze, sind Binnenschiffer auf Liegeplätze angewiesen, um ihre gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten einhalten zu können. Denn viele Besatzungen sind nicht groß genug, um durchfahren zu können. Im September 2018 wurde das Festmachverbot teilweise wieder aufgehoben. Es galt fortan nur noch für beladene Schiffe mit mehr als 1200 Tonnen Tragfähigkeit und über 9,50 Meter Breite – und damit weiterhin für einen Großteil der Frachter auf dem Rhein.

Die Visualisierung zeigt die geplanten Schiffsanlegestellen vor der Kaimauer des Kölner Rheinauhafens.
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Um die Kaimauer des Rheinauhafens während der Bauarbeiten zu schützen, wird ein erschütterungsarmes Verfahren angewendet. „Hierbei werden die Dalbenunterteile in einem Arbeitsgang direkt in die Rheinsohle gebohrt“, teilt das WSA mit. Zum Schutz der angrenzenden Bebauung werde ein umfassendes Beweissicherungsverfahren durchgeführt. Laut Bauleiter Stephan Derichs von der Wasserbaufirma OHF werden die Bohrungen im Juni abgeschlossen. Danach werden die vorgefertigten Stahlbauteile montiert.
Liegeplätze sollen im Frühjahr 2027 bereit sein
Im Frühjahr 2027 sollen die Liegeplätze betriebsbereit sein. Damit sie sich optisch der Kaimauer anpassen, werden Dalben, Treppen und Stege mit anthrazitgrauer Farbe lackiert. Als Zugang werden Türen in das vorhandene Geländer eingebaut, zudem werden die Landstromanschlüsse für die Schiffe erneuert. Ihre Nutzung wird künftig zwingend vorgeschrieben. Das soll die Anwohner davor schützen, dass Binnenschiffer am Liegeplatz permanent ihren Dieselmotor laufen lassen, um ihre Bordelektrik zu betreiben.
Seit 2023 wurden in der Kölner Innenstadt bereits zahlreiche Anlegestellen für die Binnenschifffahrt modernisiert. Insgesamt 72 Dalben werden linksrheinisch zwischen Konrad-Adenauer-Ufer und Rheinauhafen für die Personen- und Güterschifffahrt errichtet. Durch Planänderungen und Hochwasser hat sich ihr Bau mehrfach verzögert.
Woher die Bezeichnung Dalbe stammt
Der Begriff Dalbe soll auf Fernando Álvarez de Toledo zurückgehen, den Herzog von Alba (Duc d'Albe). Er ließ im 16. Jahrhundert in den kleinen Häfen der spanischen Niederlande große Holzpfähle in den Meeresgrund rammen, damit dort mehr Schiffe anlegen konnten. In Spanien nennt man solche Anlegevorrichtungen „duque de Alba“ also „Herzog von Alba“. In Deutschland werden sie auch Duckdalben genannt. Eine andere Erklärung besagt, dass sich der Begriff aus dem niederdeutschen „duken“, für tauchen, ducken, beugen sowie „Dollen“ für Pfähle zusammensetzt.
