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Mehr Freiraum für Fußgänger Deutzer Freiheit vorübergehend autofrei

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Viel Platz für Fußgänger und Radfahrer gibt es auf der be­ru­hig­ten Deutzer Freiheit. Ein Jahr soll das Ver­kehrs­pro­jekt getestet werden.

Köln/Deutz – Ab sofort ist die Deutzer Freiheit eine Fußgängerzone mit Freigabe für den Radverkehr. Gewöhnungsbedürftig? – Eher nein, wie der erste Tag des zwölfmonatigen Verkehrsversuchs zeigte. Die beiden maßgeblichen Verantwortlichen, Christian Dörkes, kommissarischer Amtsleiter Nachhaltige Mobilitätsentwicklung, und Sven Brückner vom Zukunftsnetz Mobilität NRW, in dem die Stadt Mitglied ist, fanden sich zum Start selbstverständlich vor Ort ein.

Beide stellen sich nun gespannt die Frage: „Was machen die Leute mit dem Raum?“ Anwohner Jens Hüttenberger jedenfalls findet den Versuch gut: „Ich bin sicher, dass sich der Versuch, die Deutzer Freiheit vielleicht dauerhaft autofrei zu machen, auf jeden Fall lohnen wird. Ich glaube, dass unser Stadtteil durch die Fußgängerzone deutlich aufgewertet wird und an Lebensqualität für die Bewohner gewinnt.“

Fußgänger genießen mehr Platz und Freiheiten

Nennenswerte Nutzungskonflikte des veränderten Verkehrsraums blieben aus. Dank der mobilen Absperrungen und Schilder. Verirrten sich dennoch mal Motorisierte in die autofreien Abschnitte, wiesen Ordnungskräfte den Umgehungsweg. Wer zu Fuß unterwegs war, probierte aus, wie es sich anfühlt, mitten auf der Fahrbahn zu gehen.

Oder genoss den Platzgewinn auf den Gehwegen, weil Radfahrende nun intuitiv die autofreie Straße nutzten. Die drei noch erlaubten Querungsverkehre klappten, weil sich die Autofahrer mehrheitlich umsichtig zeigten.

Ausnahme für Lieferverkehr

Kraftfahrzeuge dürfen in den ersten drei Abschnitten ab der Siegburger Straße an Kreuzungen über die Deutzer Freiheit fahren. Nicht zuletzt, damit Anwohner zu ihren Wohnungen gelangen. Von der Neuhöfferstraße ist eine solche Lösung nicht möglich, da die Luisenstraße, die jetzt zur Deutzer Freiheit hin für Kraftfahrzeuge Sackgasse ist, versetzt gegenüberliegt.

Der Verkehr aus der Neuhöfferstraße wird über das kurze Stück Deutzer Freiheit bis zur Graf-Geßler-Straße abgeleitet, von dort am verkehrsberuhigten Von-Sandt-Platz vorbei über die Kasemattenstraße auf Justinianstraße und Gotenring. Für die Route wurde die Einbahnrichtung der Kasemattenstraße umgedreht. Lieferverkehr darf werktags die gesamte Deutzer Freiheit von 6 bis 11 Uhr befahren.

Fußgänger größte Verkehrsteilnehmergruppe

Zählungen zufolge stellten Fußgänger schon immer die größte Verkehrsteilnehmergruppe auf der Deutzer Freiheit, etwa 7000 am Tag, das sind doppelt so viele wie Radfahrer und dreieinhalbmal so viele wie Fahrzeugführer.

Den neu gewonnenen Raum werden bis September sogenannte Straßen-Terrassen aus Sitzgelegenheiten und Pflanzkästen markieren. Die Außengastronomie hatte zuvor bereits durch Wegfall von Pkw-Stellplätzen deutlich Raum dazugewonnen.

Neuen Elemente kommen nicht bei allem Bewohnern gut an

Die Stadt will auch allen, die nicht konsumieren wollen, Möglichkeiten schaffen, es sich auf der Deutzer Freiheit gemütlich zu machen und zu verweilen. Bänke, Radständer und Pflanzkübel sind weitere Elemente der Straßenraummöblierung, die dem Ziel, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, näherbringen sollen.

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Allerdings kommen die Elemente nicht bei allen Bewohnern gut an. „Ich finde die Fußgängerzone nicht gelungen. Die Stadt hätte hier etwas Schöneres hinsetzen können als die hässlichen Plastikkübel in den knalligen Farben. Wenn sich das Plastik aufheizt, gehen die Pflanzen ein. Das ist kein Beitrag zum Klimaschutz“, meint die 82-jährige Barbara Sternenberg. (uw)